Aus Abwasser soll Fernwärme werden. SachsenEnergie und die Stadtentwässerung Dresden planen auf der Kläranlage in Kaditz eine Großwärmepumpe. Sie könnte künftig mehrere Tausend Haushalte versorgen. Die Inbetriebnahme ist für 2033 vorgesehen. Noch ist die Finanzierung nicht gesichert. 
Selbst an kalten Wintertagen ist das gereinigte Abwasser der Kläranlage Dresden-Kaditz noch rund zwölf Grad warm. Im Sommer erreicht es bis zu 20 Grad. Diese Wärme soll künftig nicht mehr ungenutzt in die Elbe fließen, sondern das Dresdner Fernwärmenetz speisen.
Am Freitag, dem 30. Oktober, unterzeichneten SachsenEnergie und Stadtentwässerung Dresden eine Vereinbarung zur weiteren Planung. Vorgesehen ist eine Großwärmepumpe mit zwölf Megawatt Leistung. Sie soll jährlich zwischen 72.000 und 96.000 Megawattstunden Wärme liefern. Das entspricht rechnerisch dem Heizbedarf von 3.600 bis 4.800 Haushalten.
Abwasser wird um bis zu sieben Grad abgekühlt
Ein Wärmetauscher entzieht dem gereinigten Abwasser einen Teil seiner Wärme. Dabei kühlt sich das Wasser um fünf bis sieben Grad ab und fließt anschließend wie bisher in die Elbe. Eine elektrisch betriebene Wärmepumpe hebt die gewonnene Wärme auf Temperaturen von bis zu 110 Grad Celsius. Damit lässt sich das Fernwärmenetz versorgen.
Jährlich sollen rund elf Millionen Kubikmeter Abwasser genutzt werden. Der Vorteil: Die Wärmequelle steht ganzjährig zur Verfügung.
Die geplante Wärmepumpe soll auf einer Fläche von etwa 20 mal 20 Metern entstehen und zehn bis 15 Meter hoch werden. Dafür muss ein bestehendes, mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk weichen.
Die Stadtentwässerung plant außerdem zwei neue Nachklärbecken mit insgesamt 28.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Sie sollen 2032 gebaut werden. Die Wärmepumpe wird bei der Planung berücksichtigt. 
Kläranlage erzeugt schon heute eigenen Strom
Für die Stadtentwässerung ist die Nutzung erneuerbarer Energie kein Neuland. Ralf Strothteicher, Technischer Geschäftsführer der Stadtentwässerung Dresden, erklärte, dass die Kläranlage bereits rund 90 Prozent ihres Strombedarfs selbst deckt.
Einen wesentlichen Beitrag leistet das Klärgas, das bei der Behandlung des Klärschlamms in den Faultürmen entsteht. Es wird in Blockheizkraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Hinzu kommen drei Photovoltaikanlagen und eine Wasserturbine, die das sechs Meter hohe Gefälle des gereinigten Abwassers zur Elbe ausnutzt.
Bereits seit 2013 nutzt die Stadtentwässerung Abwasserwärme, um das Laborgebäude zu beheizen. Auch die Weinbergskirche in Trachenberge gewinnt Heizwärme aus einem Abwasserkanal. Die Kirche setzt seit ihrer energetischen Sanierung auf erneuerbare Energien. Die geplante Großwärmepumpe in Kaditz soll dagegen Wärme in das zentrale Dresdner Fernwärmenetz einspeisen.
35 Millionen Euro – ohne Förderung geht es nicht
SachsenEnergie rechnet mit Investitionskosten von rund 35 Millionen Euro. Das Unternehmen strebt eine Förderung von 40 Prozent über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze an. Das wären rund 14 Millionen Euro. Ohne diese Unterstützung wäre das Projekt nach Einschätzung der Unternehmen nicht wirtschaftlich. Die unterzeichnete Vereinbarung betrifft deshalb zunächst nur die Planung, nicht den Bau.
Wie schwierig die Rechnung ist, zeigen Zahlen, die SachsenEnergie-Finanzvorstand Axel Cunow beim Pressetermin nannte. Demnach würde die Wärmepumpe Wärme für rund 67 Euro pro Megawattstunde erzeugen. Bei Erdgas liegen die reinen Erzeugungskosten bei etwa 50 Euro. Einschließlich der Kosten für CO₂-Zertifikate steigt der Betrag allerdings auf rund 80 Euro.
Die Wärmepumpe soll deshalb bevorzugt dann laufen, wenn günstiger Strom zur Verfügung steht. Geplant sind rund 6.000 Betriebsstunden im Jahr. Aus einer Megawattstunde Strom kann die Anlage etwa drei bis dreieinhalb Megawattstunden Heizwärme gewinnen.
Cunow verwies darauf, dass die Dresdner Fernwärme bislang zu rund 95 Prozent auf Erdgas beruht. SachsenEnergie wolle diese Abhängigkeit schrittweise abbauen. Neben dem Klimaschutz müssten dabei auch die Versorgungssicherheit und bezahlbare Fernwärmepreise berücksichtigt werden.
Die geplante Anlage könnte jährlich rund 12.480 Tonnen Kohlendioxid gegenüber einer erdgasbasierten Wärmeerzeugung einsparen. Ihr Anteil am heutigen Dresdner Fernwärmebedarf läge rechnerisch bei 5,7 Prozent.
Inbetriebnahme für 2033 geplant
Die Unternehmen haben den Standort bereits über mehrere Monate untersucht. Nun folgt die Detailplanung. Neben der Finanzierung und den Genehmigungen muss das Wärmenetz in Kaditz mit dem zentralen Dresdner Fernwärmenetz verbunden werden. Auch die beiden neuen Nachklärbecken müssen vorher fertiggestellt sein.
Anfang 2033 könnte die Anlage in Betrieb gehen. Mit zwölf Megawatt würde sie zu den größeren Abwasserwärmepumpen in Deutschland gehören.
Die Kaditzer Wärmepumpe ist Teil des geplanten Umbaus der Dresdner Fernwärmeversorgung. SachsenEnergie plant unter anderem eine Flusswasser-Wärmepumpe an der Elbe nahe der Marienbrücke mit rund 50 Megawatt Leistung. Sie soll zwischen 2029 und 2031 entstehen. Hinzu kommt die geplante thermische Abfallbehandlungsanlage RING30, die ab 2030 einen Teil der bisherigen Erdgaswärme ersetzen könnte.




