Eigentlich schien das Thema für den Stadtbezirk Pieschen schon erledigt. Im Februar verkündete der Zoll, dass die Pläne, in Kaditz einen Zollhof zu errichten, nicht mehr verfolgt würden (Pieschen-Aktuell vom 28. Februar 2026). Über Umwege kommt das Thema nun aber wieder zurück. 
Zwar wird weiterhin kein Zollhof-Umzug angestrebt, aber nun soll nach einem Stadtratsbeschluss ein Parkplatz zur Zoll-Vorabfertigung für LKW zumindest temporär im östlichsten Zipfel von Trachenberge an der Ecke Hammerweg, Stauffenbergallee entstehen. In der vergangenen Woche hat eine Initiative dagegen protestiert. In einem offenen Brief wies sie darauf hin, dass die Fläche nur 45 Meter von den Haftbaracken des ehemaligen „Judenlagers Hellerberg“ entfernt sei (Neustadt-Geflüster vom 5. August 2026).
Auf Nachfrage äußerte sich SPD-Stadtrat Stefan Engel. Seine Fraktion hatte gemeinsam mit CDU und Team Zastrow den Antrag eingebracht, der am 4. Juni 2026 (A0150/26) vom Stadtrat mehrheitlich beschlossen wurde. Demnach soll die Stadtverwaltung rund 6.000 Quadratmeter städtischer Flächen – Teile der Flurstücke 162/7 in der Gemarkung Trachenberge und 30/28 in der Gemarkung Hellerberge – zum Verkehrswert an die SachsenNetze GmbH verkaufen. Dort soll langfristig ein Umspannwerk entstehen, übergangsweise soll die Fläche als Vorstauparkplatz für die Lkw-Abfertigung des Dresdner Zolls dienen.
„Der Stadtrat hat das Areal gegenüber der ursprünglichen Verkaufsanfrage der SachsenEnergie an die Stadt deutlich reduziert“, sagt Engel. Anstelle von 11.000 Quadratmetern sei nur noch etwas mehr als die Hälfte vorgesehen, die Flächen der früheren Lagergebäude seien bewusst herausgenommen worden. 
Nach den Plänen des Stadtratsbeschlusses sollen die SachsenNetze, ein Tochterunternehmen der SachsenEnergie, das Grundstück kaufen. Das Umspannwerk würde voraussichtlich in den 2030er Jahren errichtet, dann sollen auch die Arbeiten an der Müllverbrennungsanlage „Ring 30“ abgeschlossen sein – ein Umzug des LKW-Parkplatzes dorthin ist eine mögliche, aber noch nicht gesicherte Option.
Auf Nachfrage äußert sich SachsenEnergie-Sprecherin Johanna Lemke zur Eignung des Standorts: „Die Landeshauptstadt Dresden hat bisher ein zusammenfassendes Schreiben der Grundstücksthemen übergeben. Weitere Detailunterlagen (u.a. Gutachten zu Baugrund und Altlasten) liegen uns noch nicht vor. Erst nach Vorliegen der vollständigen Unterlagen lässt sich diese Frage abschließend beantworten.“ Für Genehmigung und Finanzierung eines befristeten LKW-Parkplatzes sei die Landeshauptstadt zuständig, so Lemke.
Stefan Engel: „Die Prüfungen der SachsenEnergie müssen die Verträglichkeit von Gedenkkultur und anderen angedachten Nutzungen auch zum Inhalt haben. Dafür braucht es erst einmal konkretere Planungen. Es wäre gut, wenn das Areal auch unabhängig von der Standortentscheidung der SachsenEnergie dauerhaft mehr Aufmerksamkeit bekommt.“
SachsenNetze sucht im Dresdner Norden derzeit ein Grundstück für ein weiteres Umspannwerk, um die steigende Stromnachfrage durch erneuerbare Energien, E-Mobilität und Wärmepumpen decken zu können. Acht Liegenschaften wurden als potentielle Standorte identifiziert, die Prüfung – unter anderem zu Netzanbindung, Verkehrsanbindung und Artenschutz – dürfte mindestens bis Jahresende dauern. Eine Entscheidung, dass das Umspannwerk auf der Fläche in Trachenberge gebaut wird, gibt es bislang nicht.
- Alle Berichte zur Entwicklung der Zollhof-Debatte im Dossier „Zollhof“.



