Ein Wäldchen, ein großer Park, neue Wohnungen und Platz für Kultur: Auf dem Gelände am Alten Leipziger Bahnhof, gleich hinter der Grenze zu Pieschen, soll ein neues Stadtviertel entstehen. Rund 100 Menschen kamen am Mittwochabend zur öffentlichen Vorstellung der Pläne ins Gymnasium Dresden-Pieschen. Bis tatsächlich gebaut wird, dürfte es dauern. Vor 2030 hält die Stadt einen Baubeginn nicht für realistisch. 
Das rund 27 Hektar große Gebiet erstreckt sich zwischen Leipziger Straße, Erfurter Straße, Eisenbahnstraße und Bahntrasse. Hier soll ein neues Stadtviertel mit Wohnungen, Gewerbe, Kultur und öffentlichen Grünflächen entstehen. Die Grundstücke gehören allerdings nicht der Stadt, sondern gut einem Dutzend verschiedener Eigentümer.
Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) begrüßte die Gäste in der Aula des Gymnasiums an der Erfurter Straße. André Barth vom Stadtbezirksamt Neustadt moderierte den Abend. Vertreter der Verwaltung und der Planungsbüros stellten die Entwürfe vor und beantworteten Fragen aus dem Publikum.
Vom Wettbewerb zum Baurecht
Die Planungen begannen 2022 mit einem Beteiligungsverfahren. Grundstückseigentümer, Verwaltung, Bürger und Stadtpolitik erarbeiteten gemeinsam Vorgaben für das Gelände. Es folgte ein Wettbewerb. Im Februar 2024 gewann der Entwurf von Kopperroth, Fabulism und Station C23 mit dem Titel „Urbanität und Wildnis“.
Seitdem haben die Planer den Entwurf überarbeitet. Sie passten Gebäude und Wege an, berücksichtigten den Artenschutz und verschoben eine Gebäudeflucht, um bestehende Bäume zu erhalten. Marcus Kopper und Michael Rudolph stellten den aktuellen Gestaltungsplan vor.
Nun sollen zwei Bebauungspläne für den nördlichen und südlichen Teil des Geländes verbindliche Regeln schaffen. Matthias Lerm, Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität, erläuterte das Verfahren. Dabei müsse die Stadt öffentliche und private Interessen gegeneinander abwägen. 
Wenn alles gut läuft, könnte der Stadtrat die Bebauungspläne in etwa drei Jahren beschließen, sagte Stefan Patschger vom Stadtplanungsamt. Danach müssten die Beteiligten noch Grundstücksfragen klären. Deshalb dürften sich die einzelnen Bereiche unterschiedlich schnell entwickeln.
Park, Kultur und neue Wohnungen
Im Norden sollen vor allem Wohnungen entstehen. Begrünte Innenhöfe und ein „Grüner Boulevard“ durchziehen den Entwurf. Rund um den Alten Schlachthof planen die Architekten eine sogenannte Eventspange. Dort sollen Kultur, Gastronomie, Geschäfte, Sportangebote und ein Nachbarschaftshaus Platz finden.
Daran schließt sich der geplante Neue Leipziger Park an. Die heute weitgehend brachliegende Fläche soll Raum für Natur, Erholung und Spiel bieten. Auch die vorhandenen Gleise, die sogenannte Gleisharfe, prägen den Entwurf.
Im Süden, rund um den Alten Leipziger Bahnhof, stehen Kultur, Gewerbe und die denkmalgeschützten Gebäude im Mittelpunkt. Hinzu kommen Flächen für öffentliche und soziale Einrichtungen, religiöse Nutzungen sowie den geplanten Gedenk- und Begegnungsort. Auch ein Skatepark gehört zu den Überlegungen. Dieser müsse sich allerdings mit dem Denkmalschutz vereinbaren lassen, erklärte Lerm. 
Der Alte Leipziger Bahnhof steht für die europäische Eisenbahngeschichte, aber auch für die Deportation jüdischer Menschen. Kühn verwies auf die Zusammenarbeit mit dem Förderkreis, der sich für einen Gedenkort einsetzt.
Autos in Quartiersgaragen, Grün auf den Dächern
Das neue Viertel soll weitgehend ohne Autoverkehr auskommen. Quartiersgaragen am Rand des Geländes sollen die Stellplätze bündeln. Im Inneren wollen die Planer den Autoverkehr begrenzen und Durchgangsverkehr möglichst vermeiden. Auch Carsharing gehört zum Konzept.
Die Vorentwürfe enthalten zudem zahlreiche Vorgaben für Begrünung und Energieversorgung. Dächer sollen begrünt werden, auf mindestens der Hälfte der Dachflächen sind Solaranlagen vorgesehen. Schottergärten wollen die Planer ausschließen. Selbst Müllbehälter sollen möglichst hinter Laubgehölzen oder Kletterpflanzen verschwinden.
Für die Wärmeversorgung strebt die Stadt einen Anschluss an das Fernwärmenetz an. Ein genaueres Konzept fehlt noch. Feste fossile Brennstoffe sollen künftig nicht mehr zur Wärmeversorgung dienen.
Noch sind diese Vorgaben nicht verbindlich. Zunächst muss die Stadt die Stellungnahmen auswerten und die Entwürfe überarbeiten.
Was bleibt vom Wagenplatz?
Mehrere Gäste fragten nach der Zukunft des Wagenplatzes und der bestehenden Subkultur. Kühn betonte, die Stadt wolle die bisherigen Nutzer nicht verdrängen. Vielmehr strebe sie an, die betreffenden Grundstücke zu erwerben.
Ein Bebauungsplan könne auch Flächen für einen Wagenplatz vorsehen. Bauaufsichtlich bleibe die Situation jedoch schwierig. Mehr als eine Duldung könne die Stadt derzeit nicht zusagen. Anja Heckmann vom Stadtplanungsamt verwies auf ein vorgesehenes Sondergebiet. 
Weiterhin steht eine angedrohte Räumung des Geländes im Raum. Laut Kühn hat der Eigentümer Globus zugesagt, eine Räumung vorher anzukündigen. Einen konkreten Zeitplan für den Wagenplatz nannte die Stadt nicht.
Am Beispiel der Hanse3 kam die Frage auf, wie sich öffentliche und soziale Angebote auf privaten Grundstücken sichern lassen. Heckmann erklärte, dass die öffentliche Hand die Eigentümer entschädigen müsste, wenn sie deren Grundstücke dafür beansprucht. Ein Sondergebiet könne dagegen in privater Hand bleiben.
Kühn verwies auf mögliche Vereinbarungen mit den Eigentümern. Zusätzliche Baumöglichkeiten an anderer Stelle könnten helfen, Flächen für öffentliche Zwecke zu sichern.
Schlachthof soll bleiben, neue Wege noch offen
Auch die Zukunft des Alten Schlachthofs beschäftigte das Publikum. Die Konzertstätte soll erhalten bleiben. Heckmann verwies auf deren bestehende Rechte. Neue Nutzungen in der Nachbarschaft müssten den erforderlichen Schutz berücksichtigen.
Für Fußgänger und Radfahrer soll das Gelände künftig besser erreichbar sein. Dazu gehört auch die mögliche Öffnung von drei Bahnbögen. Wie die neue Fuß- und Radverbindung genau verlaufen soll, steht laut Heckmann noch nicht fest.
Einen grundlegenden Umbau der Leipziger Straße kündigte Kühn nicht an. Stattdessen plant die Stadt zusätzliche Querungsmöglichkeiten. Die Eisenbahnstraße brauche eine neue Oberfläche und einen Radweg. Dafür sei allerdings kein Bebauungsplan nötig.
Stellungnahmen bis zum 27. November
Bis zum 27. November können auch Pieschener Hinweise und Einwände zu den beiden Vorentwürfen einreichen. Danach wertet die Stadt die Stellungnahmen aus und überarbeitet die Pläne. Das letzte Wort hat der Stadtrat.
- Alle Berichte zum Thema bündelt unser Dossier zum Alten Leipziger Bahnhof.
- Die Unterlagen stehen unter www.dresden.de/offenlagen bereit (Nord-Teil; Süd-Teil).
- Eine Einsichtnahme ist auch im Stadtforum und im Stadtbezirksamt Neustadt möglich.
- Stellungnahmen können per E-Mail an stadtplanung-mobilitaet@dresden.de geschickt werden.
- Weitere Informationen zum Alten Leipziger Bahnhof





