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Soziale Angebote in Pieschen

Pieschen-Aktuell bei Google bevorzugen

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (Die Linke) hat sich vor Ort ein Bild von den sozialen Beratungsangeboten in Pieschen gemacht. Dabei zeigte sich: Der Stadtteil ist sozial stabil aufgestellt, steht aber zunehmend unter Druck. Mehr Zuzüge, steigende Mietschulden und ein wachsender Beratungsbedarf treffen auf begrenzte Kapazitäten.

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann im Gespräch mit dem Leiter der AWO-Schuldnerberatung Sebastian Lelanz - Foto: J. Frintert
Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann im Gespräch mit dem Leiter der AWO-Schuldnerberatung Sebastian Lelanz – Foto: J. Frintert

Ein Stadtteil im Wandel

Pieschen wächst. Knapp 55.000 Menschen leben inzwischen im Stadtteil, die Bevölkerung wird jünger und es entstehen neue Wohnungen. Torsten König, stellvertretender Leiter des Sozialamts, zeigte sich mit dieser Entwicklung zufrieden. Nach Angaben von Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann liegt die Arbeitslosenquote mit rund sieben Prozent etwa im Dresdner Durchschnitt. Weder Arbeitslosigkeit noch soziale Segregation prägten den Stadtteil. Vielmehr sei Pieschen „sozial stabil durchmischt“. Knapp 60 Prozent der Haushalte sind Singlehaushalte, der Seniorenanteil liegt unter 21 Prozent, der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte unter zehn Prozent. Das Durchschnittsalter beträgt 41,3 Jahre.

Wo die Herausforderungen liegen, zeigen die Zahlen des Sozialamts: Rund 5.000 Menschen beziehen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, 740 erhalten Hilfe zum Lebensunterhalt. Hinzu kommen Hilfen zur Pflege sowie rund 40 Menschen, die nach dem Sozialgesetzbuch untergebracht sind. Robin Beitz von der Wohnungsfürsorge betonte, wie eng die verschiedenen Hilfsangebote ineinandergreifen. Ohne Wohnung sei eine Stabilisierung kaum möglich – ohne Beratung wiederum oft keine Wohnung.

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Beim Wohnungsbau verweist Markus Müller, Referent für Wohnungspolitik, auf rund 230 neue Wohnungen der städtischen Wohnungsgesellschaft WiD, unter anderem in der Rosa-Steinhart-Straße (Pieschen-Aktuell vom 15. Juni 2023). Hinzu kommen mehrere private Bauprojekte wie Marina Garden und die Hafencity, weitere Wohnungen entstehen derzeit in Mickten. Dennoch bleibt der Wohnungsmarkt in Pieschen angespannt.

Schuldnerberatung: Warteliste wird länger

Wie sich die Situation auf die Menschen auswirkt, zeigt die AWO-Schuldnerberatung an der Leipziger Straße. Zwar gehe die Zahl der Neuklienten leicht zurück, berichtet Leiter Sebastian Lelanz, die einzelnen Beratungen würden jedoch deutlich aufwendiger. „Es kommen mehr Menschen, die nur schlecht Deutsch können, und vermehrt ältere Bürger“, sagt Lelanz. In beiden Fällen brauche die Beratung mehr Zeit.

Die Schuldnerberatung gehört zu den freiwilligen Leistungen der Stadt Dresden. Dennoch ist sie stark gefragt. „Hier beraten wir besonders viele Menschen mit existenziell bedrohlichen Schulden, vor allem Mietschulden“, so Lelanz. Die Beratungsstelle arbeitet an ihrer Kapazitätsgrenze, die Warteliste wächst. Aktuell beträgt die Wartezeit zwei bis drei Wochen.

Drei Beratungsfachkräfte bewältigen bis zu 100 Termine im Monat. Rund ein Drittel davon fällt allerdings aus, weil Klienten nicht erscheinen – eine Quote, die zuletzt gestiegen ist. Die Ratsuchenden kommen aus allen Altersgruppen zwischen 18 und 80 Jahren und reichen von Menschen ohne Einkommen bis zu gut verdienenden Berufstätigen.

Sucht: Crystal und Cannabis auf dem Vormarsch

Auch die Suchtberatung an der Leipziger Straße beobachtet Veränderungen. Cannabis- und Crystal-Konsum sowie Mehrfachabhängigkeiten (Polytoxikomanie) nehmen zu. Aufgrund seiner vergleichsweise jungen Bevölkerung sei Pieschen stärker vom Drogenkonsum betroffen als viele andere Stadtteile. Die Beratungsstellen arbeiten dabei eng mit den städtischen Suchtbeauftragten zusammen.

Tagestreff „Schorsch“: Ankerpunkt für Wohnungslose

An der Mohnstraße betreibt die Diakonie mit dem Tagestreff „Schorsch“ eine zentrale Anlaufstelle für wohnungslose Menschen aus ganz Dresden. Dreimal pro Woche können Besucher dort duschen und ihre Wäsche waschen. Sozialpädagogin Lisa Mazanec berichtete von rund 4.000 Besuchen im Jahr. Etwa jeder dritte Besucher ist wohnungslos.

Sozialpädagogin Lisa Mazanec berichtete im "Schorsch" von der Arbeit in dem Treff für Wohnungslose. Foto: J. Frintert
Sozialpädagogin Lisa Mazanec berichtete im „Schorsch“ von der Arbeit in dem Treff für Wohnungslose. Foto: J. Frintert

Darüber hinaus begleitet die Diakonie jährlich rund 100 Menschen im ambulant betreuten Wohnen. Ziel ist es, Betroffene dauerhaft zu stabilisieren und ihnen den Weg zurück in ein eigenständiges Wohnen zu ermöglichen.

Kontakt- und Beratungsstelle „Auftrieb“: Mehr Ängste, weniger Zeit

Stadtweit tätig ist auch die Kontakt- und Beratungsstelle „Auftrieb“ des DRK. Anja Fiedler, Céline Nawrat und Maxi Luise Kabella unterstützen Menschen bei der Kommunikation mit Behörden, bei der finanziellen Absicherung sowie bei Schulden, Stromsperren und Inkassoverfahren. Häufig scheitern Betroffene an unverständlichen Bescheiden oder Sprachbarrieren. Auch bei Bewerbungen hilft die Beratungsstelle; dafür stehen Computerarbeitsplätze zur Verfügung.

Im "Auftrieb" traf die Bürgermeisterin auf Anja Fiedler, Céline Nawrat, die hier vor allem beim Umgang mit Behörden beraten. Foto: J. Frintert
Im „Auftrieb“ traf die Bürgermeisterin auf Anja Fiedler, Céline Nawrat, die hier vor allem beim Umgang mit Behörden beraten. Foto: J. Frintert

Monatlich werden zwischen 70 und 100 Beratungen durchgeführt. Die räumlichen Kapazitäten sind begrenzt, die Wartezeit liegt derzeit bei etwa zwei Wochen. Die drei Sozialpädagoginnen teilen sich insgesamt 74 Wochenstunden.

Auffällig sei, berichtet Fiedler, dass viele Ratsuchende heute mit deutlich größeren Ängsten in die Beratung kämen. Die meisten stammen aus Pieschen selbst. Als großen Vorteil bezeichnet sie die räumliche Nähe der vier sozialen Einrichtungen. Sie arbeiten sowohl in der Stadtteilrunde als auch im persönlichen Austausch eng miteinander zusammen.

Kürzungen im Raum, Bedarf steigt

Obwohl der Sozialetat insgesamt gewachsen ist, drohen in den bevorstehenden Haushaltsverhandlungen Kürzungen – unter anderem in den Bereichen Psychiatrie und Sucht. Gleichzeitig sind sowohl die Bedarfe als auch die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Sozialbürgermeisterin Kaufmann warnte deshalb davor, ausgerechnet bei den Beratungsangeboten zu sparen. Der Rundgang habe gezeigt, dass sie für viele Menschen im Stadtteil unverzichtbar sind.

Angebote in der Übersicht

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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