Am vergangenen Sonnabend lud die Alte Gärtnerei in Pieschen zum Tag der offenen Tür ein. Bei Sonnenschein gab es Führungen über das Gelände sowie Kaffee, Limonade und Focaccia im Gartencafé. 
Punkt 13 Uhr schlägt Vincenzo mit der Eisenstange gegen die leere Gasflasche vor dem Café-Container und läutet zur Führung. Stündlich gibt es Veranstaltungen – eine Tour durch den Naschgarten, Infos zur Geschichte der Gärtnerei oder Angebote für Kinder und Jugendliche. Los geht es an der Kompostanlage. „Im Sommer kann es da drin gut und gerne mal 60 Grad warm werden“, erklärt der Gartenbau-Student. „Heißrotte“ heißt das. Der gesamte Grünschnitt wird hier mit Eseldung kompostiert, nichts verlässt das Gelände.
Direkt gegenüber wachsen in der Selbstpflücke Himbeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Sind die Früchte reif, können sie gepflückt und später bezahlt werden. Perspektivisch soll hier ein Agroforst entstehen: Unterpflanzen schützen den Boden, Sträucher tragen Früchte, Kopfbäume spenden leichten Schatten.

Weiter geht es in die Gewächshäuser: Manche sind schon in Betrieb, andere werden noch renoviert; alle noch ohne Fensterglas. Unter der Stahlkonstruktion liegen Beete und Jungpflanzen in Töpfen, die verkauft werden. Auf der Fensterbank wachsen die jüngsten Bewohner heran: kleine, grüne Halme, aus denen Sträucher und Bäume werden. 
Der Hundertjährige Garten
Verpachtet wird die Fläche von der angrenzenden Gärtnerei Nietzsche. Seit über 100 Jahren wird hier Gartenbau betrieben, einst am Stadtrand. Nach der Öl- und Finanzkrise 2008 konnten die Kosten für Gewächshäuser und Bewirtschaftung nicht mehr getragen werden. Zehn Jahre später, 2019, öffnete die Alte Gärtnerei – ein Projekt von Ufer-Projekte Dresden e.V., der acht Gartenprojekte in Dresden betreibt.
„Hier ist alles Handarbeit“, erzählt Vincenzo, der ehrenamtlich mitarbeitet. Statt Pestiziden kommen Brennnesseljauche und Jäten zum Einsatz, Pflanzenschutzmittel sind rein biologisch. Neben ihm arbeiten weitere Ehrenamtliche, fünf Hauptamtliche sowie Freiwilligendienstler*innen und Werkstudis. Ohne sie wäre das Projekt nicht möglich. 
Zukunftsprojekt Alte Gärtnerei
Im vergangenen Jahr brachen die Förderungen weg, vor allem aus EU-Mitteln. Damit wurden Personal bezahlt und Investitionen finanziert – etwa das Gartencafé und die Wiederinbetriebnahme der Gewächshäuser.
Heute trägt sich die Gärtnerei vor allem durch das Café, den Pflanzenverkauf und Bildungsangebote, ergänzt durch Spenden und Zukunftspatenschaften. Das deckt die laufenden Kosten, lässt aber kaum Spielraum für Rücklagen oder neue Investitionen. Angesichts trockener Sommer sind diese jedoch nötig, um die Alte Gärtnerei langfristig zu erhalten – als Ort für Gemeinschaft, Bildung und eine Pause im Grünen.
Alte Gärtnerei Pieschen
- Website
- Veranstaltungen
- Beerenselbstpflücke, Pflanzenverkauf & offener Naschgarten: Dienstag bis Freitag 9 bis 15 Uhr
- Gartencafé: Freitag 14 bis 17 Uhr, Sonnabend 10 bis 17 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr
- Spenden oder Zukunftspatenschaft übernehmen




