Thema: Sachsenbad

Bibliothek Pieschen: Sachsenbad-Zeitzeugen kommen in Ausstellung zu Wort

„Therapieschwimmen im Sachsenbad, das wäre schön“. Die 71-jährige Helga Schönberg kennt das Bad schon aus Kinderzeiten, ist seit 1956 regelmäßig zum Schwimmen hier gewesen, hat später ihre Prüfung als Rettungsschwimmerin abgelegt und nebenbei beim Wasserrettungsdienst gearbeitet. Im August 2018 hat sie über ihre Erinnerungen bei einem Zeitzeugen-Treffen der Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“ berichtet. Jetzt kann man sie in der Ausstellung „Zeitzeugen erzählen“ wiederfinden. Sie ist noch bis zum 3. April in der Bibliothek Pieschen zu sehen.

sachsenbad und buecherei

Bibliotheksleiterin Silke Zimmermann erinnerte in ihrer Begrüßung an die „ganz besondere Verbindung von Bibliothek und Sachsenbad. Fotos: P. Haschenz / W. Schenk

Katie Sennewald ist mit ihrem 90-jährigen Vater Frieder zur Ausstellungseröffnung am Montagabend gekommen. Er war dort oft schwimmen, sie hat zeitweise in der Sauna gearbeitet, ihre beiden Brüder waren Rettungsschwimmer. Besonders gern erinnert sich Katie Sennewald an die Feten im Sachsenbad. „1987 gab`s Fasching, mit Alkohol, Luftschlangen und wir haben sogar geraucht“, erzählt sie. Das könne man sich heute gar nicht mehr vorstellen. „Die Zeit“, sagt sie, „kann man nicht zurückdrehen und nie wieder wird es so unkompliziert sein wie damals, aber wir brauchen das Bad“.

Sachsenbad Ausstellungseröffnung

Dorothea Becker, Christian Helms und Heidi Geiler von der Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“ (v.l.n.r.). Foto: W. Schenk

„Ja, wir brauchen das Bad“, betonte auch Heidi Geiler vom Verein Pro Pieschen, der die Bürgerinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“ unterstützt. Der kurz bevor stehenden Entscheidung der Stadtverwaltung über die Konzeptausschreibung zum Sachsenbad sehen die Mitglieder der Initiative mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie wollen einen Sanierer, der das Konzept des Gesundheitsbades umsetzt. Und sie ahnen, dass es anders kommt. Mit der Ausstellung „Zeitzeugen erzählen“ wollte die Initiative die Entscheider „emotional packen“, sagte Geiler. Das Sachsenbad hatte nie eine große Lobby in der Stadtpolitik. Nicht einmal die Aufnahme des Bades in das Sanierungsgebiet Pieschen und die zweimalige Bereitstellung von Fördermitteln konnten in den 90er Jahren die handelnden Personen im Stadtrat umstimmen, erinnert sie. Sie waren nicht bereit, die notwendigen Zuschüsse für den Bäder-Betrieb zur Verfügung zu stellen.

Sachsenbad Ausstellungseröffnung Helms

Mit Begeisterung berichtet Christian Helms über die soziale Idee, die hinter dem Sachsenbad steckte. Foto: W. Schenk

Daran hat sich offenbar nichts geändert, kritisierte Dorothea Becker, Architektin und Sprecherin der Bürgerinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“. Bäder gehören zur sozialen Infrastruktur und da seien Zuschüsse ganz normal, sagte sie bei der Ausstellungseröffnung. Auch wenn sich die Idee der Bürgerinitiative, das Bad als Gesundheitsbad wiederzubeleben, in der Konzeptausschreibung wiederfinde, sei es nie Ziel gewesen, dass das Bad verkauft wird, betonte Becker. Dass es jetzt so kommen soll, „ist besonders bitter“, sagt sie und fügt hinzu. „Wir geben uns noch nicht geschlagen“.

Bevor die anwesenden Zeitzeugen und Gäste das kleine Buffett (mit Schnittchen und Häppchen aus dem Café Gemüsetorte) stürmten, berichtete Christian Helms von seiner inzwischen 40 Jahre währenden Verbindung mit dem Sachsenbad. Begeistert habe ihn vor allem die soziale Idee, die hinter der Verbindung von Bad, Gesundheit, Bibliothek und Wohnen an einem Standort steckte. Einen solchen Ort gebe es in Dresden nicht noch einmal, betonte er.

Ein Ausstellungsposter zeigt einen Zeitstrahl: Er beginnt mit der Schließung des Bades im Jahr 1994. Am Ende steht die Jahreszahl 2025 mit der Frage „Das neue Sachsenbad wird eröffnet?“.

Service:

WAS: Ausstellung „Zeitzeugen erzählen“, Erinnerungen an das Sachsenbad
WANN: bis zum 3. April zu den Öffnungszeiten der Bibliothek
WO: Bibliothek Pieschen, Bürgerstr. 63

mehr über die Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“
Berichte und Hintergründe zur Sanierung des Sachsenbades 

Eine Meinung zu “Bibliothek Pieschen: Sachsenbad-Zeitzeugen kommen in Ausstellung zu Wort

  1. Schon 1993 wurde in der 7. Sitzung des Ortsbeirates Pieschen unter TOP 1 geschrieben: „Umbau und Modernisierung des Sachsenbades (überarbeitete Fassung) – Sofortprogramm zur Abwendung von Gefahren für die Besucher des Sachsenbades und Bericht zu den Sportstätten im Ortsamtsbereich“

    „… Die erste Vorlage „Umbau und Modernisierung des Sachsenbades“ wurde vom Unterausschuss Bau- und Bauplanungsfragen auf seiner Sondersitzung am 15.06.1993 behandelt. Die 145.Beigeordnetenkonferenz forderte am 23.06.1993 eine Veränderung des Gesamtaufwandes der Baumaßnahme. Herr Clausnitzer, Leiter des Sportstättenamtes, erläuterte die vorliegende überarbeitete Fassung mit einer Reduzierung von 43,06 Mio DM auf 36,2 Mio DM. …“

    Später wurde alles mal mit 25 Mio DM (!) angegeben. Und wo stehen wir heute, 27 Jahre später?