Thema: Sachsenbad

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Sachsenbad: Statt Schwimmbad nun Coworking-Area, Sauna, Wellnes und Gastronomie

Das Sachsenbad wird saniert, soll aber nicht als Gesundheitsbad wiederbelebt werden. Die lange angekündigte Verwaltungsvorlage ist samt einer Empfehlung für einen der drei Bieter fertiggestellt. „Sie soll nun zeitnah in den Geschäftsgang im Rathaus gebracht werden“, bestätigte Rathaussprecherin Anke Hoffmann auf Anfrage. Nach Informationen des Onlinejournals Pieschen Aktuell haben sich die Experten aus den verschiedenen Ämtern für den Bieter entschieden, der im Sachsenbad eine vielfältige Sauna- und Wellnesslandschaft über mehrere Etagen, einen großen Coworking-Bereich anstelle des Schwimmbeckens und verschiedene Gastronomieangebote mit Freiflächen in Richtung Wurzener Straße plant. Mit diesen Angeboten soll durchgängiges Leben in das Sachsenbad gebracht werden, so die Idee hinter dem Konzept. Der Bieter ist der Redaktion bekannt, er wollte sich jedoch auf Anfrage nicht äußern.

Sachsenbad Expose Areal

Eine Fläche von 4.700 Quadratmeter wird verkauft. Weitere, von der Drewag genutzte, 2.510 Quadratmeter könnten später hinzukommen. Quelle: dresden.de

Rathaussprecherin Anke Hoffmann bestätigte, dass die Empfehlung für einen Bieter ausgesprochen wurde, der ein Konzept ohne finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt vorgelegt hat. „Das Objekt ist mit dieser Maßgabe ausgeschrieben worden“, sagte sie. Es bleibe dem Bieter jedoch „unbenommen, andere öffentliche Fördermittel zu beantragen“. Einen Termin, wann der Bieter sein Konzept in den Gremien des Stadtrates präsentieren soll, konnte Hoffmann noch nicht nennen.

Einen anderen Termin hat dagegen Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) bereits angekündigt. Nach der Vergabeentscheidung des Stadtrates ist eine Einwohnerversammlung geplant, teilte er jetzt in einer Beschlusskontrolle an die Stadträte mit. Pieschens CDU-Stadtrat Veit Böhm vertritt hier eine andere Auffassung. Die Einwohner sollten vor der Entscheidung im Stadtrat und nicht danach über das Konzept der Investoren informiert werden. „Wir werden uns die Vorlage genau anschauen und prüfen, ob es wirklich keine Möglichkeit für eine zumindest teilweise Nutzung als Schwimmbad gibt“, sagte Böhm.

Westbad in Leipzig

Das Westbad in Leipzig wurde 1928 bis 1930 errichtet, 1990 stillgelegt und 2003 nach Sanierung wieder eröffnet. Quelle: westbad.info

Der einzige Bieter auf die Konzeptausschreibung der Stadt, der das Sachsenbad als Schwimmbad sanieren wollte, ist die Gingko Projektentwicklung GmbH aus Dresden. Zuschüsse der Stadt sind in deren Konzept nicht vorgesehen. Das Unternehmen plante mit einem Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich. Als Referenz konnte es zudem das sanierte Westbad in Leipzig vorweisen, wo sich ein privater Betreiber für den Badbereich gefunden hatte. Für das Gesundheitszentrum im Westbad hat die Gingko Projektentwicklung selbst die Verantwortung für Betrieb und Verwaltung übernommen. Das wäre auch beim Sachsenbad eine Option. Die Verwaltung hatte hier offenbar eine andere Sichtweise und beanstandete das Gingko-Projekt, weil es von langfristigen Zuschüssen der Stadt für die Nutzung des Bades ausging und damit den Vergaberichtlinien widersprach.

Ein weiterer Bieter hatte sein Angebot bereits in einem früheren Stadium des Bieterverfahrens zurückgezogen.

Sachsenbad Ausstellungseröffnung dorothea becker

Dorothea Becker ist Architektin und Sprecherin der Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“. Foto: W. Schenk

Die Bürgerinitiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“ lehnt den Sachsenbad-Verkauf an einen Bieter, der das Schwimmbad nicht wiederbeleben will, ab. Das hatte Dorothea Becker, Architektin und Sprecherin der Initiative, am vergangenen Montag bei der Eröffnung der Zeitzeugen-Ausstellung in der Bibliothek Pieschen noch einmal betont und erklärt. „Das Schwimmbad ist wichtig für den Stadtbezirk und öffentliche Zuschüsse für den Betrieb eines Bades sind völlig normal.“ Die Initiative überlegt jetzt, wie sie die Öffentlichkeit gegen den geplanten Verkauf mobilisieren kann.

Der Bieter, der den Zuschlag für die Sanierung des Sachsenbades bekommt, kann auf weitere Flächen auf dem Areal hoffen. Die Drewag wird das Heizkraftwerk, das hinter dem Sachsenbad steht, nicht weiter betreiben. „Die Fläche ist nicht Gegenstand der Verkaufsverhandlungen“, betonte Rathaussprecherin Hoffmann. Im Exposé der Stadt zum Verkauf des Sachsenbades ist darum nur eine Fläche von 4.700 Quadratmeter genannt. Weitere 2.510 Quadratmeter nutzt derzeit die Drewag. Für Norbert Gassel, zuständiger Projektleiter bei der Drewag Netz für das Fernwärmeprojekt Pieschen, ist es „durchaus denkbar, dass die noch vorhandene Wärmeübertragungsstation im Zuge der Sanierung des Sachsenbades dort im Untergeschoss integriert wird“. Dann, so Gassel, könnte die von der Drewag genutzte Fläche an die Stadt oder den Sachsenbad-Sanierer übergeben werden. Zu der Fläche gehört auch die acht Meter breite Zufahrt zum Heizkraftwerk.

11 Meinungen zu “Sachsenbad: Statt Schwimmbad nun Coworking-Area, Sauna, Wellnes und Gastronomie

  1. “ … dass die Empfehlung für einen Bieter ausgesprochen wurde, der ein Konzept ohne finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt vorgelegt hat. …“
    Da sind wir doch alle mal gespannt, nicht nur wie das Konzept aussieht, sondern auch wie das wirtschaftlich umgesetzt werden soll (wenn es nach dem Konzept auch mal eine Realistät gibt).

    War das doch bei den bisherigen diversen Versuchen immer die Schlüsselstelle. Alle (soweit ich mich erinnere) neuen Konzepte waren auf jährliche Beteiligung durch die LH Dresden angelegt – und sind daran gescheiert. Ob es das avisierte Spaßbad in den 1990ern war, der Versuch von Motor Mickten das Bad für trendige Sportarten zu nutzen oder auch div. andere Nutzungskonzepte.

  2. Sachsenbad macht nur Sinn mit Wasser. Hier ist wieder einmal Bürgerinitiative gefragt gegen den Willen von ortsunkundigen Verwaltungen. Was erst einmal verkauft ist, unterliegt nicht mehr dem Willen der Stadt und ihrer Bürger. Es sollte mich nicht wundern, wenn Mal wieder ein Baudenkmal „aus Versehen“ abgerissen wird.

  3. Nur mal so als Idee (die vielleicht auch zu spät kommt), aber: könnte man nicht hinten eine Großwäscherei ansiedeln und vorne ein Schwimmbad betreiben? Beide brauchen ne Wasseraufbereitung, die Wäscherei produziert vermutlich Abwärme… da könnten sich doch Einsparpotenziale ergeben.

  4. Das vorgelegte Konzept des Bieters ist ein guter Weg in die richtige Richtung. Vielfältige Nutzungen belebt die Ecke und sicherlich hilft das auch der gegenüberliegenden Ladenenheit. Lieber ein richtiges Schwimmbad in Pieschen als eine Sachsenbadpfütze.

  5. Wie war das „unsere Kinder können nicht schwimmen“. Warum wohl, und wieder eine Möglichkeit weniger.
    Die Kinder sind unser höchstes Gut… Ha ha.

  6. Für die Sanierung des Sachsenbades wurden 1996 schon einmal Förder-

    mittel frei gemacht. Wo sind die Gelder geblieben und wofür hat man sie Zweckentfremdet.

  7. Endlich passiert mal was, und ich hoffe die Saunalandschaft bald geniessen zu können denn hier wurden Jahrzehnte versäumt!

  8. Nun wird das Sachsenbad kein Bad, sondern direkt in der Nähe des Straßenbahnhofes, Mälzerei und Elbepark eine weitere Gastronomiefläche und Dinge, die der Mensch nicht braucht? Stattdessen wird noch zusätzlich die Fläche zwischen den Bahnbrücken Pieschen zubetoniert mit einer Sportanlage. Aber an ordentliche Schwimmmöglichkeiten denkt keiner. Selbst für Gesundheitsaspekte ist da nix drin. Will man Wassergymnastik o.ä. machen musste zusehen wo man da was bekommt oder das Auto nutzen. Wieder einmal haarscharf am Wunsch der Bürger vorbeigearbeitet. Glückwunsch.

  9. Wäre doch schön, ein gescheites Schwimmbad im Viertel zu haben. Und Wellness samt Saunalandschaft würde sich ebenfalls im Schwimmbad rentieren. Na ob das noch was wird.. Zu hoffen wäre es.

  10. Wir brauchen hier ein Schwimmbad und nicht zum x.ten Mal Sauna, Wellness und Gastronomie. Wieso ist das so schwer?