Selbst Tattoo-Liebhaber sind vermutlich schon mehrfach nichtsahnend daran vorbeigefahren. Dabei befindet sich im Haus Leipziger Straße 143 seit August 2025 das Tattoo-Studio „Mückenstich“. Chefin Linda hat sich hier einen Traum erfüllt und bietet Tattoos an, deren Preis sich nach dem Geldbeutel der Kunden richtet. 
Adolf Loos (1870–1933), einer der bedeutendsten Vertreter der architektonischen Moderne, schrieb in seinem programmatischen Essay „Ornament und Verbrechen“ (1908): „Der moderne Mensch, der sich tätowiert, ist ein Verbrecher oder ein Degenerierter. Es gibt Gefängnisse, in denen 80 Prozent der Häftlinge Tätowierungen aufweisen. Die Tätowierten, die nicht in Haft sind, sind latente Verbrecher oder degenerierte Aristokraten.“
Der Tattoo-Kunst haftet auch 2026 noch ein dunkleres Image an als Blumen- oder Brautkleidläden. Das ist Unsinn, bemerkt man beim Betreten des Studios am frühen Nachmittag. Es wird regelrecht heller im Empfangsraum. Minimalistische Verzierungen, ein Tresen, Sitzmöglichkeiten – die Treppe führt hinauf in zwei Tattoo-Räume.
„Das Studio ist komplett in Eigenregie gestaltet. Freunde und Verwandte halfen mit. Wir haben jeden gesparten Cent hier reingesteckt“, erzählt Linda, Chefin des „Mückenstich“.
Vom Wunsch zum Laden
Linda zeichnete schon immer gern. Mit elf Jahren erklärte sie zum ersten Mal, dass sie tätowieren will. Erwachsen geworden, lernte sie drei Jahre lang in einem Dresdner Studio, dann sollte der eigene Laden her. Der musste erst einmal gefunden werden: „Vorher war ja erst mal die Suche nach einem Raum, und wunderbarerweise haben wir diesen Ort gefunden, wobei wir direkt um die Ecke wohnen“, sagt sie.
Das erste Tattoo im neuen Studio sitzt auf dem Hinterkopf von Tim. Er kümmert sich bei „Mückenstich“ um die Finanzen und lernt bei Linda das Tätowieren. Kunden können sich von ihr, von ihm oder von beiden tätowieren lassen. 

Kunst & Marktlücken
Sowohl Lindas als auch Tims Körper zieren zahlreiche Tattoos. Beide wissen daher, dass dieses Hobby ins Geld geht. Im „Mückenstich“ läuft die Beratung deshalb andersherum als üblich: erst der Preis, dann das Motiv. „Die Leute können uns ein Motiv zeigen oder eine Idee nennen und den Preis, den sie in der Lage sind, zu zahlen.“
Übersteigt der Wunsch das Budget, passen die beiden den Entwurf an und schlagen eine Alternative für genau diesen Betrag vor. Die Kunden seien dankbar für die Umgestaltung zugunsten ihres Geldbeutels. Linda sieht darin ihre Nische: „Bezahlbare Tattoos bei bester Qualität, das ist unsere Marktlücke.“
Style & Grenzen
Wer das exakte Abbild des Passfotos seiner Oma auf die Wade tätowiert haben will, wird hier allerdings enttäuscht. Fotorealismus steht bewusst nicht im Portfolio: „Mit einem realistischen Bild passiert etwas, wenn wir uns damit beschäftigen. Wir sind keine Nachahmer, sondern Künstler“, so Linda. Bevor die künstlerische Variation eines realistischen Bildes in die Haut gestochen wird, bekommt der Kunde selbstverständlich eine Skizze zu sehen. 
Dabei kann man sich sowohl von Tim als auch von Linda oder von beiden tätowieren lassen.
In naher Zukunft soll eine Leuchtreklame über dem Schaufenster angebracht werden, damit das „Mückenstich“ auch den vorbeifahrenden Tattoo-Fans ins Auge fällt.
Mückenstich-Tattoo
- Leipziger Straße 143, 01139 Dresden-Pieschen
- Öffnungszeiten: nach Vereinbarung, Telefon: 0176 45242977

Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen
In unregelmäßigen Abständen, aber immer dienstags stellen wir ein kleines Unternehmen aus dem Stadtbezirk vor. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt in den Stadtvierteln, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Betrieb oder ein kleines Lädchen in Ihrer Nachbarschaft kennen, die wir gerne mal vorstellen sollten, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de
- Übersicht der Serie: pieschen-aktuell.de/dossier/kleineunternehmen




