Fünf Fragen an die Direktkandidatin Merle Spellerberg, Bündnis 90/Die Grünen

Merle Spellerberg will als Direktkandidatin der Partei Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag einziehen. Sie tritt im Wahlkreis Dresden II – Bautzen II an, zu dem auch die sechs Stadtteile des Stadtbezirkes Pieschen gehören. Auf der Landesliste ihrer Partei ist die Studentin der TU Dresden auf Platz 3 gewählt worden. Aufgewachsen ist sie „mitten im ostwestfälischen Nirgendwo“, wie sie selbst sagt. Danach war sie ein Jahr im entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Jerusalem und Bethlehem, dann begann sie ein Studium in Kopenhagen, bevor sie 2018 nach Dresden zog.

Die Online-Journale Neustadt Geflüster und Pieschen Aktuell haben acht Bewerber und Bewerberinnen um das Direktmandat zum Interview eingeladen und von allen auch Antworten erhalten. Heute erscheint Teil 6 (Die Interviews erscheinen in der Reihenfolge der Bewerber auf dem Stimmzettel).

Ein Teil Ihrer Wähler wohnt im Stadtbezirk Pieschen. Wenn Sie einem Ihrer künftigen Bundestagskollegen den Stadtteil kurz beschreiben sollten, was würden Sie besonders hervorheben?

Pieschen ist ein buntes Viertel: Hier kommen Familienleben und eine kleine, aber feine Auswahl an verschiedenen Läden, Kulturstätten und Restaurants zusammen. Gerade diese machen den Reiz des Viertels eigentlich erst aus. Pieschen, auch direkt an der Elbe gelegen, ist eine wunderbare Mischung aus diesen beiden Aspekten.

Eines der wohl wichtigsten Themen unserer Zeit ist der Klimawandel, die Dresdner Neustadt ist einer der heißesten Stadtteile Dresdens. Pieschen war in der jüngeren Vergangenheit von zwei schweren Hochwassern betroffen. Worin besteht aus Ihrer Sicht der effektivste Weg, den Klimawandel aufzuhalten? Sehen Sie im Programm Ihrer Partei beim Klimaschutz noch Reserven?

Um den Klimawandel noch aufzuhalten, brauchen wir jetzt eine Bundesregierung, die mutig und so schnell wie möglich die Klimakrise angeht. Dafür fordern wir Bündnisgrüne ein Klimaschutz-Sofortprogramm und die Schaffung eines Klimaschutzministeriums. Wir wollen Deutschland bis 2040 klimaneutral machen, indem wir den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen, den Kohleausstieg auf 2030 vorziehen, die Emissionen im Verkehrssektor senken und klimaschädliche Subventionen abschaffen – um nur einige der Maßnahmen zu nennen. Außerdem werden wir einen sozial gerechten CO2-Preis einführen, dessen Einnahmen an die Menschen zurückgezahlt werden. Daneben setze ich mich für eine Klima-Außenpolitik ein, damit alle Länder beim Klimaschutz mitmachen. Für mich ist klar, wirklichen Klimaschutz gibt es nur mit Grün.

Was man sonst noch über Merle Spellerberg erfahren kann:

  • geboren 1996
  • 2017 Eintritt in die Partei Bündnis 90/Die Grünen
  • 2019 bis 2021 Landessprecherin der grünen Jugend Sachsen, Delegierte in der BAG Wirtschaft & Finanzen und im Bundesfrauenrat
  • Studentin der „Internationalen Beziehungen“ an der Technischen Universität Dresden. Der Studiengang verbindet Völkerrecht, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften
  • mehr über Merle Spellerberg auf ihrer Homepage

Falls Sie in den Bundestag einziehen, was können Sie ganz konkret für die Bewohner oder Gewerbetreibenden hier vor Ort tun?

Mir liegt besonders die Förderung zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure sowie der Erhalt unserer vielfältigen Dresdner Kunst- und Kulturlandschaft am Herzen. Wir brauchen ein Demokratieförderungsgesetz um etwa Initiativen, die sich für politische Bildung, Vielfalt und Demokratie einsetzen, nachhaltig zu unterstützen.

Für den Erhalt und die Förderung der Dresdner Clubs, Museen und Theater setze ich mich ein, zum Beispiel durch die Überarbeitung von Bebauungsplänen und die Überarbeitung hinderlicher Verordnungen. Für Gewerbetreibende möchte ich bürokratische Hindernisse abbauen und sie dabei unterstützen, von den Chancen der Digitalisierung zu profitieren. Außerdem ist es mir wichtig, die Lebenssituation von Frauen, Kinder und Familien verbessern. Dazu zählt eine bessere ökonomische Absicherung ihrer Lebensverhältnisse, zum Beispiel durch die Einführung einer Kindergrundsicherung oder durch die Schaffung weiterer Betreuungsplätze in Dresden.

Zu guter Letzt möchte ich mit unseren Klimaschutzmaßnahmen zu einer Stadt der kurzen Wege, einer grünen Stadt mit Freiraum, beitragen.

Warum sollte man Sie und Ihre Partei wählen?

Wir Bündnisgrüne bieten ein Programm für echten Klimaschutz an. Dazu fordern wir soziale Maßnahmen wie das Bürger*innengeld und eine Erhöhung des Mindestlohns, um die Herausforderung des Klimawandels sozial gerecht zu meistern.

In meinem persönlichen Themengebiet der Außenpolitik setze ich mich dafür ein, dass menschliche Sicherheit und Menschenrechte in den Mittelpunkt gestellt werden. Das gilt insbesondere für die Rechte von Frauen, queeren Menschen oder Indigenen. In der Innenpolitik stehe ich für den Schutz der Freiheits- und Bürger*innenrechte und für eine klare Kante gegen Rechts. Bei der kommenden Wahl bieten wir Bündnisgrüne die Chance für eine wirklichen Aufbruch.

Und jetzt noch eine Detailfrage: Wie hätten Sie die Sanierung des Sachsenbades organisiert?
Ich hätte mir wie die Grüne Stadtratsfraktion gewünscht, dass das Sachsenbad in kommunaler Hand bleibt und zu einem gemeinwohlorientierten Stadtteilzentrum gestaltet wird. Dies hätte auch die starke Einbeziehung der Interessen und Wünsche der Dresdnerinnen und Dresdner bei der Sanierung ermöglicht. Diese haben ihren Wunsch für den Erhalt durch die Aktivitäten der Bürgerinitiative und mehr als Tausend Unterschriften sehr deutlich gemacht. Allgemein begrüße ich den Erwerb und Erhalt von kommunalem Eigentum, um ein solidarisches und soziales Zusammenleben in der Stadt zu ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

4 Meinungen zu “Fünf Fragen an die Direktkandidatin Merle Spellerberg, Bündnis 90/Die Grünen

  1. […] Fünf Fragen an die Direktkandidatin Merle Spellerberg, Bündnis 90/Die Grünen […]

    • Kein Witz sagt:

      Mh, jetzt könnte man das Argument der Ignoranz aber relativ leicht zurückgeben. Wenn man auch mal im eigenen Viertel mit offenen Augen unterwegs wäre, wüsste man, warum der Stand an der Oschatzer Straße 5 gewesen sein könnte. Am Haltepunkt Pieschen fährt keine Straßenbahn. Und die Oschatzer Straße ist sicher auch keine Durchfahrtsstraße.
      Wenn man aber sowieso sehr bequem mit dem Auto unterwegs ist, macht ein oder zwei Querstraßen weiterfahren auch nicht den Riesenunterschied. Aber es geht ja hier offenbar gar nicht um den Stadtteil, sondern um die „freie Fahrt für freie Bürger“.

  2. Rainer Witz sagt:

    Ohne Fr. Spellerberg persönlich zu kennen oder angreifen zu wollen, fand ich die Aktion mit dem Wahlstand mehr als misslungen.
    Pieschen ist inzwischen seit mehr als einem Jahr durch ständige Baustellen (meist an neuralgischen Kreuzungen) leidgeplagt was Straßensperrungen angeht.
    Jetzt dann am Wochenende eine weitere Durchfahrtsstraße (die Oschatzer) für einen Wahlpavillion zu sperren empfinde ich als Frechheit und zeigt, dass die Situation vor Ort wohl nicht bekannt ist (hätte die lokalen Grünen Ihnen aber auch einen Tipp geben können).
    Ich wollte nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause und wäre beim Abbiegen bald in die Sperre gefahren. Ich musste da also wieder rückwärts raus und groß außen rum fahren, da die Torgauer ja auch gesperrt ist. In diesem Moment war ich sehr sauer, fragte mich wer im Ordnungsamt (oder wo auch immer) es genehmigt für Werbung eine Straße zu sperren und dachte bei mir im Groll „Typisch Elitepartei. Alle kommandieren wollen wie und wo man zu fahren hat. Dieses ignorante Selbstverständnis über den Straßenraum für ihr Klientel/Lobby bestimmen zu wollen. Ist wohl symptomatisch für die Partei“. Geäußert habe ich im Auto nur ein „Scheiße“.

    Aus meiner (und meiner Nachbarn mit denen ich sprach) Sicht war das marketingtechnisch sehr ungeschickt. Warum konnte man nicht wie die meisten anderen am Haltepunkt Pieschen stehen? Da ist die Straßenbahn, da ist das Auto-Fahrrad-Sharing, da sind genug Leute und da blockiert man niemanden.

  3. der mit dem Wolf tanzt sagt:

    @ Rainer Witz…
    Sehr gut formuliert

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