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Sachsenbad: Alarmierende Nachrichten zum Zustand des Gebäudes – Initiative sammelt weiter Unterschriften

Bis zum 31. Juli will die Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“ 2.500 Unterschriften für die Durchführung eines Bürgerforums sammeln. Knapp 600 Unterstützer haben sich online bereits bekannt. Zu den Unterschriften, die auf Listen im Stadtbezirk gesammelt werden, gibt es noch keinen Überblick. „Wir haben die Frist noch einmal verlängert, weil es vor der Sommerpause keine Entscheidung mehr über den Verkauf des Sachsenbades geben wird“, sagte Christoph Helms, einer der Initiatoren der Unterschriftensammlung. Er hatte am Freitag gemeinsam mit Dorothea Becker, Architektin und Sprecherin der Initiative, vor dem Einkaufszentrum am Straßenbahnhof Mickten um Unterschriften für das Bürgerforum geworben. Ende der Woche wolle man sich bei einem „Kassensturz“ einen Überblick zur Anzahl der auf den Listen gesammelten Unterschriften verschaffen.

Seit Februar 2o2o ist die Verwaltungsvorlage zum Verkauf des Sachsenbades fertig. Doch auch auf der Stadtratssitzung am 16. und 17. Juli steht sie nicht auf der 43 Punkte umfassenden Tagesordnung. Es ist die letzte Sitzung des Stadtrates vor der Sommerpause. Jetzt könnte die Sachsenbad-Initiative dafür sorgen, dass der Inhalt der Vorlage bald öffentlich wird. Erreicht sie die Schwelle von 2.500 Unterschriften, muss der Oberbürgermeister „in geeigneter Form eine allgemeinverständliche Darstellung des Standes des Vorhabens“ veröffentlichen. Innerhalb von sechs  Wochen muss dann das Bürgerforum einberufen werden. Die dort verabschiedeten Bürgerempfehlungen muss der Stadtrat in öffentlicher Sitzung behandeln. So ist es in der Dresdner Bürgerbeteiligungssatzung geregelt.

Pieschens CDU-Stadtrat Veit Böhm will endlich Klarheit. „Auch wenn die Unterschriften für das Bürgerforum nicht zusammen kommen, muss die Vorlage endlich auf den Tisch“, sagte er. Weil der Investor kein Schwimmbad plant, hätten die Grünen offenbar ein Problem mit der Vorlage zum Verkauf des Sachsenbades, vermutet er. Darum halte der grüne Baubürgermeister die Vorlage noch zurück. Kein Verständnis zeigte Böhm für den jüngsten Vorstoß von Thomas Löser, Stadtrat und Landtagsabgeordneter der Grünen, unter Einbeziehung weiterer Flächen eine neue Ausschreibung zu starten. „Von der Idee halte ich nichts. Diese Flächen gibt es nicht. Eine neue Ausschreibung sorgt nur für eine weitere Verzögerung. Das Gebäude ist marode und es droht eher der Abriss. Die Zeit drängt“, sagte Böhm.

Der Zustand des Sachsenbades ist in der Tat alarmierend. Das Dach ist undicht, große Teile sind eingestürzt. Zuletzt 2014 gesichert, ist es durch Stürme 2017 und 2018 erneut beschädigt worden. Für weitere Reparaturen sei es auch nicht mehr begehbar, heißt es in einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage von Thomas Löser. Ein Wetterschutzdach müsste jetzt auf einem Gerüstturm errichtet werden. Die Kosten dafür lägen bei etwa 600.000 Euro. Hinzu kämen pro Jahr weitere 340.000 Euro für den Erhalt der Konstruktion. Weitere Kosten verursacht der Schutz des Gebäudes von Einbruch und Vandalismus. Rund 49.000 Euro seien dafür in den vergangenen Jahren ausgegeben worden, weitere 25.000 Euro seien jetzt erforderlich, um die  Fenster an der Ostseite sicher zu verschließen.

Damit liegen die zwischenzeitlich aufgelaufenen Kosten für die Sicherung des denkmalgeschützten Sachsenbades deutlich über dem Verkaufspreis. 900.000 Euro hatte die Konzeptausschreibung, die der Stadtrat im Juni 2018 verabschiedet hatte, als Verkehrswert ausgewiesen.

Für SPD-Stadtrat Stefan Engel hat die Rettung des Gebäudes absolute Priorität. Die Konzeptausschreibung regele zudem, dass der Käufer verpflichtet sei, das Sachsenbad innerhalb von drei Jahren grundhaft zu sanieren. „Ich sehe keine neuen finanziellen Spielräume bei der Stadt“, betonte Engel und sprach sich angesichts der alarmierenden Nachrichten über den Zustand des Gebäudes für eine zügige Entscheidung über die Verkaufs-Vorlage  aus.

Wie das Onlinejournal Pieschen Aktuell bereits berichtete, haben sich die Experten aus den verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung für den Bieter entschieden, der im Sachsenbad eine vielfältige Sauna- und Wellnesslandschaft über mehrere Etagen, einen großen Coworking-Bereich anstelle des Schwimmbeckens und verschiedene Gastronomieangebote mit Freiflächen in Richtung Wurzener Straße plant. Mit diesen Angeboten soll durchgängiges Leben in das Sachsenbad gebracht werden, so die Idee hinter dem Konzept der Investoren. Der Bieter ist der Redaktion bekannt, will sich aber auf Anfrage nicht öffentlich äußern.

2 Meinungen zu “Sachsenbad: Alarmierende Nachrichten zum Zustand des Gebäudes – Initiative sammelt weiter Unterschriften

  1. Es ist ein Grauen, was hier passiert ist. Aber ein profanes Hallenbad, liegt ja Abseits der großen Touristenströme des „Disneylands Neumarkt“.

    Der Paul

  2. Seit 2006 setzen wir uns für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes als Bad ein. Unser Hauptinteresse galt immer der Funktion des Gebäudes zum Nutzen für alle Dresdnerinnen und Dresdner. Motivation über diesen langen Zeitraum sich für die Sanierung als Bad einzusetzen, war das ungebrochenene Interesse der Bevölkerung hier wieder schwimmen gehen zu können. Das hat uns in unserem Anliegen bestärkt und dazu geführt 2014 einen Konzeptvorschlag für ein Gesundheitsbad zu erarbeiten. Im Vergleich mit allen in Frage kommenden Nutzungen des Gebäudes wurde die Nutzung als Gesundheitsbad von der Verwaltung favorisiert und auch so bei der Immobilienmesse in München im Oktober 2018 unter dem Motto „Von der Badeanstalt zum integrierten Standort für moderne Gesundheitsvorsorge“ angeboten. Mit einem entscheidenden Detail, das weitere Nutzungsideen seitens der sich bewerbenden Investoren nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sondern im Rahmen der Gebotsabgabe und -auswahl auf ihre Passfähigkeit entsprechend der Anforderungen des Objektes geprüft werden.

    Wir hatten erreicht, dass die Verwaltung unterschiedliche Nutzungen (Spa Hotel, Kommunaler Wohnungsbau, Schule, Altenpflege, Kreativwirtschaft usw.) geprüft hatte mit dem Ergebnis, das der Bedarf für ein Gesundheitsbad vorhanden ist und daher zu empfehlen sei. Das würde die dringend notwendigen Bedarfe für Reha-Wassersport lindern helfen und somit auch die Sportbäder entlasten und den jahrelang vielfach demonstrierten Verlangen der Bevölkerung endlich nachgehen.

    Doch Zweifel waren angebracht. Da uns bewusst war, das die Mehrheit des Stadtrates nicht bereit ist für einen Badebetrieb Finanzen bereit zu stellen, schien uns die Ausschreibung für ein Gesundheitsbad daher nicht sehr Erfolg versprechend zu sein. Wir stellten uns die Frage, welcher private Investor sollte ein Bad betreiben, das zwar durch reichlich vorhandene Flächen für die Vermietung an Arztpraxen, Physiotherapie und den wirtschaftlichen Betrieb einer Sauna Einnahmen generiert, die doch aus unserer Erfahrung heraus einen Badebetrieb nicht abdecken können?

    Wie sich herausstellt, könnte das Gebäude an einen Investor verkauft werden, der zwar neben einer Sauna das Gebäude ansonsten anderweitig nutzt. Das geht unserer Auffassung nach am tatsächlichen Bedarf an notwendigen Wasserflächen für das Schwimmen und dem Rehasport im Stadtbezirk und der gesamten Stadt vorbei. Hier ist ein Standort, der nicht erst entwickelt werden muss, der der Stadt gehört und zur Linderung dieser so nötigen Angebote beitragen kann! Die Stadt hat eine Fürsorgepflicht für die Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger und anders als andere gut ausgebildete Infrastrukturen wie bei Handel und Gewerbe und auch im Büroraumsektor, sind die im Gesundheitssportbereich mangehalft.

    Daher wollen wir, bevor der Stadtrat eine endgültige Entscheidung herbeiführt, ein Bürgerforum initiieren auf der Grundlage der im März 2019 verabschiedeten Dresdner Bürgerbeteiligungssatzung. Damit soll den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit gegeben werden, die Zukunft des Sachsenbades mit den Stadträten zu beraten und eine Handlungsempfehlung mit Gewicht zu geben.

    Mittlerweile haben wir knapp 2000 Unterschriften. Wer mit helfen will, dass es zu einem Bürgerforum kommt, kann sich hier informieren: http://sachsenbad.propieschen.de/der-stadtrat-entscheidet-ueber-das-sachsenbad/!