Thema: Hafencity

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Hafencity: USD Immobilien plant Sozialwohnungen – Abrissarbeiten bis Ende 2018

Noch in diesem Jahr will der Bauherr der Hafencity in der Leipziger Vorstadt, die USD Immobilien, das Genehmigungsverfahren für das umfangreiche Bauvorhaben abschließen. „Das ist unser Ziel und unser Wunsch“, erklärte Projektleiter Sebastian Forkert am Donnerstag bei einem Baustellenrundgang.

♦  12 Prozent der 350 Wohnungen werden Sozialwohnungen
♦  Warftlösung – Areal wird um 1,10 Meter aufgeschüttet
♦  neuer Verlauf für Elberadweg
♦  Baugenehmigung für Wohnhaus an Leipziger Straße

Erstmals äußerte er sich zu dem Plan, einen Teil der Wohnungen zu sozial verträglichen Mieten zu bauen. Von den 350 Wohnungen sollen 12 Prozent Sozialwohnungen werden, erklärte Forkert. Derzeit werde intensiv an dem städtebaulichen Vertrag gearbeitet. Er gehört zum Satzungsbeschluss, mit dem der Stadtrat das Verfahren um die Genehmigung des Projektes abschließt.

Genehmigungen für drei Bauvorhaben

Drei Bauvorhaben sind bereits genehmigt. Der jüngste Bescheid betrifft den Bau eines Wohnhauses, das sich entlang der Leipziger Straße an das bereits im Bau befindliche Kreativzentrum anschließt.

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Der gebürtige Dresdner Sebastian Forkert leitet bei USD Immobilien das Projekt Hafencity. Foto: W. Schenk

Das Kreativzentrum, ein reines Bürogebäude an der Grundstücksgrenze zum benachbarten Arzneimittelhersteller Menarini, ist im Rohbau fast fertig. „Mehr als die Hälfte der 26 Büroeinheiten in verschiedenen Größen zwischen 70 und 190 Quadratmetern sind bereits verkauft“, sagte Forkert und fügt hinzu, dass es sich bei den Käufern um Eigennutzer, aber auch um Kapitalanleger handele. Für das geplante Restaurant an der Elbseite des Neubaus habe sich noch kein Interessent gefunden.

Abriss Tiefgarage

Die großflächige Tiefgarage muss dem geplanten Hotelneubau weichen. Foto: W. Schenk

Am anderen Ende des fünf Hektar großen Areals der künftigen Hafencity wird an der Leipziger Straße ein Hotel gebaut. Ein langfristiger Pachtvertrag mit der österreichischen Hotelgruppe Arcotel ist gerade unterschrieben worden. Zwischen Hotel und Elbufer werde noch ein Appartmenthaus errichtet, erläutert Forkert die weiteren Pläne. „Der große und nie genutzte Tiefgaragenkomplex, der Anfang der 90er Jahre gebaut wurde, muss weichen. Er passte nicht ins Konzept“, sagt der Projektleiter. Das zweigeschossige Betonmonstrum sei sehr stabil und der Abriss mache viel Arbeit. 2020 soll das Hotel in Betrieb gehen.

Abrissarbeiten an allen Ecken

Purobeach Abriss Lagerhalle

In der kommenden Woche beginnt der Abriss der alten Lagerhalle. Foto: W. Schenk

Seit Wochen dominieren die Abrissbagger das Geschehen. Nachdem der flächendeckende grüne Wildwuchs beseitigt war, eröffneten sich völlig neue Blickfelder. „In fünf bis sechs Wochen wird die ganze Dimension des Baufeldes noch viel deutlicher werden“, verspricht Forkert. Dann seien auch die alten Lagerhallen, die im März von den Antik- und Trödelhändler geräumt wurden, verschwunden. Auch eine Lagerhalle, die bisher von den Purobeach-Betreibern genutzt wird, komme jetzt unter die Abrissbirne. Bis Ende 2018 sollen alle Abrissarbeiten abgeschlossen sein.

Wer bleibt, wer geht

USD Immobilien ist inzwischen Eigentümer des gesamten Baugeländes, sagt Forkert. Zuletzt sei es gelungen, ein kleineres Grundstück an der Leipziger Straße in Menarini-Nähe von Regine Töberich zu kaufen. Mit der Hafenmeisterei und dem Steinmetzbetrieb Stäbe, beide bleiben in dem Areal, sei man ständig im Dialog, um sich beim Fortschritt der Bauarbeiten abzustimmen. „Wir haben nicht die Absicht, irgendjemanden zu vertreiben“, betonte er. „Wir bemühen uns, alle Konflikte im Dialog mit den Eigentümern zu lösen“.

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In diesen Tagen werden die Hallen abgerissen, die bis März das Quartier der Antikhändler und Bücherscheune waren. Foto: W. Schenk

Ausgezogen sind bereits die drei Antik- und Trödelhändler. Sie sind im März an ihren neuen gemeinsamen Standort nach Siebenlehn umgesiedelt. Die Purobeach-Betreiber und USD Immobilien haben sich auf einen befristeten Betrieb bis Ende September geeinigt. Nachbar Citybeach hat einen Teil der Volleyballfelder und der Freiluftgastronomie abgebaut und auf das eigene Grundstück verlagert.

Hochwasserschutz und Elberadweg

Eines der strittigsten Themen im Genehmigungsverfahren für die Hafencity war der Hochwasserschutz. Bereits 2016 habe man sich mit der Stadt auf eine Warftlösung geeinigt. Das hatte damals Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) bestätigt. Im Kern ist die Lösung ganz einfach und in Hamburg abgeschaut: Das gesamte Areal zwischen dem Kreativzentrum auf der einen und Citybeach auf der anderen Seite werde auf eine Höhe von 111,50 Meter über über NHN (Normalhöhennull) aufgeschüttet, erläutert Forkert.

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Sebastian Forkert zeigt, bis auf welche Höhe das Areal aufgeschüttet wird. Foto: W. Schenk

Damit würden sich alle Wohngebäude über der Grenze eines Jahrhunderthochwassers befinden. Auf der Elbseite werde der Höhenunterschied durch mehrere Terrassen ausgeglichen. Auf den dabei entstehenden Stufen seien zudem gastronomische Angebote geplant.

Und wohin kommt dann  der Elberadweg? Zwischen Kreativzentrum und Hafenmeisterei bekommt er einen neuen Verlauf. „Dieser entspricht ziemlich genau der jetzt eingerichteten Umleitung, wird nur um etwas mehr als einen Meter höher liegen“, beschreibt der Projektleiter die Lösung. Der dann sieben Meter breite Abschnitt des Elberadweges diene gleichzeitig als Rettungsweg. Wenn man aus der Richtung Marienbrücke komme, biege der Elberadweg erst hinter der Hafenmeisterei wieder auf den alten Verlauf ein.

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Elberadweg: Die Umleitung zeigt den künftigen Verlauf – nur 1,15 Meter höher. Hinter der Hafenmeisterei, etwa beim Kran (l.), biegt der Elberadweg wieder in Richtung Ufer ab. Zwischen Radweg und Kaimauer sind Terrassenstufen geplant. Luftbild: P. Haschenz

Auf der anderen Seite, zwischen Leipziger Straße und den Wohnhäusern, werde es parallel zu den bestehenden Fußwegen eine Anliegerstraße geben, damit die Mieter zu ihren Hauseingängen fahren können. Die drei Stichstraßen in das Gelände würden auf das neue Niveau angehoben. Zuerst könne man dies am Kreativzentrum sehen. Die Zufahrtsstraße dort werde noch 2018 fertiggestellt.

Vom rauen Industriecharakter

Der Kran, der am Elbufer vor sich hin rostet, wird saniert. Er gehört zu dem „rauen Industriecharakter“, wie Forkert es beschreibt, der das ehemalige Werft- und Hafengelände prägt. „Das wollen wir gern aufgreifen und in die künftige Gestaltung einbeziehen“, sagt er. Darum würden Gleise, verschiedene Arten von Pflastersteinen und andere Zeitzeugen sichergestellt. Entsprechende Anregungen stammen von den Freianlagenplanern, die an einem der Werkstattverfahren teilgenommen hatten.

Werkstattverfahren für die Gestaltung

2010 hat der Dresdner Stadtrat mit dem Bebauungsplan 357 den Startschuss für die Umgestaltung der Leipziger Vorstadt gegeben. 2013 präsentierte USD Immobilien im Alten Schlachthof auf einer Bürgerversammlung ein Modell der künftigen Hafencity. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben, meint Forkert. Die Anordnung der Gebäude hat sich verändert, die Geschosshöhe wurde deutlich reduziert. In zwei Werkstattverfahren hat das Unternehmen insgesamt 24 Architekturbüros sowie Stadt- und Landschaftsplaner neue Entwürfe für das Gelände, den Hafen und auch die Architektur der Gebäude erarbeiten lassen und Sieger ausgewählt.

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Der Entwurf des Büros Weinmiller Architekten aus Berlin gefiel der Jury am besten. Quelle: USD Immobilien

So konnte im März 2018 mit den Weinmiller Architekten aus Berlin der Sieger des Wettbewerbs „Authentizität gesucht. Dresdens neuer Hafen.“ präsentiert werden. Bereits 2016 ging das Dresdner Architekturbüro Rohdecan Architekten GmbH zusammen mit den Freianlagenplanern von QuerfeldEins als Gewinner aus dem städtebaulichen Wettbewerb hervor. Deren Grundidee mit drei Quartieren, den Stufen am Elbufer und einer Badeinsel wird nun umgesetzt.

Der Stadtratsausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften hat den überarbeiteten Plänen von USD Immobilien bereits zugestimmt. Hafencity-Projektleiter Sebastian Forkert hofft darauf, dass der Stadtrat noch in diesem Jahr den Satzungsbeschluss verabschiedet.

 

 

2 Meinungen zu “Hafencity: USD Immobilien plant Sozialwohnungen – Abrissarbeiten bis Ende 2018

  1. Der vor sich hin rostende Kran ist offensichtlich ein Relikt der 1863 von Ernst Otto Schlick (1840-1913) gegründeten „Maschinen- und Schiffsbauanstalt“, die 1905 in die „Dresdner Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau AG“ überging. Er gehört genauso wie die „… Gleise, verschiedene Arten von Pflastersteinen und andere Zeitzeugen“ zum „rauen“, das ehemalige Werft- und Hafengelände prägenden „Industriecharakter“. – Der von der Jury bevorzugte Entwurf der Berliner Weinmiller Architekten, was vor allem die Architektur der Gebäude betrifft, muss aber dem ehemaligen „rauen Industriecharakter“ nun wirklich keine Rechnung tragen!

  2. Neustädter 4. Juni 2018 at 08:51 -

    Die Idee mit den Stufen hatten die Kölner auch, dann aber leider nicht beachtet, dass das Volk dort gerne sitzt und auch das ein oder andere Getränk zu sich nimmt, das dann wieder entsporgt werden muss. Ich hoffe, eine öffentliche Toilette ist auch geplant. Oder ist dann alles wegen Privateigentum gesperrt und die Stufen nur für Gastro?
    Außerdem heizt sich diese Steinmasse sehr auf und speichert die Hitze. Ich sehe zu wenige Schatten spendende Bäume.
    Ansonsten bin ich gespannt auf das Ergebnis.