Bei Störungen sollen Fahrgäste schneller erfahren, wie es weitergeht. Im Pieschener Straßenbahnhof Trachenberge übergab Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar (CDU) am Mittwoch einen Förderbescheid über 17,75 Millionen Euro. Das Geld fließt in neue Funktechnik, vernetzte Systeme und neue Displays für ältere Bahnen. 
Die Informationstechnik hinter dem Dresdner Nahverkehr stammt zum Teil noch aus der Mitte der 1990er Jahre. Das Projekt kostet insgesamt 23,66 Millionen Euro, davon trägt die EU 14,2 Millionen, der Freistaat 3,55 Millionen, die restlichen 5,9 Millionen sind der Eigenanteil der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Vernetzt werden Fahrzeuge, Leitstelle, Ampeln und Fahrgastanzeigen.
Die Mittel kommen gerade rechtzeitig. Die Bundesnetzagentur hat die bisher genutzten Funkfrequenzen bis 2029 abgekündigt, eine Umstellung ist zwingend. Das Projekt heißt bei den DVB MIKT, kurz für „Modernisierung der Informations- und Kommunikations-Technologien“. Das Unternehmen muss die neun Bausteine laut Fördermitteilung binnen drei Jahren umsetzen.
„Es ist vielleicht nicht sichtbar, aber spürbar“, sagte Kraushaar bei der Übergabe. Spürbar wird es für Fahrgäste vor allem bei Ausfällen und Umleitungen, aber auch beim Warten an der Haltestelle.
Fahrgäste erfahren schneller von Störungen
Meldungen erscheinen künftig schneller auf den Anzeigen in den Fahrzeugen, an Haltestellen und in der App. Geänderte Linienwege lassen sich auch grafisch darstellen. Die Haltestellenanzeigen bleiben, bekommen aber ein neues System im Hintergrund und können so die voraussichtlichen Ankunftszeiten präziser anzeigen. In älteren Straßenbahnen ersetzen neue Monitore die bisherigen Geräte. Dazu ist eine neue, barrierefreie Website geplant. 
Künstliche Intelligenz in der Leitstelle
Erstmals soll in der Leitstelle künstliche Intelligenz bei Störungen helfen, etwa mit Vorschlägen für Ausweichrouten, wenn ein Unfall die Strecke blockiert. Die DVB führen dafür Betriebs-, Verkehrs- und Infrastrukturdaten zusammen. Die Entscheidung liegt weiterhin bei den Disponenten.
Neue Bordrechner und Funktechnik verbessern zugleich den Kontakt zwischen Fahrpersonal und Leitstelle. DVB-Vorstand Lars Seiffert verwies auf Übergriffe gegen Fahrer und Kontrollpersonal. Die Beschäftigten müssten die Leitstelle überall erreichen können, damit im Notfall schnell Hilfe komme.
Ampeln sprechen künftig per WLAN mit den Bahnen
Bislang nutzen die DVB nach Angaben von Vorstand Andreas Hemmersbach noch etwas mehr als 1.000 Infrarotsensoren. In den nächsten zwei Jahren verschwinden die kleinen roten Kästchen. Fahrzeuge und Ampeln tauschen ihre Daten dann über eine eigene WLAN-Verbindung aus.
Projektleiter Björn Schönherr stellte dafür einen Ampelassistenten vor. Er soll die Kommunikation zwischen Bussen, Bahnen und Ampeln so verbessern, dass sie seltener warten müssen. 
Wie voll ist die nächste Bahn?
Die DVB wollen künftig in weiteren Fahrzeugen die Auslastung erfassen. Dafür nutzen sie Kameras, die laut Unternehmen ausschließlich Fahrgäste zählen. Die Erfassung erfolgt demnach anonym. Fahrgäste sehen dann auf dem Handy, wie stark die nächste Bahn besetzt ist. Die Verkehrsplanung bekommt damit Daten, um passende Fahrzeuggrößen einzusetzen.




