Seit fünf Jahren wird im Kulturhafen an der Leisniger Straße Theater gespielt – ohne Drehbuch, ohne festgelegten Ausgang und manchmal auch ohne Fördergelder. Ende September feierte das Improvisationstheater seinen fünften Geburtstag. Der Jubiläumsabend war ausverkauft. 
Auch zum fünften Geburtstag war der Kulturhafen gut besucht. Der Jubiläumsabend Ende September war ausverkauft. Für das Ensemble war das nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Zeichen dafür, dass sich das kleine Theater in Pieschen etabliert hat.
„Für mich persönlich war es an dem Wochenende eine riesige Freude zu sehen, wie lebendig der Ort mittlerweile geworden ist – wie viele Menschen sich dort zu Hause fühlen, mitgestalten und Herzblut reinstecken“, berichtet Lorenz Fischer vom Kulturhafen-Ensemble.
Improvisation auch bei der Finanzierung
Improvisiert wird im Kulturhafen nicht nur auf der Bühne. Auch bei der Finanzierung muss das Team flexibel bleiben. Mal stehen Mittel aus der Kulturförderung zur Verfügung, mal müssen die Theaterleute ohne diese Unterstützung auskommen. Den Spielbetrieb wollen sie davon nicht abhängig machen.
„Unsere Bühne ist aus Teilen zusammengestückelt, die Lampenschirme aus alten Fahrradspeichen gemacht. Theater geht auch ohne Geld“, sagt Fischer. Die selbst gebaute Ausstattung gehört inzwischen zum Charakter des kleinen Hauses an der Leisniger Straße.
Stehen Fördermittel zur Verfügung, investiert das Team sie unter anderem in Technik, die Gehälter der fest angestellten Ensemblemitglieder und die Unterbringung von Gastgruppen aus dem In- und Ausland. Der Kulturhafen bietet Platz für 92 Zuschauer und ist längst nicht nur Spielstätte des eigenen Ensembles. 
Spiellust und die Kunst des Scheiterns
Beim Improvisationstheater gibt es kein Drehbuch, an dem sich die Schauspieler festhalten können. Die Szenen entstehen im Moment. Dabei kann auch mal etwas schiefgehen: Ein Einfall funktioniert nicht, eine Absprache wird vergessen oder plötzlich weiß niemand mehr, wie es weitergehen soll.
Genau dieses Risiko gehört für das Ensemble zum Reiz des Spiels. Die Schauspieler suchen bewusst Situationen, in denen sie scheitern können. Sie versuchen, wie Fischer es ausdrückt, auf der Bühne „eine Fallhöhe aufzubauen“. Denn gerade aus solchen Momenten können besonders komische oder überraschende Szenen entstehen.
Das Publikum soll dabei nicht einfach nur eine gelungene Vorstellung erleben, sondern einen Abend, den es so kein zweites Mal geben wird. Im besten Fall gehen die Zuschauer nach Hause und denken: „Ich bin so froh, gerade diesen einmaligen Abend miterlebt zu haben“, sagt Fischer.
Gastspiele und Workshops im November
Auch im November steht im Kulturhafen wieder einiges auf dem Programm. Neben den Improvisationsabenden des Dresdner Ensembles ist eine Theatergruppe aus Slowenien zu Gast.
Am 7. November gibt es eine englischsprachige „Impro Comedy Show“. Einen Tag später folgt ein Workshop zum Thema „Patterns“, der sich an Fortgeschrittene richtet.
Nach mehreren Monaten Pause kehrt außerdem am 10. November die Tagebuchbühne zurück. Bei diesem Format können Gäste Ausschnitte aus ihren eigenen Tagebüchern vorlesen. So werden persönliche Erinnerungen und Erlebnisse zum Stoff für einen besonderen Bühnenabend. 
Kulturhafen Dresden
- Leisniger Straße 53, 01127 Dresden-Pieschen
- Spielplan und weitere Informationen
Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen
In unregelmäßigen Abständen, aber immer dienstags stellen wir ein kleines Unternehmen aus dem Stadtbezirk vor. Wir zeigen die Vielfalt in den Stadtvierteln, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Betrieb oder ein kleines Lädchen in Ihrer Nachbarschaft kennen, das wir gerne mal vorstellen sollten, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de.




