Vor 100 Jahren wurde die Kriegerheimstättensiedlung Trachau eingeweiht – die erste Heimstättensiedlung Dresdens, entstanden aus der Not der Nachkriegszeit und dem Engagement ihrer künftigen Bewohner. 
Am Sonntag haben die Anwohner der sogenannten Kriegerheimstättensiedlung Trachau Jubiläum gefeiert. Es gab eine Festrede zur Geschichte der Siedlung, Blasmusik, Aktionen für die Kleinsten, Büchertauschstände und eine Pflanzenbörse. Auf dem Grill brutzelten Bratwürste, daneben drehte sich Mutzbraten am Spieß.
Die Nachbarschaft hatte sich zu Kaffee und Kuchen im großen runden Innenhof zwischen Rodung und An der Böschung versammelt (Übersicht im Themenstadtplan). Die hundertjährige Geschichte der Siedlung war dabei allgegenwärtig: Die Anwohner hatten alte Postkarten und Fotos an den Zäunen aufgehängt, hier und da zeigten Verzeichnisse, wer einst in den Häusern gewohnt hatte. In einigen leben heute Nachkommen der ursprünglichen Bewohner in dritter oder sogar vierter Generation.
Für das Jubiläum hat sich die Nachbarschaft zusammengetan und intensiv mit der Geschichte der Siedlung beschäftigt. Daraus entstanden eine Festschrift und eine große Informationstafel im markanten Durchgang zur Meißner Straße hin. Letztere wurde feierlich enthüllt und informiert nun vor Ort über die Geschichte der Siedlung. 
Zur Geschichte der Siedlung
Die Kriegerheimstättensiedlung Trachau entstand zwischen 1921 und 1926 unmittelbar an der Stadtgrenze zu Radebeul. Zur Siedlung gehören 25 Einfamilien-Doppelhäuser des Trachauer „Kriegerheimstättenvereins“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts breitete sich die Heimstättenbewegung in Deutschland aus, auch in Dresden fand sie Anhänger. Bereits 1918 entstand in der sächsischen Landeshauptstadt die „Freie Arbeitsgemeinschaft für Kriegersiedlungen“, kurz FAFKA. An diese Bewegung knüpfte der Trachauer Verein an (siehe Brendler’s Geschichten vom 1. Februar 2019). 
Bauland aus der „Jungen Heide“
Der Trachauer Verein erwarb ein mit Birken bewachsenes Waldstück, das die Forstverwaltung Klotzsche aus dem Staatsforst „Junge Heide“ zum Verkauf freigegeben hatte. Im August 1921 wurden die finanziellen Zuschüsse für den Bau der ersten zwölf Heimstätten bewilligt, am 17. September 1921 folgte die Grundsteinlegung.
Kurz vor ihrem wirtschaftlichen Ruin im Jahr 1922 schloss sich die FAFKA dem damals entstehenden „Allgemeinen Sächsischen Siedlerverband“ an, der 1923 im Festsaal des Alten Rathauses in Dresden gegründet wurde. Inflation und wirtschaftliche Notlage führten dazu, dass die Siedlung in fünf Bauabschnitten entstand. Entwurf, Bearbeitung und Bauleitung übernahm die Dresdner Architektenfirma „Schilling & Graebner“.
Die ersten zwölf Familien bezogen bereits 1922 ihre neuen Häuser. Im selben Jahr beschloss der Rat der Stadt die bis heute gültigen Straßennamen An der Dürren Heide, An der Böschung, Baumwiesenweg und Rodung.
Einweihung im August 1926
Am Sonntag, dem 15. August 1926, fand im Rundteil der Gesamtanlage die Einweihung der ersten Heimstättensiedlung Dresdens statt. An diesem Tag wurde auch ein Gedenkstein enthüllt, der noch heute an seinem ursprünglichen Standort an der Straße An der Böschung steht. Während der fünfjährigen Bauzeit hatten die Siedler selbst an den Arbeiten mitgewirkt und einen beträchtlichen Teil der Arbeiten an ihren eigenen Heimstätten geleistet.
Eine Solidargemeinschaft
Etwa die Hälfte der Siedler waren Arbeiter – unter ihnen Schlosser, Maschinenbauer, Ofenarbeiter, Schleifer, Steingutdreher und Gipsformer, die in Dresdner Fabriken und Werkhallen tätig waren. Auch Handwerker wie Sattler, Bäcker, Klempner, Schneider und Tischler lebten in der Siedlung, hinzu kamen Angestellte und Beamte aus dem Straßenbahn-, Eisenbahn- und Polizeidienst. In den Aufbaujahren von 1921 bis 1926 entstand so eine Solidargemeinschaft.
Jede Wohnung verfügte über 70 Quadratmeter Wohnfläche. Zu jeder Heimstätte gehörte außerdem ein Stall, in dem Federvieh, Kaninchen sowie ein oder zwei Ziegen oder Schafe Platz fanden. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte änderte sich die Nutzung vieler Ställe: Einige wurden zu zusätzlichem Wohnraum ausgebaut, andere zu kleinen Gewerberäumen oder Ladengeschäften umfunktioniert. 
Heute ist die Siedlung ein Kulturdenkmal und lässt sich bei einem Spaziergang erkunden. Detaillierte Informationen und historische Bilder gibt es auf der Seite des Stadtwiki Dresden.
Unterstützung für die Aufarbeitung der Siedlungsgeschichte kam auch vom Stadtbezirk. Für die Gestaltung der Festschrift und der Informationstafel hatte ein Anwohner um 890 Euro gebeten. Die Räte stimmten in der Juni-Sitzung geschlossen dafür.




