In einem gemütlichen Kokon aus dekorierten Antikmöbeln, bunten Vasen und liebevoll gepflegten Zimmerpflanzen befindet sich die Schaltzentrale von Ramona Richter und Tobias Dähn, das Büro, vorne am Eingang der Trödelhalle. Beide sind Urgesteine des Dresdner Antik- und Gebrauchtwarenhandels. Seit 2018 führen Richter und Dähn gemeinsam die „Möbelscheune“ in Dresden-Pieschen.
Alte „Frostkutsche“ wird zur Fundgrube
Von Schlaglöchern und Kopfsteinpflaster gesäumt rumpelt man in die Einfahrt Richtung Trödelhalle. Zwischen Gastronomie-Großhandel, Altem Schlachthof und Autowerkstatt liegt das Geschäft etwas versteckt im Gewerbegebiet. Früher hieß die Halle „Frostkutsche“, erzählt Richter. Vor rund dreißig Jahren diente die Gewerbeeinheit als Zwischenlager für Bofrost-Auslieferungen. Im Jahr 2002 zog die Trödelhalle ein. 
Zwischen Antikmöbeln und Alltagsgegenständen
Am Nachmittag herrscht in der Möbelscheune reges Kommen und Gehen. „Hier bimmeln“, steht auf einem Schild. Wer das Glöckchen läutet, wird von Richter oder Dähn mit einem freundlichen Gruß und dem Pragmatismus vieler Berufsjahre empfangen. Zwischen Poltergeschirr, Kuckucksuhr und Schrankwänden navigieren die beiden nicht nur durch das Innere der Trödelhalle, sondern auch durch Haushaltsauflösungen in und um Dresden. Von dort stammen die meisten Waren, die in Pieschen verkauft werden.

Richter führt weiter unter dem Namen „Grosch“
Ramona Richter stammt ursprünglich aus Dresden. Nach der Wende zog es sie „in den Westen“, in den Neunzigerjahren kehrte sie jedoch in ihre Heimat zurück. Trödelhallengründer Harry Grosch, unter dessen Namen Richter das Geschäft weiterführt, war ein Freund ihres Mannes. „Bei ihm hab ich ab Tag eins die Lauscher aufgesperrt“, erzählt die Inhaberin. „Irgendwann durfte ich die Waren auspreisen, später auch Kostenvoranschläge für Wohnungsberäumungen erstellen.“
2018 übernahm sie das Geschäft und führt es bis heute unter dem Namen „Grosch Gebrauchtwarenhandel“ weiter. „Eine gute Portion Erfahrung und Fachwissen gehört dazu, wenn man den Verkaufswert einer Ware einschätzt“, erklärt Richter. Ob echter Jugendstil-Stuhl oder Nachbildung — täuschen lässt sie sich nicht. Am Schwung eines Stuhlbeins oder fein gearbeiteten Holzschnitzereien erkennt sie die Epoche hochwertiger Möbelstücke. Anders sieht es bei mancher Schrankwand aus den Siebzigern aus. „Die will gerade niemand mehr“, sagt sie. Gefragt seien derzeit eher Bauhausmöbel und Möbel aus Vollholz. 
Wohnungen erzählen Lebensgeschichten
Trotz aller Erfahrung mit Antikmöbeln dreht sich das Alltagsgeschäft häufig um zweckmäßige Möbel und Gebrauchsgegenstände. „Kein Tag ist wie der andere“, sagt Dähn, der seit seiner Kindheit in der Antikmöbelszene zuhause ist. „Mein Vater hatte einen Handel mit Antikmöbeln, da bin ich reingewachsen.“ Gerade ist er von einer eher pikanten Haushaltsauflösung zurückgekehrt. „Wir sind abgehärtet bis zum Sankt-Nimmerleinstag“, sagt er. Noch nie habe er eine Wohnungsberäumung abgelehnt, auch wenn er dabei oft stiller Zeuge persönlicher Schicksale werde. „Man kann eine Wohnung auch lesen“, sagt Dähn.
Lebensläufe spiegelten sich in Möbeln, Gegenständen und Fotografien wider. Auch in der Nachlassverwaltung, die Richter und Dähn zeitweise tangiert, brauche es viel Einfühlungsvermögen. „Und auch einfach Fachwissen, um einschätzen zu können, was einen Verkaufswert hat“, sagt Richter. Treu an ihrer Seite ist bei Wohnungsauflösungen stets ihr Ehemann. Er ist Rentner und übernimmt oft die Gespräche mit Angehörigen. „Der unterhält sich dann immer mit den Familienangehörigen“, erzählt sie. Zum Team gehören außerdem Beräumer, Verkäufer und Pauschalkräfte. „Ich bin ständig auf Achse“, betont Richter. 
Geordnetes Chaos in der Möbelscheune
In der Trödelhalle herrscht ein Kommen und Gehen wie in einem Ameisenbau. Was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, folgt auf den zweiten Blick einer klaren Ordnung. Vorn steht Geschirr, dann die Aschenbecher, dahinter große Schrankuhren, später folgen Winterreifen, Schrankwände und Koffer — alles in Sektionen gegliedert. „Ich habe die linke Seite der Halle, und Dähn die andere Hälfte“, erklärt Richter und zeigt auf die massive Dachstrebe, die die Halle mittig teilt. „Es sieht hier eigentlich täglich anders aus, kein Tag ist wie der andere“, sagt sie. Was bleibt, ist das kleine Refugium am Eingang der Trödelhalle — und die gemeinsame Bewältigung des täglich neuen Hauswarenwahnsinns anderer Menschen.
Trödelhalle „Grosch“ und „Dähn“
- Gebrauchtwarenhandel Grosch, Inhaberin: Ramona Richter
- Antik und Gebrauchtwarenhandel Dähn, Inhaber: Tobias Dähn
- Erfurter Str. 10a, 01127 Dresden
- Öffnungszeiten: von Montag bis Freitag 9.30 bis 18 Uhr, Sonnabend von 10 bis 13 Uhr, Juni bis August am Sonnabend geschlossen
- nur Barzahlung, selten Paypal
- grosch-dresden.de
Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen
Jeden Dienstag in Pieschen-Aktuell: Ein Porträt eines kleinen Unternehmens aus dem Stadtbezirk. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt im Stadtviertel, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Laden in Ihrer Nachbarschaft kennen, den wir gerne mal vorstellen sollen, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de
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