Das H.O.Theater bringt Antoine de Saint-Exupérys Klassiker auf die Bühne – mit zwei 16-jährigen Darstellerinnen in der Titelrolle und einer Doppelpremiere, die nahezu ausverkauft war. 
Der Flieger ist abgestürzt. Bruchlandung in der Sahara. Der Pilot hat nur noch für wenige Tage Trinkwasser, ist aber dennoch erstaunlich gelassen. Denn er hat Besuch bekommen – Besuch vom kleinen Prinzen. Der erzählt ihm seine Geschichte: Er hat seinen kleinen Planeten, der eigentlich nur ein Asteroid ist, verlassen, weil er mit seiner Rose gestritten hatte.
Nun schaut sich der kleine Prinz auf der Welt um und trifft auf lauter aberwitzige Erwachsene, etwa einen König ohne Untertanen, einen Gecken und einen Säufer. Auf der Erde begegnet er schließlich einem Fuchs, der ihm beibringt, was es bedeutet, jemanden zu „zähmen“ und eine echte Bindung einzugehen. Der Prinz erkennt, dass seine Rose ihn gezähmt hat und sein wahrer Freund ist. Um auf seinen Planeten zurückzukehren, muss er den Piloten verlassen. Der ist zunächst traurig, weiß dann aber, dass sein neugewonnener Freund zu seiner Rose zurückgekehrt ist.
Das H.O.Theater hat dieses wunderbare Kinderbuch für ein Stück im Theaterhaus Rudi umgesetzt. Am vergangenen Wochenende war Doppelpremiere. Am Sonnabend spielten Emma Seefeld (Prinz), Alexandra Tetschke (Frau) und Frank Stanel (Pilot), am Sonntag Finia Gutmann (Prinz), Kathrin Butte (Frau) und Hans Diemer (Pilot). Beide Veranstaltungen waren nahezu ausverkauft. Während die beiden Erwachsenen immer wieder auch in andere Rollen schlüpften, war die Rolle des Prinzen zwei 16-jährigen Mädchen vorbehalten. 
In der Sonntagspremiere glänzte Finia Gutmann auf ganzer Linie. Staunend beobachtete sie das Treiben der Erwachsenen – umso beeindruckender, da es ihr erster großer Bühnenauftritt war. Hans Diemer spielt den Piloten mit einer großen Leichtigkeit fast wie ein kleiner trotziger Junge, an den passenden Stellen wird er aber rechtzeitig wieder ernst. Kathrin Butte ist das Chamäleon des Stücks, sie wechselt vom König zum Geschäftsmann, verkörpert die am Ende entscheidende Schlange und blüht als Rose auf. In der Rolle des Fuchses spricht sie den bekanntesten Satz des Stücks: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ 
Die sparsame Ausstattung der Bühne – Vorhang, Kiste, Flugzeug – lenkte den Blick auf das Wesentliche. Regisseurin und Kostümgestalterin Rita Schaller hat für ihr Stück die Bühnenfassung von Martin Chlupka verwendet, nach dem Original von Antoine de Saint-Exupéry, übersetzt von Hans Magnus Enzensberger. Schaller gelingt es, selbst die schrulligsten Figuren so zu führen, dass sie nie zur bloßen Karikatur werden – und das Publikum mit ihnen fühlt, staunt und lacht. 
Nach einer guten Stunde ist Schluss – und der Eindruck bleibt, eine bemerkenswert professionelle Inszenierung gesehen zu haben. Wobei: Das H.O.Theater ist auch nicht irgendeine Amateurtruppe. Es ist die wohl am längsten bestehende Dresdner Amateurtheatergruppe. Im Herbst feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen – natürlich wieder im Theaterhaus Rudi.
Der kleine Prinz im Theaterhaus Rudi
- Nächste Aufführung am 27. September, 14 Uhr, Infos
- Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a, 01139 Dresden





