Es ist ein sonniger Nachmittag, Sammy Zimmermanns ist mit seinem Sohn am Elberadweg unterwegs. Ein Auge auf die Wiesen und Büsche, ein Auge aufs Handy. Was wie ein gewöhnlicher Spaziergang aussieht, ist für den Dresdner längst mehr als das: eine Schatzsuche. 
Programmiert hat Zimmermanns schon länger, hauptberuflich arbeitet er als Softwareentwickler. Die erste Version von „Pfandpirat“ war zunächst nicht mehr als ein digitaler Schrittzähler, mit dem er seine eigenen Sammeltouren dokumentieren wollte. Aus der Idee entwickelte sich mit der Zeit eine App, die Pfandsammeln mit spielerischen Elementen verbindet: Fundorte lassen sich markieren, andere Nutzer können sie entdecken und dafür Punkte sammeln.
Im April und Mai 2025 ging die App offiziell an den Start. Wer einen Fundort markiert, sammelt Punkte und macht ihn für andere Nutzer in der Umgebung sichtbar. Diese werden per Push-Nachricht informiert. Seit dem Start sind weitere Funktionen hinzugekommen. Nutzer können besondere Fundorte anlegen, virtuelle Fortschritte freischalten und sich innerhalb der App austauschen. Auch ein eigenes Maskottchen gehört inzwischen zum Konzept.
Neu ist außerdem ein Verschenken-Modus: Wer unterwegs Pfand entdeckt, ihn aber nicht selbst mitnehmen möchte, kann den Fund fotografieren und den Standort für andere markieren, statt ihn liegen zu lassen. 
Rund 200 Menschen nutzen die App bislang, bis zum Jahresende sollen es 1.000 werden. Besonders aktive Sammler können innerhalb des Systems verschiedene Ränge erreichen. Die Nutzer bleiben dabei anonym. Wer übers Jahr am meisten sammelt, erhält eine Prämie von 200 Euro.
Zimmermanns betreibt das Projekt bislang allein und nebenberuflich, denkt aber bereits über Dresden hinaus. Nach eigenen Angaben verhandelt er mit Getränkeherstellern und plant, die App auf den gesamten deutschen Markt auszurollen. 
Wie viel inzwischen tatsächlich zusammenkommt, zeigt das hauseigene Datenarchiv der App: Für Dresden weist der „Pfandatlas“ von Pfandpirat im Jahr 2025 mehr als 8.200 dokumentierte Funde aus – mit einem Pfandwert von rund 1.270 Euro. Die Äußere Neustadt liegt im Stadtteilranking mit deutlichem Abstand vorn, gefolgt von Löbtau. Der Alaunpark zählt zu den bekanntesten Fundorten der Stadt. Pieschen findet sich bislang nicht unter den vorderen Plätzen. Ob sich das künftig ändert, hängt auch davon ab, wie viele Menschen im Stadtteil mitmachen.
Die App läuft direkt im Browser, zusätzlich gibt es eine Android-Version im Play Store. Auf Apple-Geräten erfolgt die Nutzung ebenfalls über die Website.
Sammy Zimmermanns „Pfandpirat“
Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen
Immer dienstags in Pieschen-Aktuell: Ein Porträt eines kleinen Unternehmens aus dem Stadtbezirk. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt im Stadtviertel, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Laden in Ihrer Nachbarschaft kennen, den wir gerne mal vorstellen sollen, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de
- Übersicht der Serie: pieschen-aktuell.de/dossier/kleineunternehmen






Für so eine App Nutzung braucht man ein Smartphone. Jemand der auf’s Flaschensammeln angewiesen ist, gibt sein Geld nicht für Smrtphones aus!
Wie meinte gestern noch ein Sammler bzgl der App: Könnte ich mir ein Smartphone für seine App leisten, bräuchte ich nicht sammeln gehn
Liebes „Ich“, es sind wohl nicht diejenigen die Zielgruppe, die aufs Sammeln angewiesen sind, sondern Menschen, die sich spielerisch bewegen wollen und nebenher dazu beitragen wollen, dass die Umwelt etwas sauberer ist.
Das Potenzial ist offenbar riesig. 2015 schätzte das Umweltbundesamt den sogenannten Pfandschlupf auf 4 Prozent oder bundesweit ca. 180 Millionen Euro. Quelle. Wenn man das mal auf Dresden umrechnet, sind das rund 100.000 Euro Pfand jeden Monat, die nicht eingelöst werden.
https://pfandpirat.com/pfandverlust-in-deutschland-2024
@Jan Frintert
Jetzt bin ich zwiegespalten. Gamification von Bewegung natürlich erst mal schön und gut, aber „klaut“ man dadurch nicht Menschen eine Einnahmequelle, auf die sie augenscheinlich angewiesen sind? Die Möglichkeit, Fundorte nur zu markieren, um sie Bedürftigeren zu überlassen, ist ja begrüßenswert. Wenn die aber mangels Technik nicht davon profitieren können, bleibt unterm Strich eine Verschlechterung der Situation für Sammler, oder?
@Schweesdo Onie: Ich teile die Erfahrung von „Ich“ nicht, ich kenne mehrere Sammler, die auch Smartphones haben und benutzen, ob die diese App benutzen würden, kann ich allerdings nicht sagen. Es gibt im Spiel auch die Möglichkeit auf abgestellten Pfand hinzuweisen.
@Jan Frintert: Und nach schnorren und sammeln gehen sie um die Ecke und steigen ins Auto. Schon oft genug hier in DD gesehen!
Ich kenne einige Sammler und keiner von denen hat ein Smartphone. Die haben, wenn überhaupt, normale Tastentelefone und eine Prepaid-SIM!
Hallo in die Runde,
ich bin mir über die Problematik das manche Menschen kein Smartphone habe durchaus bewusst. Es sind jedoch nicht nur diese sehr armen Menschen, die Pfandsammeln.
Ich finde diese Debatte mal wieder typisch deutsch. Da kommt einer, der die Welt im Grunde nur besser machen will, und der deutsche Michel sieht nur Probleme und keine Chancen. Das ist auch der Grund, warum es insgesamt hier tendenziell bergab gehen wird mit dieser Einstellung.
Der typische Pfandsammler ist nicht der obdachlose Mann ohne Telefon, den viele spontan vor Augen haben. Siehe: https://www.pfand-gehoert-daneben.de/pfandstudien/pfandstudie-2025/
Die Studie geht für 2025 von rund 1,05 Millionen aktiven Pfandsammlern in Deutschland aus. Befragt wurden zusätzlich 490 Menschen, die regelmäßig Pfand sammeln.
Ich würde sie anhand der Ergebnisse grob in fünf Gruppen einteilen:
Typ Charakterisierung
Aufstocker Arbeitet, aber das Einkommen reicht nicht vollständig
Rentner Ergänzt eine zu geringe Rente
Sozialleistungsbezieher Ergänzt Bürgergeld, Sozialhilfe oder andere Leistungen
Familienorientierter Sammler Sammelt für Familie oder Wünsche der Kinder
Intensivsammler Sammelt regelmäßig bis täglich und erzielt relevantere Einnahmen
Diese Gruppen ergeben sich direkt aus den Einkommensquellen und Sammelmotiven der Studie: 35 % nennen Erwerbstätigkeit als weitere Einkommensquelle, 24 % Rente, 11 % Bürgergeld und 8 % Sozialhilfe. Nur 6 % geben an, dass Pfandsammeln ihre einzige Einkommensquelle ist.
Das widerspricht ziemlich stark dem öffentlichen Klischee.
Die meisten leben nicht auf der Straße
Von den 490 befragten Pfandsammlern sagen:
76 %: noch nie obdach- oder wohnungslos,
9 %: früher einmal betroffen,
8 %: derzeit wohnungslos, aber mit fester Unterkunft,
7 %: aktuell obdachlos.
Die Studie zeigt also, dass drei Viertel der Befragten keinerlei Erfahrung mit Wohnungs- oder Obdachlosigkeit haben.
Auch das Bild vom ganztägigen professionellen Sammler stimmt meistens nicht
58 % verdienen mit dem Sammeln weniger als 50 Euro pro Monat. Weitere 15 % kommen auf 50 bis 99 Euro und 12 % auf 100 bis 199 Euro. Nur eine kleine Minderheit erreicht mehrere Hundert Euro oder mehr.
Auch die Häufigkeit ist sehr unterschiedlich. Die Befragten reichen vom gelegentlichen Sammler bis zu Menschen, die täglich unterwegs sind. 12 % sammeln täglich, 2 % mehrmals täglich; viele andere sammeln wöchentlich oder seltener.
Das führt mich zu einer für Pfandpirat sehr interessanten Einschätzung:
Der potenzielle Nutzer ist häufig kein klassischer „Pfandsammler“, der sich selbst stark mit dieser Rolle identifiziert. Er kann Arbeitnehmer, Rentner, Student, Elternteil oder Sozialleistungsbezieher sein und Pfand eher nebenbei sammeln.
Die Vorjahresstudie stützt dieses heterogene Bild zusätzlich: 2024 verteilten sich die Pfandsammler auf alle Altersgruppen; 43 % hatten Abitur oder Fachhochschulreife.
Haben Pfandsammler ein Smartphone?
Sehr viele höchstwahrscheinlich ja.
Aber hier muss ich methodisch sauber sein: Die Pfandstudie 2025 fragt den Smartphonebesitz nicht direkt ab. Eine exakte Zahl für alle deutschen Pfandsammler lässt sich aus ihr deshalb nicht seriös nennen.
Es gibt aber drei starke Hinweise.
1. Die Pfandsammler wurden online befragt
Die Befragung der 490 regelmäßig sammelnden Personen wurde als YouGov-Befragung durchgeführt. Das beweist nicht, dass jeder ein eigenes Smartphone besitzt – ein Computer oder Tablet wäre ebenfalls möglich –, zeigt aber zumindest, dass diese Stichprobe digital erreichbar war.
2. Die große Mehrheit der Pfandsammler ist gar nicht obdachlos
Da 76 % der befragten Pfandsammler nie wohnungs- oder obdachlos waren und viele Erwerbseinkommen, Rente oder Transferleistungen erhalten, ist die Annahme einer grundsätzlich technikfernen Zielgruppe nicht durch die Studienergebnisse gedeckt.
3. Selbst unter Obdachlosen ist Smartphonebesitz verbreitet
Eine Berliner Untersuchung mit obdach- und wohnungslosen Menschen kam bei 141 Befragten auf 59 % Smartphonebesitz. Die Forschung beschreibt gleichzeitig Probleme wie verlorene oder gestohlene Geräte, wechselnde Telefonnummern, begrenztes Datenvolumen, Akku- und Lademöglichkeiten.
Zum Vergleich: In der deutschen Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren nutzen laut Destatis 97 % das Internet.
Meine Einschätzung für Pfandpirat
Ich glaube, dass du mit der App einen erheblichen Teil der realen Pfandsammler erreichen kannst. Wahrscheinlich sogar gerade die Gruppe, die bisher öffentlich wenig sichtbar ist:
Menschen mit Smartphone, die ohnehin unterwegs sind und nebenbei 10, 20, 50 oder 100 Euro monatlich mit Pfand verdienen.
Und genau hier sehe ich eine strategische Chance, die bisher in der App meiner Ansicht nach noch nicht vollständig genutzt wird.
Pfandpirat sollte nicht ausschließlich als lustige Gamification-App rund ums Pfand positioniert werden. Sie könnte gleichzeitig ein echtes Werkzeug für Sammler werden:
Schatzkarte + Pfandspenden + Fundorte + Sammelstatistik + Tagesverdienst + Routenwissen + lokale Community.
Gerade die bestehende Kartenlogik ist dafür strategisch interessant. Ein Sammler könnte beispielsweise sehen:
🟢 Heute Abend Stadtfest – gute Chance auf Pfand
🟠 Park X – erfahrungsgemäß freitags ergiebig
🔵 18 Flaschen als Pfandspende gemeldet, 700 m entfernt
⚓ Supermarkt mit Rückgabeautomat in 450 m Entfernung
Die Auswertung der Pfandstudie habe ich mit ChatGPT erstellt.
Hi Sammy, da sehe ich eine große Schwierigkeit mit der Studie. Wenn die Teilnehmenden per Yougov online abgestimmt haben, sind diejenigen Pfandsammler, die weder Smartphone noch Internetzugang haben, natürlich außen vor. Es kann also sein, dass deren Anteil an der Gesamtmenge der Pfandsammler deutlich höher ist.
@Jan Du meinst also wirklich das es deutlich mehr als die 1 Mio. Pfandsammle in Deutschland gibt? Meine subjektive Beobachtung der Pfandsammlerszene in DD bestätigt eher diese Studie.
Aber was weiß ich schon. Sol halt jeder glauben was er meint. Ich möchte den Leuten nur ein Tool mit an die Hand geben, um es besser zu machen. Für die digitale Teilhabe sollte eher der Staat oder deutlich stärkere Akteure verantwortlich sein.
Ich kenne auch digitale Totalverweigerer, auch denen kann ich leider nicht helfen.
Hallo Sammy, versteh mich nicht falsch. Ich bin der festen Überzeugung, dass Leuten, die vom Pfandsammeln leben, höchstwahrscheinlich nicht durch deine Pfandpirat-Plattform beeinträchtigt werden. Auch mit meiner subjektiven Beobachtung decken sich die Ergebnisse der Studie. Aber das ist eben nur subjektiv.
Ich wollte nur Kritik an der Methodik der Studie üben. Da es sich um eine Online-Umfrage handelt, nehmen Menschen ohne Internet-Nutzung nicht teil (damit würden die eingangs beschriebenen Wohnungslosen ohne Smartphone eben gerade nicht befragt). Außerdem erschließt sich mir nicht so recht, wie die Studie auf die 1,1 Millionen Pfandsammler. Das wird auch in der Neuauflage von 2026 nicht deutlich.
@Sammy Zimmermanns
Ich bin es ehrlich gesagt ein bisschen leid, dass man, wenn man auf bestimmte Aspekte (mMn relevante, sonst würde ich sie nicht erwähnen) hinweist, gleich persönlich angegangen und für die Misere in Deutschland verantwortlich gemacht wird! Geht es nicht auch ne Nummer kleiner? Sheesh!
Soviel zur Form. Inhaltlich war der Zahlenwust nicht uninteressant, geht aber zumindest an meinem Thema nahezu vollständig vorbei: Meine Frage (keine Behauptung, keine Kritik) war, ob die App den wirklich Bedürftigen, die vermutlich kein Smartphone haben, eher schaden könnte. Wenn ich eine Pfandflasche neben einen Mülleimer stelle, dann in der Hoffnung, damit einem wirklich Bedürftigen das Leben ein winziges Bisschen leichter gemacht zu haben- das ist ein winziges Bisschen ein gutes Gefühl. Wenn ich jetzt befürchten würde, dass ein nicht so ganz Bedürftiger (aus sportlichem Ehrgeiz womöglich sogar) das Pfand abgreift, mindert sich dieses gute Gefühl.
Das bedeutet nicht automatisch, dass ich die App überflüssig finde! Falls sie dazu beiträgt, die Müllmenge zu reduzieren, hätte sie meinen Segen! Das würde tatsächlich die „Welt […] besser machen“! Allerdings bezweifle ich ein wenig, dass Pfandmüll wirklich ein Problem ist- dazu gibt es wohl schon zuviele Sammler – aber das ist ein eigenes Thema.
Und auch für Hobby-Sammler (wie der Initiator einer zu sein scheint) hat die App ihre Berechtigung, keine Frage. Wer damit Spaß haben möchte – bitte gern! Allerdings sollte man schon mal mögliche Konsequenzen für andere erwähnen dürfen, ohne gleich am Untergang des Wirtschaftsstandortes schuld zu sein.
(P.S.: Mir gefällt die Website ganz gut, sie ist übersichtlich, informativ und angenehm un-gehyped. Und falls meine Befürchtung falsch sein sollte: Alles Gute!)