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„Wollen das Jahr noch voll machen“ – Die „Annen“ holen die Schiffchen ein

Es ist Sonnabend. Im ersten Stock des urigen Hinterhauses am Großenhainer Platz summt es leise. Anna-Maria Schelle ist Goldschmiedin und auch am Wochenende am Werkeln. „Ich habe derzeit viele Auftragsarbeiten“, meint sie. Angesichts der Hochzeitssaison, die bereits im späten Winter startet, wurden Verlobungsringe nun von Trauringen abgelöst. Auch viele Aufträge „von Frauen, die sich einfach mal schönen Schmuck anfertigen lassen wollen“, bearbeitet Schelle, ob sommers oder winters.

Auf die Saison der Verlobungsringe folgt für Anna-Maria Schelle "die Sommersaison der Trauringe". Foto: S. Reichel
Auf die Saison der Verlobungsringe folgt für Anna-Maria Schelle „die Sommersaison der Trauringe“. Foto: S. Reichel

Schmuck mit Feingefühl

Im letzten Jahr hat sich bei „Chelleri“ viel getan. Neben der Einführung neuer Galvanik-Verfahren1 konnte Schelle einen neuen Opalhändler gewinnen. Auch der Edelsteinschleifer sei nun ein anderer. „Mit vielen wunderbaren Kundinnen und Kunden darf ich jetzt die Früchte meiner Netzwerkarbeit ernten“, so Schelle. In ihrer Arbeit als Goldschmiedin fühle sie sich kreativ und menschlich gefordert. „Ich liebe das!“, betont die Kunsthandwerkerin. Schelle sagt: „Ich benötige viel Feingefühl für mein Gegenüber, da ich Schmuck herauslesen und kreieren will, der wirklich zur Person passt.“

Goldschmiedemeisterin Anna-Maria Schelle (l.) und Buchbinderin Anne Wehner-Bräunig (r.) haben den "St. Annen Werksalon" 2018 gegründet. Zum Jahresende nehmen sie Abschied vom Werksalon. Foto: S. Reichel
Goldschmiedemeisterin Anna-Maria Schelle (l.) und Buchbinderin Anne Wehner-Bräunig (r.) haben den „St. Annen Werksalon“ 2018 gegründet. Zum Jahresende nehmen sie Abschied vom Werksalon. Foto: S. Reichel

Hinterhof voller Kreativität und Gemeinschaft

Gemeinsam mit ihrer Ateliergenossin und langjährigen Freundin Anne Bräunig betreibt sie den Werksalon schon seit mehr als acht Jahren. Zusammen haben die beiden die ehemalige Bürstenfabrik von Borsten, Staub und Steintrümmern befreit. Im Werksalon findet man nun eine geschmackvolle Mischung aus freigelegten Holzdielen, Fabrikpatina, guter Beleuchtung und edlen Schmuckstücken. Der Werk- und Schauraum liegt im hinteren Teil des Ateliers.

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Eintretende werden zunächst mit einer feinsinnigen Zusammenstellung aus Keramik, Kakao, Holzarbeiten und Kunsthandwerk empfangen. Viele Produkte kommen dabei aus dem Stadtteil. Neben Buchbindekursen bieten die „Annen“ seit letztem Jahr zudem Veranstaltungen an, viele im Bereich Lebensberatung und Spiritualität sowie kleine Atelierkonzerte und Frauenkreise. „Mit unseren Veranstaltungen möchten wir dazu beitragen, dass Frauen in ihre Selbstverantwortung und Eigenständigkeit finden“, so Schelle und Bräunig.

Teil eins des "doppelten Annchens" im "St. Annen Werksalon": Anna-Maria Schelle, Goldschmiedemeisterin in der zweiten Generation. Foto: Katja Knetschke Fotografie
Anna-Maria Schelle, Goldschmiedemeisterin in der zweiten Generation wird ihr „Chelleri-Atelier“ perspektivisch in Langebrück eröffnen. Foto: Katja Knetschke Fotografie

„Die Schiffchen einholen“

„Unsere Wege haben sich mittlerweile stark verlängert“, meint Schelle. Sie pendelt täglich aus Langebrück zum Werksalon. Auch Bräunig, die hauptberuflich als Architektin arbeitet, sei mittlerweile in Großröhrsdorf verwurzelt. „Wir wollen das Jahr noch voll machen und unsere Zeit im Werksalon dann abschließen“, erklärt Schelle. Beide als Mütter und Selbstständige wollten Schelle und Bräunig „die Schiffchen nun einholen“. Trotz des Wermutstropfens freut sich die Goldschmiedemeisterin darauf, in Langebrück eine neue Phase einzuläuten. Dort plant sie die Beheimatung ihres Ateliers. „Ich habe dann einfach mehr Zeit für ,Chelleri‘“, erklärt sie. „Wir sind stolz auf unseren Weg, unsere Freundschaft, unsere gemeisterten Herausforderungen“, so die „Annen“.

Einst Bürstenfabrik, nun sind auch die Hinterhöfe des Gebäudekomplexes Werkstatt, Wohnhaus, Atelier.
Einst Bürstenfabrik, nun sind auch die Hinterhöfe des Gebäudekomplexes Werkstatt, Wohnhaus, Atelier.

Abschied vom Werksalon

Der St. Annen Werksalon wird also zum Jahresende schließen. Nichtsdestotrotz solle er weiter als Atelier- und Gewerbefläche genutzt werden, erzählt Schelle. Mietanfragen gebe es bereits viele. Denn die zentrumsnahe und dennoch ruhige Lage sei ein Vorteil des Objekts. Der eigentliche Reiz liege aber in der modernen und liebevollen Herausarbeitung des kleinen Rohdiamanten im Hinterhof.

St. Annen Werksalon – Werkstatt & Schauraum

Beteiligte Pieschner Künstler

1 „Behandlung von Oberflächen bei Schmuck und Trauringen. Die Galvanisierung ist ein Verfahren zur Behandlung metallischer Oberflächen, das auch bei der Schmuckherstellung verwendet wird. Die Galvanotechnik ist auch aus der Behandlung von Elektroplatinen bekannt. In einem elektrolytischen Bad werden Metalle unter Strom gesetzt und so mit einem Überzug aus einem anderen Metall versehen. Das wird zum Beispiel gemacht, um Metalloberflächen vor Korrosion zu schützen.“ Quelle: www.trauringschmiede.de/galvanik

Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen

Jeden Dienstag in Pieschen-Aktuell: Ein Portrait eines kleinen Unternehmens aus dem Stadtbezirk. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt im Stadtviertel, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Laden in Ihrer Nachbarschaft kennen, den wir gerne mal vorstellen sollen, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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