Hey, du! Schön, dass wir heute deinen Späti kennenlernen dürfen. Wie heißt du denn?
Hi! Ich bin der Tim.
Wie kamst du auf den Namen für deinen Shop?
Tim: Das ist „Die Leipziger Straße 50“ – also kurz „DieLe50“ – seit November 2022 hab‘ ich hier geöffnet.
Was unterscheidet dich denn von anderen Spätis?
Tim: Ich bin ein Späti im klassischen Sinne. Mein Ziel ist, immer offen zu haben. Und wenn du halt was brauchst, nicht bloß Alkohol, sondern auch beispielsweise Fahrradschläuche, OBs, Klopapier oder Butter – das hab‘ ich alles da. 
Ist dein Produktsortiment gleichbleibend?
Tim: Das soll noch ein bissl in die Breite gehen. Ich kommuniziere auch mit den Leuten, die hier wohnen und ständig kommen. Und versuche rauszufinden, was die eigentlich haben wollen. Das ist aber ein langer Prozess, bei dem die Marge nicht ganz so hoch ist wie in der Gastro.
Gibt es bei dir auch CBD-Produkte?
Tim: Nein, CBD-Produkte hab‘ ich noch gar ni, weil mir das alles sehr suspekt ist. Mittlerweile hat ja auch der „Greenbeershop“ das im Angebot, ich bin da kritisch. Wenn ich nach mehreren Jahren aber feststelle, dass die Leute ein gewisses Produkt im Alltag nutzen, nehme ich es auch ins Sortiment. Aber ich versuche weniger diesen Hypes hinterherzurennen, als vielmehr zu gucken: Was bleibt davon hängen? Gibt’s überhaupt genug Leute, die danach fragen?
Wer kommt denn so zu dir? Hast du eine besondere Kundengruppe?
Tim: Ich will für alle erreichbar sein. Sonntags und nachmittags kommen hier auch Familien rein, oder Leute von ihrem Tagesausflug. Ich bin da offen, und die Leute sind aller Couleur, die hierher kommen. Auch Schichtarbeiter, die erst so um 22 Uhr Feierabend haben, und sich dann nicht zulöten, sondern einfach hier ein Feierabendbier trinken wollen. 
Dein Eingangsbereich hat so „Wohnzimmerkonzert-Vibes“. Willst du auch mal Veranstaltungen hier machen?
Tim: Das ist halt ein Nachbarschafts-Späti, und deshalb soll’n sich auch Leute hier aufhalten dürfen und können. Veranstaltungen: jein. Kann ich gerade einfach nicht leisten. Wir gucken einfach mal, wo es hingehen kann. Ich hab hier auch noch mehr Platz, aber der ist noch nicht offen. Das war hier mal ein Store für Schminkkurse und Hochzeitsfotografie.
Wie kamst du dazu, einen Späti zu eröffnen?
Tim: Ich bin seit über 15 Jahren im Spätshop-Bereich unterwegs. Das Ganze hab ich nicht studiert, sondern beim Machen gelernt. Ich hab mich immer gern mit dem kaufmännischen Aspekt beschäftigt. Ich war immer der, der ’nen Späti betreiben wollte. Ich hab schon viel Verschiedenes gearbeitet. Ein Kumpel, mit dem ich gestartet bin, wollte immer ’ne Kneipe haben, ich langfristig aber einen Späti. Die Gastro ist jetzt die „Mole“ an der Leipziger Straße, ich mache vor allem Späti. Das ist aber auch ’ne lange, anstrengende Geschichte. 
Hast du den Boden im Eingangsbereich selbst ausgesucht?
Tim: Nein, der ist schon lange drin. Die Fliesen sind original „Villeroy und Boch“. Ich hab irgendwo im Westen, im Stadtarchiv geguckt, da gab es einen Katalog mit diesen Fliesen, von achtzehnhundertirgendwas. Die Fliesen waren in dieser Mieteinheit drin, seit ich hier bin. Sie sind viele, viele Jahrzehnte alt. Viele andere von den Historikforschern haben auch schon mal geschaut. Vermutlich war dieser Laden einst, gegen neunzehnhundert, eine Fleischerei oder Käserei, sonst hätte man das hier nicht reingelegt. Wer weiß.
Wie schaut’s mit deinen Öffnungszeiten aus?
Tim: Seit drei Jahren hab ich die Öffnungszeiten, 16 bis Null Uhr. Mittlerweile hab ich nen Minijobber, es geht voran. Aber ich bin jeden Tag hier. Wenn man ni arbeitsscheu ist, dann macht das echt Spaß. Wenn ich irgendwann mal wieder Zeit habe, mich um anderen Schnulli wie Werbung zu kümmern. Das, was da ist, ist schon mehr als das, was es anderswo gibt. Und dass die Öffnungszeiten eingehalten werden, ist halt auch total wichtig. Ich hab auch Weihnachten und Silvester offen, ich will auch für die Grundversorgung da sein. Ein Klo is‘ da, falls man mal muss. Da sagen immer viele: „Oh, wie schön, hätten wir nicht gedacht, dass du so ’ne große Toilette hast.“
Kann man bei dir mit Karte zahlen?
Tim: Ja, ab einem Euro. Die Abzieherei mit dem zehn-Euro-Mindestbeitrag, nee, das mach ich ni. 
DieLe 50
- Inhaber: Tim
- Leipziger Straße 50, 01127 Dresden
- instagram.com/diele.50/
Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen
Jeden Dienstag in Pieschen-Aktuell: Ein Portrait eines kleinen Unternehmens aus dem Stadtbezirk. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt im Stadtviertel, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Laden in Ihrer Nachbarschaft kennen, den wir gerne mal vorstellen sollen, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de
- Übersicht der Serie: pieschen-aktuell.de/dossier/kleineunternehmen





