Thema: Alter Leipziger Bahnhof

Globus Luftaufnahme Haschenz

Globus soll in die Friedrichstadt: Grundstückstausch noch 2022 – Stadt will Baurecht schaffen

Die Stadt will für einen Globus SB-Markt Baurecht in der Friedrichstadt schaffen. „Dafür soll ein Vorhabenbezogener Bebauungsplan entwickelt werden. Die entsprechenden Beschlussvorschläge werden wir dem Stadtrat vorlegen“, erklärte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) heute auf Anfrage des Onlinejournals Pieschen Aktuell. Damit soll der Streit um die Ansiedlung von Globus am Alten Leipziger Bahnhof beigelegt werden.

Möglich wird dies, weil die Verhandlungen über den alternativen Standort für einen Globus SB-Markt weit fortgeschritten sind. Der Aufsichtsrat der SachsenEnergie hat Anfang Dezember einen Grundstückstausch zwischen der Globus SB-Warenhaus Holding GmbH & Co. KG und SachsenEnergie über Grundstücke an der Hamburger Straße und dem Alten Leipziger Bahnhof beschlossen. „Damit soll das Areal am Alten Leipziger Bahnhof in das Eigentum der SachsenEnergie übergehen. Voraus gegangen waren mehrjährige, intensive Verhandlungen zwischen SachsenEnergie und Globus, die von der Landeshauptstadt Dresden begleitet wurden“, erklärte SachsenEnergie-Sprecherin Nora Weinhold. „Die weiteren Verhandlungen dauern voraussichtlich bis zum Ende des ersten Quartals 2022, so dass wir im zweiten Quartal mit einer Vertragsunterzeichnung rechnen“, äußerte sie sich auch zum weiteren Zeitplan. Über den Grundstückdeal hatte tag24.de zuerst berichtet.

Globus Buero Leipziger Bahnhof

Die Globus-Holding hat ein Büro auf ihrem Gelände am Alten Leipziger Bahnhof. Foto: W. Schenk

Anzeige

Gogol Bordello am 16. Juli im Alten Schlachthof


Auch Enrico Wilde, Bereichsleiter Standortplanung Region Ost bei Globus SB-Warenhaus, sieht die Verhandlungen über einen Grundstückstausch auf der Ziellinie. „Wir gehen davon aus, dass wir Anfang des kommenden Jahres mit detaillierten Infos an die Öffentlichkeit gehen können“, sagte er auf Anfrage. „Um die Gespräche nicht zu stören, möchten wir uns aber vor deren Finalisierung nicht tiefergehend äußern“, fügte er hinzu.

Gespannt darf man darauf sein, wie der Grundstückstausch gelungen ist. Das Areal der Globus Holding am Alten Leipziger Bahnhof umfasst rund 100.000 Quadratmeter. Bisher war beim Grundstückstausch von einem rund 14.600 Quadratmeter großen Drewag-Areal an der Hamburger Straße in der Friedrichstadt die Rede. Das dürfte als Gegenwert kaum ausreichen. Zudem wurde von mehreren Seiten bestätigt, dass Globus auch Interesse an dem 13.000 Quadratmeter großen Grundstück hat, auf dem sich zur Zeit die Erstaufnahmeeinrichtung Bremer Straße 25 befindet. Dieses Areal gehört dem Freistaat Sachsen. Eine Anfrage an das zuständige Finanzministerium, ob der Freistaat mit Globus über das Grundstück verhandelt, blieb bisher leider unbeantwortet.

Unklar ist, ob Globus auch das Areal an der Bremer Straße 25 erwerben kann. Foto: W. Schenk

Unabhängig von dem konkreten Inhalt des Grundstück-Deals hat es bereits erste positive Reaktionen gegeben. „Dass nun der Bau des riesigen Globusmarktes an dieser Stelle vom Tisch ist, ist ein wirklicher Grund zum Feiern“, erklärte Grünen-Stadtrat Thomas Löser. „Wir wollen eine Gebietsentwicklung, die Grün- und Freiflächen neben Wohnen, Kleingewerbe und Kreativwirtschaft ermöglicht und behutsam mit den denkmalgeschützten Gebäuden des Alten Leipziger Bahnhofs umgeht“, fügte er hinzu und sprach sich auch dafür aus, dass für den Wagenplatz des Vereins Schotter und Gleise entweder am vorhanden Standort oder an einem geeigneten Ersatzstandort eine dauerhafte Lösung gefunden wird.

Pieschens Grünen-Stadträtin Kati Bischoffberger betonte, dass die Chancen dafür, dass hier „ein gemeinwohl-orientiertes Wohnquartier der Zukunft geplant werden kann“, deutlich gestiegen seien. Auch das neu gegründete „Akteursnetzwerk Leipziger Bahnhof“ wolle sich auf der Grundlage des verabschiedeten Masterplanes Leipziger Vorstadt für die Entwicklung eines zukunftsweisenden Stadtviertels mit Imagewirkung für Dresden einsetzen.

Bestandteil des Grundstück-Deals sei aber auch, so Bischoffberger, dass Globus nun in der Friedrichstadt den geplanten SB-Markt errichten kann. „Diesen Plänen werde ich mich nicht entgegenstellen. Ich würde es jedoch begrüßen, wenn bei der weiteren Planung die Größe der Verkaufsfläche noch einmal auf den Prüfstand kommt „, sagte Bischoffberger. Auch Pieschen SPD-Stadtrat Stefan Engel sieht der Umsetzung des Vorhabens in der Friedrichstadt „gespannt entgegen“. Für das Areal am Alten Leipziger Bahnhof und die anliegenden Grundstücke sei „eine breite Bürgerbeteiligung unverzichtbar“, erklärte er.

Entwürfe von Studenten für eine Zukunft am Alten Leipziger Bahnhof. Quelle: Buch „Inspiration Alter Leipziger Bahnhof -Was wäre, wenn…?“

„Die Weichenstellungen für das Grundstück am Alten Leipziger Bahnhof als Großmarkt waren ein großer Fehler“, blickte Johannes Lichdi von der Dissidenten-Fraktion im Stadtrat zurück. „Dass jetzt eine Lösung im öffentlichen Interesse unter Wahrung der Anliegen des Unternehmens gefunden wurde, ist ein großer Erfolg“, sagte er weiter. Nun könne anstatt eines überdimensionierten Riesenparkplatzes mit Einkaufsanschluss ein lebendiges Innenstadtquartier am Neustädter Bahnhof und Elbe entstehen. „Wir werden uns zudem dafür einsetzen, dass dauerhaft ein hoher Anteil kommunaler mietgünstiger Wohnungen entsteht. Auch müssen die kulturellen Nutzungen an der Hansa- und Eisenbahnstraße erhalten werden“, so Lichdi.

2019 hatten sich Studentinnen und Studenten der TU Dresden mit städtebaulichen Entwürfen für das Areal am Alten Leipziger Bahnhof beschäftigt und diese in einer viel beachteten Ausstellung präsentiert. Entstanden ist daraus auch ein Buch mit dem Titel „Inspirationsort Alter Leipziger Bahnhof Dresden. Was wäre, wenn…?“

Seit März 2014 wird um den Standort am Alten Leipziger Bahnhof gerungen. Damals hatte der Stadtrat mit 32 zu 30 Stimmen den Bebauungsplan 6007 für die Ansiedlung eines Globus SB Markes an der Leipziger Straße verabschiedet. Im Juni 2018 wurde dann der Masterplan Leipziger Vorstadt verabschiedet. Er sieht für das gesamte Areal, zu dem auch das Globus-Grundstück gehört, den Bau von rund 1.700 neuen Wohnungen, ergänzt durch nicht störendes Gewerbe und viel Grün vor. Die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel ist nicht mehr erlaubt. Diese vom Stadtrat selbst verursachte widersprüchliche Beschlusslage ist bis heute nicht aufgelöst. Mehrere Anläufe, den Bebauungsplan für den Globus SB-Markt aufzuheben, sind in der Vergangenheit gescheitert.

 

Eine Meinung zu “Globus soll in die Friedrichstadt: Grundstückstausch noch 2022 – Stadt will Baurecht schaffen

  1. mcnesium sagt:

    Sehr schade, dass der Umzug hier als Sieg gefeiert und nicht ein bißchen kritisch hinterfragt wird. Dass der Shoppingtempel gar nicht weg sondern nur auf die andere Elbseite gewandert ist, scheint euch entweder nicht bewusst, oder aber egal zu sein. Es klingt schon einigermaßen nach Nimby.