Thema: Hafencity

Hier war der Segway-Park

Erste Bäume weichen der geplanten Hafencity – Investor nutzt alte Baugenehmigung

Mit einem Segway kann man hier nicht mehr fahren. Der Parcour ist kaum noch wieder zu erkennen. Wo man früher bergauf und bergab und in engen Kurven sein Können mit dem Segway testen konnte, ist jetzt die Erde aufgewühlt, stehen nur noch Baumstümpfe, liegt sauber aufgeschichtet das Buschwerk. Seit Anfang der Woche ist der Eigentümer USD Immobilien hier aktiv. „Es gibt eine Baugenehmigung. Beabsichtigt ist der Bau eines Wohngebäudes mit 54 Wohnungen“, erklärt USD-Sprecher Ulf Mehner und bestätigte einen entsprechenden Bericht der Sächsischen Zeitung von heute. Ende Oktober 2014 soll der Rohbau stehen. Die Öffentlichkeit werde „zu gegebener Zeit“ informiert, so Mehner.

Dresdenes Baubürgermeister Jörn Marx bestätigt dies auf Anfrage. Ja, es wurden Bäume gefällt. „Es gibt für diese Fläche ein Baugenehmigung, die ursprünglich 1996 erteilt wurde“, so Marx. Derzeit sei noch die 8. Verlängerung gültig – bis zum 11. Januar 2014. Genehmigt sei hier eine massive Bebauung mit zwei Tiefgaragengeschossen, einem Büroriegel und einem Wohngebäude, beides sechsgeschossig. Die Stadtverwaltung will nun bis 11. Januar prüfen, ob die Baugenehmigung verlängert wird.

Auf die Frage, ob das der Abschied von den Hafencity-Plänen bei USD Immobilien sei, erklärt Mehner, dass das Unternehmen „nach wie vor Interesse an der Umsetzung der Pläne hat“. Die Stadtverwaltung wisse, dass man auch verhandlungsbereit sei, zum Beispiel bei weiteren Anpassungen im Hochwasserschutz. Die Pläne liegen vor, „die Behörden sind jetzt am Zug“, sagt Mehner.

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Ein Stück weiter plant die Dresdenbau GmbH ein weiteres Wohngebiet an der Elbe. „Wir erwarten, dass wir bauen dürfen und Ende Februar/Anfang März 2014 die Genehmigung erhalten“, sagte Annett Hertel von der Dresdenbau.

Für Kris Kaufmann, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken im Stadtrat ist die Situation „total vertrackt“. Die Stadt hat hier eine Bebauung geplant, das Hafencity-Konzept beschlossen. Mit diesem Wissen „haben die Investoren mit hohen Gewinnerwartungen das Bauland gekauft und sitzen jetzt auf den Flächen“, sagt Kaufmann. Darum werde jetzt „stark mit den Säbeln gerasselt“, um auf diese Situation hinzuweisen. Offenbar wolle der Investor auch gegenüber der Stadt die Alternativen aufzeigen – eine Hafencity mit Wohnungen, Büros, Geschäften und Promenade oder ein einzelner Wohnblock an der Elbe.

Sven Seltmann, Inhaber der S&V Mobility, die den Segwaypark betrieben hat, ist schon etwas traurig. Aber ihm sei immer klar gewesen, dass die Nutzung des Geländes nur eine Zwischenlösung war. Eine Alternative, zumal so nah an seinem Geschäft auf der Leipziger Straße, sagt er „ist nicht in Sicht“.

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