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Sicherheit für Radverkehr in der Bürgerstraße – SPD und ADFC kritisieren Untätigkeit der Verwaltung

Mit Unverständnis haben die SPD-Stadtratsfraktion und der ADFC Dresden auf den Unwillen der Stadtverwaltung reagiert, die Verkehrssicherheit für Radfahrer in der Bürgerstraße mit einfachen Mitteln zu verbessern. Seit mehr als fünf Jahren finden die zuständigen Verkehrsexperten keine Lösung, um die Gefährdung von Gesundheit und Leben der Radfahrer besser zu schützen. Auf der rund 850 Meter langen Straße zwischen dem Moritzburger Platz und Altpieschen gibt es keinen eigenen Radfahrstreifen. „Der Radverkehr wird gezwungen, entweder in engem Abstand an parkenden Autos vorbeizufahren oder zwischen den Straßenbahngleisen zu fahren. Da aber jeden Tag 7.000 Autos die Bürgerstraße nutzen, sind auch hier Konflikte vorprogrammiert“, beschreibt Pieschens SPD-Stadtrat Stefan Engel die Situation. Obwohl das Problem lange bekannt ist und in das 2017 beschlossene Radverkehrskonzept der Stadt mit der Prioritätsstufe 1 aufgenommen wurde, gibt es bisher keine Lösung. Und wie aus einer Antwort aus dem Rathaus hervorgeht, ist auch keine vorgesehen.

Im November 2020 ereignete sich ein Unfall mit einer Radfahrerin in der Bürgerstraße:

„Am Donnerstagmorgen gegen 8.35 Uhr ist eine Fahrradfahrerin bei einem Unfall auf der Bürgerstraße verletzt worden. Die 59-Jährige war in Richtung Liststraße unterwegs und wurde von einem Auto überholt. Da das Auto zu dicht an der Radfahrerin vorbeifuhr, sei diese ausgewichen und mit dem Rad in eine Straßenbahnschiene geraten. In der Folge sei sie gestürzt und gegen einen geparkten BMW gefallen, berichtete ein Polizeisprecher. Die Frau sei dabei leicht verletzt worden. Der entstandene Schaden wurde auf rund 70 Euro beziffert. Der unbekannte Autofahrer habe die Unfallstelle verlassen.“

„Eine Prio 1-Maßnahme des Radverkehrskonzepts auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben, ist ein Armutszeugnis“, kritisiert darum Engel, der auch verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion ist. Er wollte von der Stadtverwaltung wissen, wie das Problem gelöst werden soll. „Die Bearbeitung der Maßnahme 741 des Radverkehrskonzepts ruht derzeit. Die Einschätzung, den Mangel mit verkehrsorganisatorischen Maßnahmen beheben zu können, hat sich als nicht umsetzbar erwiesen“, heißt es in der von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) unterschriebenen Antwort aus dem Rathaus. „Daher sind zurzeit keine konkreten Maßnahmen vorgesehen.“ Auch ein Ausbau oder Umbau von Straße und Gleisen sei auf absehbare Zeit nicht geplant.

Ein Umbau von Straße und Gleisen hat keine Priorität, heißt es aus dem Rathaus. Foto: W. Schenk

Sowohl der ADFC Dresden als auch SPD-Stadtratsfraktion plädieren für Piktogramme zwischen den Gleisen als eine kostengünstige und sinnvolle Maßnahme bis zu einem Straßenumbau. Gerade dies stößt auf Ablehnung in der Stadtverwaltung. „Es darf Radfahrenden nicht suggeriert werden, dass sie sich auf einem für sie vorgehaltenen Teil der Fahrbahn bzw. in einem für sie besonderen Schutzbereich befinden, den andere Verkehrsteilnehmer nicht oder nur in Ausnahmefällen befahren dürfen“, heißt es zur Begründung.

Für Nils Larsen vom ADFC Dresden ist diese Argumentation nicht stichhaltig. Als Sicherheitsabstand zwischen parkenden Autos und Radfahrern werden 1,50 Meter empfohlen. Das sei inzwischen Bestandteil mehrerer Gerichtsurteile. Für Radfahrerinnen und Radfahrer auf der Bürgerstraße bedeutet dies, dass sie zwischen den Gleisen fahren müssen. „Das ist auch völlig in Ordnung und verstößt nicht gegen das Rechtsfahrgebot“, betont Larsen. Die Piktogramme sollen sowohl den Autofahrern als auch den Radfahrern zeigen, dass es in Ordnung ist, wenn das Fahrrad zwischen den Gleisen fährt. Die enge Auslegung der Verwaltungsvorschrift zur StVO kenne er schon aus den Stellungnahmen des Rathauses aus dem Jahr 2014. Andere Städte in Deutschland hätten inzwischen gezeigt, dass Piktogramme helfen können.

Das sieht auch Engel so und zählt mehrere Beispiele auf: Berlin (Weinbergsweg/Kastanienallee), Mannheim (Seckenheimer Hauptstr.), Halle (Geiststr.), Frankfurt (Mörfelder Landstr.) und Bremen (Vor dem Steintor). „Was dort geht, sollte auch in Dresden möglich sein. Die rechtliche Begründung der Verwaltung überzeugt mich nicht“, sagt er. Rebecca Overmeyer, die für die SPD im Stadtbezirksbeirat Pieschen sitzt, verweist auf ein weiteres Problem. „Im Umfeld der Bürgerstraße befinden sich zahlreiche Schulstandorte. Wenn Schülerinnen und Schüler sicher und eigenständig zur Schule kommen sollen, müssen auch die Bedingungen stimmen. Auch Tempo 30 könnte die Verkehrssicherheit verbessern“, sagte sie und fordert von der Stadtverwaltung „ein rasches Umdenken“.

10 Meinungen zu “Sicherheit für Radverkehr in der Bürgerstraße – SPD und ADFC kritisieren Untätigkeit der Verwaltung

  1. Anterovskaja sagt:

    Hallo, ich bin Radfahrer und Autofahrer. Zudem gebe ich mir Mühe, meine Kinder auf das Radfahren im Stadtverkehr vorzubereiten.
    Tempo 30 und Piktogramme müssten hier Mindeststandard sein. Die Umgestaltung in eine Fahrradfreundliche Stadt ist eine notwendige Investition für die Zukunft Dresdens.

    • Edgar sagt:

      Genauso sehe ich das auch.
      Tempo 30 wird aber bestimmt von der DVB verweigert und die hat das sagen, alle anderen lächerlichen Ausreden sind nur taktisch. Es könnte doch der Fahrplan darunter leiden. Allzugerne wir die Stadt dann mit angeblich höheren Kosten seitens der DVB erpresst. Die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg spielt da eine untergeordnete Rolle. Das sieht man auch entlang der Buslinie 64 im Kerngebiet Pieschen/Trachenberge. Ringsherum Zone 30 aber der Korridor der Linie 64 ist davon befreit.

    • DAT sagt:

      @Edgar

      ich glaube kaum dass DVB ein großes Problem mit Tempo 30 hat – die haben gute Daten und wissen (im Gegensatz zu vielen Autofahrern) dass 20km/h Höchstgeschwindigkeit mehr im Stadtverkehr sehr zu vernachlässigend Zeitaufwand bedeuten.

      Gerade auf der Strecke – die Bahnen sind dort eh schon nur mit Beschleunigen beschäftigt, da sind die vielen Haltestellen der weit größere Zeitfresser. (und DVB wird einen Teufel tun sich gegen die Haltestellen auszusprechen)

  2. Ronny sagt:

    Und wie soll man in dieser Strasse Autos, Radfahrer und Bahn „sicher“ unterbringen? Ach ja, bestimmt wieder durch entfernen von Parkplätzen. Haben ja viel zu viele davon.

    • DAT sagt:

      ja, warum nicht? Wenn Sie einen Parkplatz brauchen, sollten sie evtl. selbst für den entsprechenden Platz sorgen? Ich bekomme ja auch keine 10m² Gartenfläche für meine Blumenbeete geschenkt – und die wären im Zweifel für die anderen Anwohner weit hübscher anzusehen.

  3. Rainer Witz sagt:

    Hach ja, das alte Steitthema, wem gehört die Straße….
    Schienen verlegen geht technisch garnicht, die Bahn muss an die Bordsteine ran damit die Leute sicher ein und aussteigen können. Alternativ müssten die Schienen mittig gelegt werden, die Bordsteine abgesenkt werden und Ampeln aufgestellt werden und dann müssen die Fahrgäste hoffen, dass sie beim Ein- und Aussteigen nicht von rotlichtignorierenden Radfahrern umgesäbelt werden…

    Vielleicht einfach den recht breiten Bürgersteig für Fahrräder freigeben (moritzburger Platz bis Sankt markus) Fahren jetzt eh schon viele darauf und finde ich völlig in Ordnung. Hat mich als Fußgänger nie gestört, hier sollte man genug gegenseitige Rücksicht nehmen können.

    Die Schienen sind echt tückisch, ich erlebte auch mit, wie vor einigen Jahren eine Radfahrerin ohne Helm in die Schiene kam und umfiel, war keine schöne Sache.

    Parkplätze weg funktioniert auch nicht, da es jetzt schon zu wenig öffentliche und private Stellplätze gibt. Das Problem mit Piktogrammen könnte sein, dass dann einige Radfahrer meinen sie sollten jetzt die ganze Zeit zwischen den Schienen fahren und den Verkehr blockieren, auch dort wo es nicht sein müsste (z.b. Höhe Markuskirche).

  4. Adalbert sagt:

    Natürlich fahre ich die ganze Zeit zwischen den Schienen, denn ein Wechsel wegen denn 100m bei zB. der Markuskirche ist viel zu gefährlich. Zu den Gefahr der Schienen, kommt dann noch dazu, dass ich meistens sehr knapp von EINEM Auto auf dem Stück überholt wurde, wenn ich es mal probiert habe.
    Alle Radfahrer sollten dort nicht leichtsinnig über die Schienen fahren. Auch dort, wo es dann im Bereich der Haltestelle eng wird, meinen viele Autofahrende, einfach weiter zwischen den Schienen fahren zu müssen….der Radfahrer wird schon anhalten und sich nicht einfädeln. Wurde da neulich fast überfahren, während die Autofahrerin mich noch angehupt hat. Seitdem Wechsel ich NIE mehr von zwischen den Schienen auf das kurze Stück der rechte Fahrspur.

  5. D. Grimm sagt:

    Täglich muss ich auf dieser Straße lang fahren. Nachdem ich des öfteren Autotüren ausweichen musste, fahre ich jetzt immer in der Mitte. Leider meinen immer wieder Autofahrer, sie müssen es den Radfahren zeigen und überholen mit weniger als 50cm Abstand. Habe vor Monaten sogar eine Anzeige gestellt, weil er/sie die gesamte Familie inkl kleine Kinder geschnitten hat. Bisher noch keine Antwort.

  6. Rainer Witz sagt:

    Tja was soll ich da als Autofahrer (meistens) sagen? Mir ist es egal, ob das Fahrrad zwischen den Schienen oder an der Seite fährt. Wenn der Gegenverkehr es zulässt und der Sicherheitsabstand eingehalten wird, wird überholt, egal wo.

    Wenn der Fahrradfahrer an Stellen, an denen es problemlos möglich ist (St Markus) neben den Schienen fährt, geht das eben sicherer, als wenn er da (für mich als Autofahrer gefühlt provokant, da man da absolut gefahrlos über Schienen fahren kann wenn man den Lenker in der Hand hält und nicht nahezu parallel zur Schiene fährt (ist wie die Autofahrer, die auf der Mittelspur fahren, wenn rechts alles frei ist)) mittig fährt.
    Gegenseitige Rücksichtnahme ist das Zauberwort.

    Ja, es gibt Autofahrer die wie oben beschrieben gefährlich die Leute schneiden und unnötig gefährden und dann gibt es Fahrradfahrer, die meinen die Straße gehört ihnen und den Verkehr blockieren auch wenn es nicht notwendig ist. Idioten gibt es überall, das hat mit dem Gefährt wenig zu tun.

    Die Forderung nach Tempo 30 tue ich (für mich) als provokanter Quatsch ab, dann müsste man nahezu jede Straße ohne Fahrradstreifen auf Tempo 30 beschränken. Zumal die Fahrradfahrer eh nicht 30 fahren und man somit sowieso überholt, nur langsamer und damit gefährlicher.

    Aber ! bei aller Emotionalität (die ich , wie man hier lesen kann, bei dem Thema auch habe) : Ich fahre (Coronazeit ausgenommen) seit etwa 9 Jahren werktäglich die Stecke und im Sommer Wochenende auch mal mit dem Fahrrad. Und ich hatte noch nie (!) Probleme damit, das schlimmste bisher war, dass ich jetzt alle paar Monate mal eine Minute hinter einem Radler herzuckelte bis ich gefahrenlos überholen konnte. Ist halt wie wenn man mal die Müllabfuhr vor sich hat. So vielbefahren, als das man nicht immer wieder Lücken zum gefahrlosen Überholen hätte, ist die Straße nun auch wieder nicht.
    Ich habe das Gefühl, hier wird etwas, was für die allerwenigsten ein Problem ist, unnötig aufgebauscht, weil einige wenige ihre Meinung/Lobby populistisch durchsetzen wollen und egal ist, was das für andere bedeuten würde.

    Nochmal: gegenseitige Rücksichtnahme ist das Zauberwort, wer das nicht beherrscht, den jucken auch Radstreifen nicht.

  7. […] SPD und der ADFC Dresden die Weigerung der Stadtverwaltung kritisiert, mit einfachen Maßnahmen die Sicherheit für Radfahrer in der Bürgerstraße zu erhöhen. Hier soll mit Vignetten zwischen den Gleisen signalisiert werden, dass es in Ordnung ist, wenn der […]

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