Thema: Sachsenbad

Schmidt-Lamontain Lastenrad

Raoul Schmidt-Lamontain: Bürgerforum und Einwohnerversammlung zur Zukunft des Sachsenbades

Seit Oktober 2015 ist Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) Bürgermeister  für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften in Dresden. Ende September wird er vorzeitig aus seinem Amt ausscheiden und ab 1. Oktober in Heidelberg seine Tätigkeit als erster Klimabürgermeister der Stadt aufnehmen. Für beide Ämter war er von Bündnis 90/Die Grünen nominiert worden. In seiner Dresdner Amtszeit ist nach 20 Jahren Stillstand Bewegung in die Causa Sachsenbad gekommen. Jetzt gibt es eine Vorlage für den Verkauf und die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Bevor der Stadtrat darüber entscheidet, sollen ein Bürgerforum und eine Einwohnerversammlung stattfinden – dies wird er als Bürgermeister nicht mehr begleiten. Über den aktuellen Stand haben wir mit Raoul Schmidt-Lamontain gesprochen.

Seit Fertigstellung der Vorlage über den Verkauf des Sachsenbades im Februar sind sechs Monate vergangen, bis sie in die Dienstberatung des Oberbürgermeisters gelangte – was ist der Grund für diese Verzögerung?

Vor Einbringung der Vorlage waren verwaltungsinterne Abstimmungen und fachliche Prüfungen erforderlich. Die Voraussetzungen für die Einbringung der Vorlage in den Geschäftsgang des Stadtrates waren erst vor kurzem erfüllt, die Beschlussvorlage war bis dahin noch nicht fertig gestellt.

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Mit einer Konzeptausschreibung wurde ein privater Investor für das Sachsenbad in Pieschen gesucht. Foto: W. Schenk

Welche Prüfaufträge sind jetzt noch erteilt worden?

Die Prüfaufträge betrafen Fragen der Bürgerbeteiligung. Wir werden vor der Beschlussfassung ein aus der Bürgerschaft beantragtes Bürgerforum und eine vom Stadtrat beantragte Einwohnerversammlung durchführen.

Halten Sie die vom Stadtrat bestätigte Konzeptausschreibung für das Sachsenbad auch mit Blick zurück für den richtigen Weg, einen Investor für das Sachsenbad zu finden?

Die Ausschreibung des ehemaligen Sachsenbades erfolgte in Erfüllung des Stadtratsbeschlusses vom Juni 2018. Eine solche Ausschreibung ist grundsätzlich die beste Möglichkeit, einen großen Kreis von potentiellen Interessenten anzusprechen. Um Einfluss auf die künftige Nutzung nehmen zu können, wurden in der Ausschreibung dahingehend Rahmenbedingungen vorgegeben, die von Bietern zu berücksichtigen waren.

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Seit 1994 ist das Sachsenbad in der Wurzener Straße in Pieschen geschlossen. Foto: Dorothea Becker

Es haben sich drei Bewerber gemeldet – welche Ursachen sehen Sie für das geringe Interesse potentieller Investoren?

Die Notwendigkeit einer umfassenden denkmalschutzgerechten Sanierung und die Rahmenvorgaben der Stadt in Bezug auf mögliche Nutzungen engen den Kreis potentieller Investoren sicherlich ein. Hinzu kommt, dass der Baukörper als Schwimmbad konzipiert worden und daher nicht uneingeschränkt für jedes Investitionsvorhaben geeignet ist.

Können Sie die Gründe erläutern, warum zwei Bewerber vorzeitig ausgeschieden sind?

Ein Bewerber zog sein Gebot aus wirtschaftlichen Gründen zurück. Ein weiteres Gebot musste aus rechtlichen Gründen von der Wertung
ausgeschlossen werden.

Welche Optionen sind mit den Bewerbern geprüft worden, im Sachsenbad trotz anderer Pläne ein Schwimmbad zu ermöglichen?

Die Gebote wurden gemäß den bieterseitig vorgelegten Nutzungskonzepten behandelt und bewertet. Diskutiert wurde auch eine Badnutzung mit einer finanziellen Beteiligung der Stadt, die aber aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzbar ist.

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Wollen ein Schwimmbad: Dorothea Becker, Christian Helms und Heidi Geiler von der Initiative „Endlich Wasser ins Sachsenbad“. Foto: W. Schenk

Welche Auswirkungen auf die Entwicklung im Stadtteil sehen Sie in den Plänen des verbliebenen Investors?

Die Sanierung und Reaktivierung des ehemaligen Sachsenbades entspricht sowohl dem Wunsch vieler Bewohner als auch dem Auftrag des Stadtrates, der sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Komplexes einsetzt. Die Sanierung des vom endgültigen Verfall bedrohten Gebäudes wird zu einer Verbesserung der Wohnumfeldqualität und des Ansehens Pieschens als Ort des Wohnens und Arbeitens führen.

Der Investor plant jedoch nicht die Reaktivierung des Areals in seiner historischen Nutzung. Dies haben sich viele Bewohner Pieschens gewünscht, und sie werden jetzt nicht zufrieden sein. Dies um so mehr, da der für den Dresdner Norden avisierte Ersatzneubau eines Schwimmbades noch nicht lokalisiert und finanziell abgesichert ist. Die vom Investor nach derzeitigen Kenntnissen geplante teilweise Nutzung des Hauptgebäudes als Saunabereich wird sicher von allen Bewohnern begrüßt.

Wenn die Sanierung entsprechend der Pläne des Investors abgeschlossen ist, werden eine Reihe neuer Arbeitsplätze geschaffen sein. Das wird in jedem Fall auch zu einer Belebung dieses Teils Pieschens beitragen.

Was geschieht, wenn es im Stadtrat keine Mehrheit für die Vorlage über den Verkauf des Sachsenbades gibt?

Sofern der Stadtrat die Vorlage zum Verkauf des ehemaligen Sachsenbades ablehnt, wird anschließend über den weiteren Umgang mit dem Objekt zu entscheiden sein. Dem kann und möchte ich an dieser Stelle nicht vorgreifen. Aber ich sehe dann keine kurzfristige Lösung. Mit der jetzigen Ausschreibung haben wir keinen Investor für ein Bad gefunden.

Halten Sie eine weitere Ausschreibung für eine machbare Variante?

Auch hier gilt, dass die Entscheidung des Stadtrates zur aktuellen Beschlussvorlage über den Verkauf abzuwarten ist.

Droht bei weiterer Verzögerung ein Verfall und möglicherweise ein Abriss des Gebäudes?

Das Sachsenbad ist ein Kulturdenkmal nach dem Sächsischen Denkmalschutzgesetz. Es ist deshalb zu erhalten. Der bauliche Zustand des
ehemaligen Sachsenbades wird aber zunehmend kritischer, und Sicherungsmaßnahmen sind schon jetzt kostspielig. Das Gebäude konnte
bislang aus Gründen der kommunalen Haushaltslage nicht saniert werden. Auch künftig stehen hierfür keine Mittel zur Verfügung.

Durch die Coronapandemie hat sich der finanzielle Spielraum nochmals deutlich verringert. Mit der Veräußerung könnte das Bauwerk neben der Sanierung auch wieder einer Nutzung zugeführt und damit erhalten werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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