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Kein Erbarmen: Türkischer Zoll konfisziert Spenden der Initiative „Dresden hilft Kobane“

Die Zollbehörde in Ankara ist unnachgiebig geblieben. Die medizinische Ausrüstung aus dem gespendeten Rettungswagen wird nun in der Türkei konfisziert. Selbst ein persönlicher Brief an den stellvertretenden Behördenleiter Abdullah-bey und eine 382 mal unterschriebene Petition (Stand 11. Januar, 11 Uhr) konnte diesen nicht zum Einlenken bewegen. Heute endet die bereits verlängerte Lagerfrist im Zollamt in Ankara. Die aus Sachspenden stammende Ausrüstung im Wert von 16.000 Euro wird ihr Ziel nun nicht mehr erreichen. Der aus Spendengeldern finanzierte Rettungswagen konnte dem Zoll wieder abgerungen werden und ist seit Oktober bei der Hilfsorganisation DocMobile in Griechenland bei der Flüchtlingsbetreuung im Einsatz.

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September in Dresden: Verena Schneider, Anja Osiander und Heidemarie Franzke (v.l.n.r.) und Fettah Cetin beim Packen und Etilkettieren der Spenden. Foto: Dana Ritzmann

„Unsere Ressourcen sind aufgebraucht“, zog Anja Osiander, Sprecherin der Initiative „Dresden hilft Kobane“ eine bittere Bilanz. „Wir gehen nun davon aus, dass die Ausrüstung in den Tagen nach dem 11. Januar vom türkischen Zoll konfisziert wird. Wir wissen aber auch aus inoffizieller Quelle, dass solche Ausrüstung in der Regel nicht vernichtet, sondern in der Türkei weitergegeben wird“, sagte sie und fügt hinzu. „Wir werden versuchen, herauszufinden, was damit passiert.“

Im Gespräch blickt sie noch einmal auf das in den vergangenen zwei Jahren Erreichte zurück. „Wir haben 17.000 Euro an Geldspenden und 16.000 Euro an Sachspenden mobilisiert. Wir haben Kobane nicht erreicht, und Diyarbakir auch nicht. Unsere Ausrüstung wird – gegen unseren Willen – voraussichtlich in der Türkei Bedürftigen helfen, wahrscheinlich aber nicht für Flüchtlinge eingesetzt werden. Der Rettungswagen hilft nun DocMobile in Griechenland. Auch dort gibt es viele Menschen, die aus Kobane oder aus kurdischen Gebieten geflohen sind“, sagt Osiander und findet doch noch zu einem zuversichtlichen Schluss: „Unsere Hilfe kommt also, auf einem großen Umweg, doch bei denen an, denen wir helfen wollten.“

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Heidemarie Franzke berichtet im Verein deutsch-kurdische Begegnungen über die Fahrt nach Diyarbakir. Foto: W. Schenk

Für sie habe sich eine alte Weisheit bestätigt. „Kaputtmachen geht schnell – etwas aufzubauen, dauert viel, viel länger.“ Für die Initiatoren der Hilfsaktion, zu denen auch die Mitstreiter des Vereins deutsch-kurdischer Begegnungen gehören, sei eines sicher. „Wir sind entschlossener denn je, Hilfe zu organisieren“. Über die nächsten Aktionen werde man nun gemeinsam beraten.

Der Rettungswagen, ursprünglich als Spende für die Einwohner der zerstörten syrischen Stadt Kobane gedacht, sollte nach der Grenzschließung zur Türkei an den Bürgermeister der grenznahen Stadt Diyarbakir übergeben werden. Das haben die türkischen Behörden boykottiert. Einer kleinen Delegation aus Dresden war es aber gelungen, im September die Papiere für den Rettungswagen, der beim Zoll in Ankara stand, an den Bürgermeister in Diyarbakir zu übergeben. Immer wieder wurde vermutet, dass die türkische Administration vor allem verhindern wollte, dass Spenden in ein überwiegend von Kurden bewohntes Gebiet gehen. Nach dem Putschversuch im Juli waren der Bürgermeister und viele andere Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Diyarbakir ihrer Ämter enthoben worden.

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