Heidemarie Franzke, Fettah Cetin, Achim Thiele

Rettungswagen für Kobane startet 3.500 Kilometer langen Weg zum Ziel

Am Sonnabend machen sich Helfer aus Dresden mit dem Rettungswagen für Kobane auf den gut 3.5000 Kilometer langen Weg an die Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Ziel der Reise ist die Stadt Diyarbakir. In den letzten Tagen haben die Helfer um Heidemarie Franzke die Kisten mit Spenden sorgfältig etikettiert und mehrsprachig beschriftet. Sie stapeln sich jetzt im Laderaum des Rettungswagens. Heidemarie Franzke, seit ihrem Engagement für Flüchtlinge in Übigau auch als „Oma Heidi“ bekannt, hatte sich als wahres Packtalent erwiesen.

Die Tage bis zur tatsächlichen Abfahrt waren eine Zitterpartie, denn bürokratische Hürden kamen immer dann erneut auf, wenn gerade ein Problem gelöst schien. Am Dienstag schließlich vermeldet Anja Osiander, Sprecherin der Initiative: „Der Weg scheint frei.“ Bei einem Termin im türkischen Konsulat in Berlin seien die letzten benötigten Dokumente ausgestellt worden, um die Ausfuhr der Spendengüter und des Rettungswagens aus Deutschland beziehungsweise der EU zu realisieren. Ebenso musste geregelt sein, dass die Einfuhr in die Türkei bedingungslos gelingt. Dafür hatte der Exil-Kurde Fettah Cetin, der den Rettungswagen jetzt in seine ehemalige Heimat überführen wird, vorab in zahlreichen Telefonaten mit der Stadtverwaltung in Diyarbakir und Unterstützern der Dresdner Initiative in der Türkei gesorgt. Von Cetin, der Vorsitzender des Dresdner Vereins deutsch-kurdische Begegnungen ist, kam die Idee mit dem Rettungswagen.

Packen und Etikettieren: Heidemarie Franzke, Anja Osiander und Verena Schneider (v.r.) haben Dutzende Kisten mit deutschen und türkischen Klebezetteln beschriftet. Fettah Cetin sitzt morgen am Steuer des Wagens. Foto: Dana Ritzmann

Packen und Etikettieren: Heidemarie Franzke, Anja Osiander und Verena Schneider (v.r.) haben Dutzende Kisten mit deutschen und türkischen Klebezetteln beschriftet. Fettah Cetin sitzt morgen am Steuer des Wagens. Foto: Dana Ritzmann

Anders als ursprünglich geplant wird es allerdings nicht möglich sein, den Rettungswagen bis nach Kobane zu bringen, erläutert Osiander. Stattdessen fahren die Dresdner Aktivisten nach Diyarbakir in Ostanatolien. Von dort – so haben es die lokalen Unterstützer zugesagt –  werde der Hilfstransport, sobald es möglich sei, nach Syrien geschickt. Möglicherweise sind die medizinischen Geräte und andere Spenden aber auch für die Flüchtlingsarbeit in der Osttürkei, zum Beispiel in der Grenzstadt Suruc ein willkommener Beitrag.

„Wir wollen eine Brücke schlagen von Dresden nach Diyarbakir und Kobane. Wir möchten dazu beitragen, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben können und nicht gezwungen werden zu fliehen“, betonte Osiander. Die Spenden kämen von „Menschen aus Dresden, die sich nicht hinter Grenzzäunen verstecken wollen und die sich für eine offene Welt einsetzen. Wir engagieren uns von Mensch zu Mensch, jenseits von Ideologien, Religionen oder politischen Ansichten“, sagte sie.

Neben der sicheren Übergabe des Hilfstransportes sei es ebenso erklärtes Ziel der Dresdner Initiative, Informationen und Kontakte mitzubringen, um eine dauerhafte Brücke zwischen den Hilfsbedürftigen in Diyarbakir und Kobane sowie den Hilfsbereiten in Dresden aufzubauen. Denn so wie Dresden sinnbildlich für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg stehe, so habe auch das nordsyrische Kobane Symbolcharakter, wenn es um die Hoffnung auf eine friedliche und stabile Zukunft im Nahen Osten gehe, meint Osiander.

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