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Humorzone


Aus der Sitzung des Rats des Stadtbezirkes

Am Dienstag trafen sich die Stadtbezirksbeiräte zur Sitzung im Rathaus Pieschen. Die Räte berieten über verschiedene Förderprojekte und den Planungsrahmen der Kinder- und Jugendhilfe.

Rathaus Pieschen - Foto: J. Frintert
Rathaus Pieschen – Foto: J. Frintert

Kinder- und Jugendhilfe

Zu Beginn der Sitzung standen zwei Vorlagen zur Beratung auf der Tagesordnung. Dabei geht es um den Planungsrahmen der Kinder- und Jugendhilfe in Dresden:

  • Planungsbericht Stadtraum 4: Leipziger Vorstadt und Pieschen
  • Planungsbericht Stadtraum 5: Mickten, Kaditz und Trachau

Anne Marin vom Jugendamt (Sachgebiet Jugendhilfeplanung) stellte die Planungsberichte vor. Es gibt für Dresden 17 Stadtraumsteckbriefe, die den Bestand, demografische und soziale Daten auflisten, darüber hinaus auch Fallzahlen, Nutzungsverhalten und Entwicklungen.

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17 Hippies am 21. Februar in Dresden, Alter Schlachthof


Alle drei bis vier Jahre finden Planungskonferenzen statt, dabei werden Ergebnisse der direkten Beteiligung der Adressaten einbezogen. Der Entwurf des Planungsberichtes liegt nun vor. Es gibt aktuell eine Abstimmung zum Entwurf des Berichts. Außerdem werden weitere Entwicklungen im Stadtraum gesammelt, um die Steckbriefe weiterzuentwickeln. Daraus werden fachliche und planerische Ableitungen gezogen und Aussagen zum tatsächlichen Bedarf entwickelt.

Für den Stadtbezirk Pieschen liegt nun eine besondere Situation vor. Die Planungskonferenz fand am 11. September 2024 statt. Im folgenden Jahr zeichnete sich ab, dass die Finanzen im Stadthaushalt knapp werden – die Einschnitte betreffen auch die Jugendhilfe. Ziel ist und bleibt es, bedarfsgerechte Kinder- und Jugendhilfestrukturen zu schaffen bzw. zu erhalten, so Marin. Geprüft werden soll die Wiederaufnahme des Modellprojektes des Familienzentrums Altpieschen.

Uwe Sochor (SPD) merkte an: „Wir haben ja viele Vereine im Stadtbezirk. Vielleicht sollten wir lieber die bestehenden Vereine stärken, statt neue zu schaffen.“ Marin: „Eine neue Einrichtung ist derzeit nicht geplant.“ Auf Nachfrage erklärte sie, dass die Qualität der bestehenden Einrichtungen dauerhaft überprüft werde.

Pia Barkow (Linke) fragte, ob es bezüglich Freiflächen oder Freiräumen Möglichkeiten gäbe, bei denen der Stadtbezirksbeirat eventuell unterstützen könne. Marin: „Die Rahmenbedingungen sind aktuell nicht da, um überhaupt Freiflächen im Stadtbezirk zu schaffen.“ Holger Kunig (Grüne): „Planen Sie mit ein, wenn es kein Geld gibt? Wie wird denn gekürzt?“ Marin: „Wir planen nach dem Bedarf, müssen aber auch Kürzungsvorschläge machen.“

„Was ist die Strategie bezüglich risikoreichem Konsum?“, fragte Rebecca Overmeyer (SPD). Marin: „Es gibt Fachstellen, die diese Themen bespielen. Wir haben ein Förderkonzept, anhand der Rahmenbedingungen einigen wir uns dann, welche fachlichen Aktionen uns am wichtigsten sind. Aktuell ist die mobile Jugendarbeit am wichtigsten, außerdem soll es in jedem Bereich mindestens eine Einrichtung geben.“

Björn Lehninger (Team Zastrow) wollte wissen, wie die Abstimmungen zwischen Trägervereinen und Jugendamt koordiniert werden. Es gibt die Stadtteilrunde, dazu Fachberater, die alle bei der Planungskonferenz eingebunden seien.

Rolf Poppe (AfD) sagte, dass es im April im Stadtrat einen neuen Haushaltsbeschluss und im Herbst dann den Haushaltsplan für 27/28 geben solle. „Da wird es Veränderungen geben, dann muss der Planungsbericht überarbeitet werden. Ist das eingeplant?“ Marin: „Nein, das können wir nicht leisten, ist auch nicht erforderlich. Wir stellen ja bei jedem Bericht auch die Bilanzierung voran, da können wir dann auf Kürzungen eingehen. Wir wollen mit dem Planungsbericht den Bedarf abbilden.“

Die Stadtbezirksbeiräte stimmten beiden Planungsberichten einstimmig zu. Die Planungsberichte kann man im Ratsinformationssystem der Stadt Dresden nachlesen: Stadtraum IV, Stadtraum V.

Projektförderungen 2026

Kill You

Samantha Steuck vom Ensemble La Vie stellte das Projekt vor. Es geht um die Thementage Sucht mit dem Theaterstück „Kill You“, das im Theaterhaus Rudi gespielt werden soll. Geplant sind vier Aufführungen.

Szene aus "Kill You" von der Aufführung im Projekttheater im April 2023. Foto: Julius Zimmermann
Szene aus „Kill You“ von der Aufführung im Projekttheater im April 2023. Foto: Julius Zimmermann

Das Theaterstück „Kill You!“ basiert auf dem Roman von Daniel Höra und thematisiert Spielsucht im Kontext neuer Medien. René Rothe bearbeitete den Stoff für die Bühne, unterstützt von Eric Jacob. Vier Schulveranstaltungen sind im Theaterhaus Rudi geplant. Im Anschluss folgt ein Zuschauergespräch mit Podiumsdiskussion. Ziel ist es, Jugendliche ab der 7. Klasse für Risiken von exzessivem Gaming zu sensibilisieren. Die Produktion des Ensembles La Vie e.V. bringt Prävention auf die Bühne und lädt Schulen sowie Institutionen im Stadtteil gezielt zur Teilnahme ein. Termin: 21. und 22. April 2026 – weitere Infos.

Diana Kotte (Linke) und Rebecca Overmeyer (SPD) erklärten ihre Unterstützung für das Projekt. Benjamin Kemper (CDU) fragte, ob es einen lokalen Bezug gebe. „Es geht darum, mit so einem Stück Jugendliche besser anzusprechen als mit einem Flyer“, erläuterte Samantha Steuck. Eigentlich müsste das Stück in jedem Stadtteil und in jedem Dorf gespielt werden. Rolf Poppe (AfD) erklärte, dass er das Projekt gut finde und es seine volle Unterstützung dafür gebe. Er fragte nach, wie viele Veranstaltungen damit finanziert würden. Steuck sagte, dass es aufgrund der hohen Nachfrage nun vier Vorstellungen gebe. Der Stadtbezirksbeirat stimmte mehrheitlich für die Förderung des Stücks in Höhe von 5.554,20 Euro.

Jazz-Session in Pieschen

René Bronstein und Marlen Ohle stellten das Projekt vor, es geht um Jazzsessions im Kulturhafen. 5.640 Euro sind für die eintrittsfreien Veranstaltungen beantragt. Es kommen zwischen acht und 50 Besucherinnen und Besucher, in der Regel aber mehr als 20, berichtete Bronstein. Die Session findet jetzt regelmäßig jeden dritten Montag im Monat statt. 2026 sind zehn Termine geplant. Die Veranstaltungsreihe bringt Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen zusammen – zum Zuhören, Mitspielen und Austauschen. Jazz steht hier für Offenheit, Improvisation und Gemeinschaft. Die Sessions schaffen einen Raum für Begegnung zwischen Publikum und Musikerinnen und Musikern. So entsteht ein kulturelles Angebot, das den Stadtteil Pieschen belebt und den Zugang zu Musik niedrigschwellig gestaltet. Ziel ist es, Kultur sichtbar und erlebbar zu machen. Pia Barkow (Linke) und Björn Lehninger (Team Zastrow) äußerten sich positiv, Lehninger hatte sich eine Session schon einmal angesehen und war positiv überrascht. Die Räte stimmten bei einer Enthaltung für die Förderung.

Hip-Hop im Emmers

Ines Herrmann und Willy Müller von der Outlaw gGmbH stellten das Projekt vor. Im Kinder- und Jugendhaus Emmers in Dresden-Pieschen sollen 2025 vier Hip-Hop-Workshops stattfinden. Je zwei Kurse in Breakdance und Graffiti richten sich an Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 21 Jahren. Erfahrene Künstlerinnen und Künstler aus der Szene begleiten das Projekt. Ziel ist es, Selbstwertgefühl, Respekt und Gemeinschaft zu stärken. Im Fokus stehen junge Menschen aus sozial benachteiligten Familien sowie mit Flucht- oder Migrationshintergrund, insbesondere aus der Ukraine und Syrien. Die Workshops bieten einen kreativen Raum für kulturellen Austausch und fördern Inklusion. Ohne Diskussion stimmten die Räte mehrheitlich für eine Förderung in Höhe von 5.940 Euro.

Musikprojekt „Unser eigener Song: Wie entsteht ein Lied?“ im Kinder- und Jugendhaus Emmers

Der Songwriter Alexander Materni stellte das Projekt vor und präsentierte auch den Song, der im Vorjahr entstanden ist. Im Kinder- und Jugendhaus Emmers in Dresden-Pieschen soll 2025 wieder ein wöchentlicher Musikworkshop für junge Menschen zwischen 10 und 18 Jahren stattfinden. Im Fokus steht die eigene Musikproduktion – Beats bauen, Texte schreiben und Songs aufnehmen. Der Workshop nutzt das vorhandene Tonstudio und die Medienwerkstatt. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Die Teilnahme ist freiwillig, etwa 50 Jugendliche können im Laufe des Jahres mitmachen. Ziel ist es, Kreativität, Selbstvertrauen und musikalische Fähigkeiten zu stärken. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bringen eigene Themen ein und erleben Musik als Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle. Sophia Jansen (Grüne) fragte nach, ob das Tonstudio zum Emmers gehöre und ob es auch anderweitig genutzt werde. Dies sei der Plan, betonte Ines Herrmann vom Emmers. Benjamin Kemper (CDU) fragte nach, warum das Projekt in diesem Jahr nicht wie im Vorjahr durch die Aktion Mensch gefördert werde. Materni erläuterte, dass über dieses Programm in der Regel nur der Start eines Projektes gefördert werde. Außerdem erklärte er, dass man das Projekt in diesem Jahr erheblich verbessern könne, da man aus den Erfahrungen des Vorjahres lernen könne. Die Räte stimmten mehrheitlich für die Förderung in Höhe von 3.590 Euro.

Stadtteilfest „Sankt Pieschen“ 2026

Auch in diesem Jahr soll es wieder das inzwischen legendäre Stadtteilfest geben. Andreas Koenitz, Vorsitzender des Sankt-Pieschen-Vereins, erläuterte die Situation. So werde es Jahr für Jahr komplizierter, die geforderten Auflagen der Stadt, insbesondere bezüglich des Terrorschutzes, zu erfüllen. Insgesamt rechnet der Verein laut Antrag mit Kosten in Höhe von rund 86.370 Euro für das Fest. Die ungezählten ehrenamtlichen Stunden der Vereinsmitglieder sind in der Berechnung jedoch nicht enthalten. Einen großen Teil kann der Verein aus Eigenmitteln decken. Beantragt wurde eine Förderung in Höhe von 46.200 Euro, damit knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Koenitz schilderte, dass etliche im Verein vorgeschlagen hätten, kein Fest mehr zu veranstalten, aber der Wille, es doch durchzuziehen, am Ende größer gewesen sei. „Warum machen wir das?“, fragte Koenitz und gab gleich die Antwort: „Kinderlachen und Gräben zuschütten.“ Das Vergnügen der Kinder auf der einen Seite und zu sehen, wie Nachbarn wieder miteinander ins Gespräch kommen, auf der anderen Seite – das sei Antrieb für das ganze Team. Koenitz: „Wir sind kein Rummel, sondern die gallische Insel im Meer der untergehenden Stadtteilfeste.“

Heidi Geiler (Grüne) bestätigte, dass das Fest ein wichtiger Teil von Pieschen sei, und sagte: „Wir wissen das zu schätzen.“ Damit sprach sie wahrscheinlich für alle Räte, denn diese stimmten geschlossen für die Förderung.

Singen und Musizieren mit der Pieschener Stadtkapelle

Der ehemalige Stadtbezirksbeirat Joachim Adolphi stellte das Projekt vor. Die Pieschener Stadtkapelle lädt seit 2022 wöchentlich zu einer offenen, kostenfreien Konzertprobe ein. Teilnehmen kann jeder – mit oder ohne eigenes Instrument. Leihinstrumente wie Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug oder Blockflöte stehen zur Verfügung. Das Angebot richtet sich besonders an Menschen ohne Zugang zu Musikunterricht. Ziel ist es, gemeinsam Musik zu machen, Fähigkeiten zu entdecken und Gemeinschaft zu erleben. Musikalisches Gelingen stärkt Selbstvertrauen und Lebensfreude – und wirkt oft über den Proberaum hinaus. Die Räte stimmten geschlossen für eine Förderung in Höhe von 1.925 Euro.

Öffentlichkeitsarbeit

Ebenfalls auf der Tagesordnung stand die Förderung der Öffentlichkeitsarbeit des Stadtbezirksamtes Pieschen für das Jahr 2026. Wie in den Vorjahren hat sich das Stadtbezirksamt entschlossen, Pieschen-Aktuell damit zu beauftragen, aus dem Gremium zu berichten und die jeweiligen Sitzungen anzukündigen. Die Räte stimmten mit deutlicher Mehrheit für die Förderung des Projektes in Höhe von 7.500 Euro.

Weitere Punkte

Abschließend informierte der Stadtbezirksamtsleiter über aktuelle Themen, unter anderem über die Verschiebung der Arbeiten am S-Bahnhof. Die Stadtbezirksbeiräte wählten geschlossen Tino Jasef (Freie Wähler) als Vertreter, der künftig bei Sitzungen im Bauausschuss zum Thema „Umzug des Zollhofs“ dabei sein soll, um anschließend im Rat zu informieren.

Björn Lehninger (Team Zastrow) brachte zwei Anfragen bezüglich der Sporthalle am Pestalozziplatz ein. Zum einen geht es um die Auslagerung des Schulsports der 30. Grundschule im Hechtviertel in die Halle. Dadurch kommt es zu Einschränkungen im Freizeitsport. Außerdem wird um generelle Aufklärung über den Sachstand und das weitere Vorgehen im Nutzungsvertrag gebeten. Die Anfragen richten sich an die Stadtverwaltung und wurden einstimmig von den Stadtbezirksbeiräten unterstützt.

Uwe Sochor (SPD) brachte die Anregung ein, dass der Alttrachauer Platz einen Namen bekommen könnte. Im Raum steht der Name Theodor Rosenhauer, der Landschafts- und Bildnismaler war und einen wichtigen Teil seines Lebens in Alttrachau wirkte. Der Hufewiesen-Verein organisiert derzeit ein Projekt, um das Wirken und Leben des Malers bekannter zu machen (rosenhauer-alttrachau.de).

Um 21 Uhr war Schluss. Die nächste Sitzung findet am 10. März ab 18 Uhr statt. Stadtbezirksamtsleiter Thomas Grundmann wies noch darauf hin, dass es zwischendurch wieder eine Ausstellungseröffnung geben werde, am 3. März diesmal mit Werken aus der Kreativen Werkstatt des Galvanohofs.

Um 21 Uhr war die zweite Sitzung des Jahres beendet. Foto: J. Frintert
Um 21 Uhr war die zweite Sitzung des Jahres beendet. Foto: J. Frintert

Stadtbezirksbeirat Pieschen

Berichte aus dem Stadtbezirksbeirat Pieschen – eine Leistung der Redaktion von Pieschen Aktuell im Auftrag des Stadtbezirksamtes Pieschen der Landeshauptstadt Dresden.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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