Der Dresdner Stadtrat hat am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, mit knapper Mehrheit beschlossen, die Planungen für einen Gedenkort am Alten Leipziger Bahnhof fortzusetzen. Mit 36 zu 35 Stimmen fiel die Entscheidung denkbar knapp aus. 
Das Areal, das am Rand der Leipziger Vorstadt liegt und auch für viele Menschen in Pieschen gut erreichbar ist, hat eine besondere historische Bedeutung: Von hier aus wurden während der NS-Zeit Jüdinnen und Juden aus Dresden deportiert. Bereits 2021 hatte der Stadtrat sich einstimmig dafür ausgesprochen, dort einen Lern- und Erinnerungsort zu schaffen.
100.000 Euro für Weiterentwicklung – Projekt nimmt wieder Fahrt auf
Hinter dem aktuellen Beschluss steht ein gemeinsamer Antrag von Grünen, SPD und FDP/FB. Die Stadt stellt zunächst 75.000 Euro zur Verfügung, um das bestehende Konzept weiterzuentwickeln – unter anderem für Bildungsarbeit und Forschung. Weitere 25.000 Euro sollen folgen, wenn bis Ende September ein detaillierter Plan vorliegt. Dieser soll unter anderem Kooperationen mit anderen Gedenkstätten in Dresden sowie einen Fahrplan für einen Pilotbetrieb beinhalten.
Stimmen aus dem Stadtrat: Warnung vor Relativierung
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) sprach von einem „wichtigen Schritt“, zeigte sich aber auch besorgt über die knappe Mehrheit. Ulla Wacker, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, betonte, dass die Arbeit nach einer einjährigen Pause endlich weitergehen könne – unabhängig davon, wem das Gelände aktuell gehört. Derzeit ist es im Besitz des Unternehmens Globus, das dort eigentlich einen Supermarkt plante. Gespräche über eine Rückübertragung an die Stadt laufen.
Wacker kritisierte die ablehnende Haltung von CDU, AfD und Team Zastrow, die gegen den Antrag stimmten. Sie sieht darin ein besorgniserregendes Zeichen – auch angesichts der wachsenden Einflussnahme rechter Gruppen. Vertreter der Parteien hatten argumentiert, dass eine Förderung erst sinnvoll sei, wenn das Grundstück der Stadt gehöre. 
Erinnerung für kommende Generationen
Der Gedenkort soll nicht nur an die Verbrechen der NS-Zeit erinnern, sondern perspektivisch auch Raum für Bildung, Austausch und Forschung bieten. Noch lebende Zeitzeugen könnten ihr Wissen nur noch begrenzt weitergeben – umso wichtiger sei es, ihre Berichte in einem festen Ort des Erinnerns festzuhalten.
Stadtratssitzung im Livestream
Wer die Debatte im Stadtrat nachverfolgen möchte, findet die Sitzung mit den relevanten Tagesordnungspunkten 4 und 5 unter: dresden.de/livestream.





