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Neue Gedenkorte in Dresden-Nord erinnern an NS-Verbrechen

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar sind die Gedenkorte Hellerau und Hellerberg im Rahmen des Projektes „MNEMO Gedenkareal Dresdner Norden“ zur Aufarbeitung der NS-Diktatur fertiggestellt worden.

Auf einer Brachfläche neben der Radeburger Straße steht ein blauer Splitter - er soll an das hier befindliche Judenlager Hellerberge erinnern. Foto: J. Frintert
Auf einer Brachfläche neben der Radeburger Straße steht ein blauer Splitter – er soll an das hier befindliche Judenlager Hellerberge erinnern. Foto: J. Frintert

Die Splitterskulpturen des Künstlers Jochem Hendricks machen im Dresdner Norden die Opfer- und Täterorte der Zwangsarbeit und Gewaltherrschaft während der Zeit des Nationalsozialismus sichtbar und vermitteln ihre Geschichte. Die Splitter tragen Informationstexte und sind digital miteinander verknüpft. Die inhaltliche Ausarbeitung nahm der Beirat für Erinnerungskulturen der Landeshauptstadt Dresden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz vor.

„Fast 100 Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kommt die Landeshauptstadt Dresden ihrer Verantwortung nach, an die Opfer von Zwangsarbeit und Gewaltherrschaft im nördlichen Stadtraum sichtbar zu erinnern“, sagt Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke). Sie dankt den zahlreichen Initiativen der Regionalgeschichte in Dresden sowie den Forscherinnen und Forschern, die sich seit vielen Jahren für die Aufarbeitung engagieren. Mit dem Alten Leipziger Bahnhof bestehe darüber hinaus in den nächsten Jahren die Herausforderung, einen Gedenkort mit Bildungs- und Vermittlungs- und Begegnungsstätte zu schaffen.

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) ergänzt: „Es ist gut, dass mit den Splittern an immer mehr Stellen in unserer Stadt deutlich gemacht wird, dass Dresden kein unschuldiges Opfer der NS-Diktatur und des Krieges war.“ Gerade aufgrund des jährlich stattfindenden Missbrauchs der Erinnerung an die Zerstörung Dresdens rund um den 13. Februar und den damit einhergehenden Verfälschungen der Geschichte durch die extreme Rechte, sei es wichtig, die Opfer- und Täterorte sichtbar zu machen und ins Bewusstsein der Bevölkerung zu holen. Nach dem ersten, wichtigen Splitter auf dem Heidefriedhof sind nun die nächsten Splitter öffentlich sichtbar.

Der Splitter ist auch von der Straße aus zu sehen. Foto: J. Frintert
Der Splitter ist auch von der Straße aus zu sehen. Foto: J. Frintert

Gedenkort Hellerberge und St.-Pauli-Friedhof

Während des Zweiten Weltkriegs befanden sich nördlich des St.-Pauli-Friedhofs, zwischen Radeburger Straße, Stauffenbergallee und Hammerweg, das „Judenlager Hellerberg“ und anschließend das „Entbindungslager Kiesgrube“. Ein großer Splitter markiert die Stelle des ehemaligen Lagers, in dem ab November 1942 die letzten etwa 300 als Juden verfolgten Menschen aus dem Dresdner Raum zwangsinterniert worden waren. Ein weiterer Splitter an der Mauer des St.-Pauli-Friedhofs verweist auf die Grabanlage von mindestens 225 Kindern von Zwangsarbeiterinnen, die im Lager einen qualvollen Tod fanden. Weitere Informationen auf dresden.de und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.

Hintergrund

Das Projekt MNEMO Gedenkareal Dresdner Norden geht auf einen Ideenwettbewerb des Jahres 2022 zurück. Der „Gedenkort Hellerberg und St.-Pauli-Friedhof“ wurde gefördert durch eine Zuwendung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR (PMO-Vermögen), 6. Tranche und Mitteln aus dem Stadtbezirk Pieschen. Die Splitterskulpturen des Künstlers Jochem Hendricks markieren Orte von Zwangsarbeit und Gewaltherrschaft im Dresdner Norden. Sie tragen Informationstexte und sind digital miteinander verbunden. Die inhaltliche Ausarbeitung erfolgte durch den Beirat für Erinnerungskulturen der Landeshauptstadt Dresden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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