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Nina Chuba • 03.07.26 • Rudolf-Harbig-Stadion


„Üben kann ich überall“ – die „Zirkuspause“ hält Bälle in der Luft

Langeweile gibt’s im Leben von Michael Schönfelder schon lange nicht mehr. Im Winter steht üben, üben, üben auf dem Programm. Oder er plant die „Zirkuspause“-Mitmachveranstaltungen in der warmen Jahreszeit. Bei vielen Events wird Schönfelder dabei sein: als Zirkustrainer, Lebenskünstler, als Freigeist – und als Pädagoge.

Michael Schönfelder beim zweiten Zirkustheater-Festival »Vom Fallen und Fangen«, fotografiert am 04. Juni 2023 in Dresden. Foto: André Wirsig
Michael Schönfelder beim zweiten Zirkustheater-Festival »Vom Fallen und Fangen«, fotografiert am 04. Juni 2023 in Dresden. Foto: André Wirsig

Es ist ein kalter Januartag. In Schönfelders Probenraum auf der Bürgerstraße gibt’s Kaffee. Der Künstler erzählt, wie er zum Zirkus gekommen ist. Parallel nippt er am Kaffee mit Hafermilch. Das Licht im Übungsraum ist warm, die Heizung läuft. Draußen ist es unter Null, drinnen herrscht eine Atmosphäre voller Ideenreichtum und Interesse an künstlerischer Weiterentwicklung. Vorübergehend geparkt, ruht das Equipment der „Zirkuspause“ auf einem Sofa im Probenraum. Bälle, klein und größer, Keulen, Flowersticks und einige andere werden bald wieder durch die Lüfte fliegen.

Künstlerische Räume für Bewegung und Begegnung

Der gelernte Heilerziehungspfleger hat lange Zeit im sozialen Bereich gearbeitet, als Erzieher in Schulen und im betreuten Wohnen. Irgendwann, „mein Sohn war damals noch jünger“, erzählt er, wollte sich Schönfelder kreativ weiterentwickeln. „Damals wohnten wir auf einem großen Gemeinschaftshof, auf dem viele Zirkusmenschen herumturnten“, erzählt Schönfelder. So entdeckte er die Zirkuskunst für sich, übte mit zwei, später mit drei Bällen.

„Nach drei Wochen hatte ich ’ne flüssige Dreiballkaskade parat“, so der Zirkustrainer, und meint damit ein Muster beim Jonglieren, bei dem die Hände abwechselnd drei Bälle bewegen. Durch Weiterbildungen und pädagogisches Know-how vermittelt er mit der „Zirkuspause“ einzelne Bewegungsdisziplinen altersgerecht in Kindergärten, Seniorenheimen und Unternehmen. Das ist dann der „Zirkuspause-Mitmachzirkus“. Schönfelder: „Da kann man einfach mal machen, den eigenen künstlerischen Ausdruck entfalten und dabei die richtige Jongliertechnik erlernen, die ist nämlich ganz wichtig.“

In Kitas, Volkshochschulen, Sporttreffs und bei Events

Aus Schönfelders Start in die Welt der Jonglage und Bewegungskunst sind zehn Jahre vergangen, längst ist dies kein reines Hobby mehr. „Als Selbstständiger verschwimmen die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf“, erklärt der Inhaber. Aber jonglieren ist „etwas für Menschen, die nicht aufgeben“, meint er. Und Schönfelder ist, im Wortsinne, am Ball geblieben. Seit 2018 ist er selbstständig, vor allem in der warmen Jahreszeit deutschlandweit auf Events und alternativen Festivals unterwegs. Auch an der Dresdner Volkshochschule ist er aktiv. Einst stand eine Teilnahme an einem reisenden Zirkus zur Debatte. „Aber da ist man in den Sommermonaten komplett weg – da geht mir doch das Privatleben – die Zeit mit meinem Sohn – flöten“, betont er.

„Jonglieren pflegt das Oberstübchen“

Mittlerweile geht es für den Zirkuspädagogen nicht mehr ohne das Jonglieren. „Es ist wissenschaftlich bewiesen“, erklärt Schönfelder, „dass, wer regelmäßig jongliert, eine höhere Lebenserwartung und ein niedrigeres Demenzrisiko hat.“ Denn stets jongliert der gesamte Körper mit. Vor allem die flinken Hand- und Augenbewegungen stimulieren rechte und linke Gehirnhälfte gleichzeitig – das aktiviert Hirnareale, die für Reizverarbeitung, Gedächtnis und Motorik zuständig sind.

Diabolo, Flowersticks, Poi, Jonglierteller und Keulen. Es fehlen (noch) die Jonglierbälle. Foto: Michael Schönfelder
Diabolo, Flowersticks, Poi, Jonglierteller und Keulen. Es fehlen (noch) die Jonglierbälle. Foto: Michael Schönfelder

Möglichkeiten ausschöpfen im Mitmachzirkus der „Zirkuspause“

Die eröffneten Probenräume sollen Orte voller Möglichkeiten, voller Einfach-mal-machen, voller Begegnung untereinander sein. „Eigentlich ist alles möglich beim Mitmachzirkus“, so Schönfelder. Mottos wie „Unterwasser“ oder „Weltraum“ inspirieren dann das Proben der Kids und die später anstehende Aufführung. Anders als beim Theater gibt’s bei den Projekten der „Zirkuspause“ kein Rollenspiel, sondern eine Aufforderung, mutig man selbst zu sein. Schönfelder: „Der Artist stellt im Zirkus keine Kunstfigur dar, sondern sich selbst.“

Die Zirkuspause

  • Zirkustrainer Michael Schönfelder
  • Bürgerstraße 2, 01127 Dresden
  • diezirkuspause.de und instagram.com/zirkuspause
  • Kleine Auswahl anstehender Termine
  • 19./20. Februar – Jonglieren für Kids, 11. April – Jonglieren für Erwachsene in der VHS Dresden
  • 1. Mai – Maifest im Alaunpark, 5. bis 7. Juni – Stadtteilfest „Sankt Pieschen“

Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen

Jeden Dienstag in Pieschen-Aktuell: Ein Porträt eines kleinen Unternehmens aus dem Stadtbezirk. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt im Stadtviertel, von Übigau bis Trachau, von Kaditz bis nach Trachenberg. Wenn Sie auch einen kleinen Laden oder ein kleines Unternehmen in Ihrer Nachbarschaft kennen, das wir gerne mal vorstellen sollen, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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