Die Ladeninhaberin Svitlana Aglaster fertigt die Teigwaren, Desserts und Fleischgerichte selbst.

Mam’s Küche – ukrainischer Gaumenschmaus statt gefrostetem Zungenbrecher

Pelmeni, Varenyky, Chebureki, Adjika. Was sich anhört wie kulinarische Zungenbrecher sind in Wahrheit ukrainische Teigwarenspezialitäten in „Mam’s Küche“. Seit September letzten Jahres ist die Ladeninhaberin Svitlana Aglaster mit den ukrainischen Köstlichkeiten auf der Großenhainer Straße 66 zu finden. Aglaster verkauft die Produkte im gefrorenen Zustand. „Wenn es mal schnell gehen soll, gibt es dann gutes Essen von mir, ohne Zusätze“, meint die Geschäftsführerin.

Die fertigen Pelmeni werden verpackt. Foto: S. Reichel

Die fertigen Pelmeni werden für den Verkauf verpackt. Foto: S. Reichel

Handgefertigte Pelmeni von Svitlana Aglaster - Foto: S. Reichel

Handgefertigte Pelmeni von Svitlana Aglaster – Foto: S. Reichel

Nach der Arbeit abends noch am Herd

Aglaster ist vor zwanzig Jahren der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Aus der Ukraine bringt sie drei Hochschulabschlüsse mit – in Lebensmitteltechnologie, BWL und Industriellem Management. Aglaster ist berufstätige Mutter von vier Kindern. „Ständig wünschten sich die Kinder frische Pelmeni von mir. Um ihnen den Gefallen zu tun, habe ich abends dann immer zwei Stunden in der Küche verbracht, um frisches Essen zuzubereiten“, erzählt sie. In der ukrainischen Esskultur äße man oft drei mal am Tag warm, wodurch die Zeit am Herd von Grund auf bereits recht hoch sei. Diesen Aufwand möchte sie für sich und andere minimieren.

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Mit Kirschen gefüllte Teigtaschen zum Dessert.

Mit Kirschen gefüllte Teigtaschen zum Dessert.

Nachhaltig kochen und dabei Zeit sparen

Aus ihrem Problem des zeitraubenden Abendessenkocherei entwickelt Aglaster eine Geschäftsidee. Ihr Ziel ist gutes, ausgewogenes Essen, welches innerhalb von zehn Minuten warm auf dem Esstisch steht. Sie betont: „Heutzutage ist ein großer Teil unserer Umwelt schadstoffbelastet. Was wir noch verändern können, sind unsere Lebensmittel“.

Borschtsch-Suppe und Karpatenwurst. Fotos: Mam’s Küche

Borschtsch-Suppe und Karpatenwurst. Fotos: Mam’s Küche

Großer Andrang im neu eröffneten Laden

Im September 2024 eröffnet sie dann „Mam’s Küche“ – und ist seitdem oft leergekauft. Die Geschäftsführerin bietet derzeit etwa vierzig verschiedene Tiefkühlprodukte an. Es gibt Kohlrouladen mit Pilzen, Teigtaschen mit Kirschen, Fischkoteletts, gefüllte Paprika. Gern erklärt Aglaster der interessierten und bunt gemischten Kundschaft den Unterschied zwischen Pelmeni und Varenyky: „Pelmeni sind mit Fleisch gefüllt und müssen noch gekocht werden. Varenyky sind meistens vegetarisch“. Neben den ständigen „Ladenrennern“ bietet die Ukrainierin auch Abwechslung in die Gewürz- und Zutatenmischungen. „Frische, gesunde Zutaten wie Bärlauch oder andere Kräuter nutze ich im Frühling sehr gern“, meint sie.

Den Teig färbt Aglaster mit natürlichen Lebensmitteln: Spinat, Rote Beete, Kurkuma.

Den Teig färbt Aglaster mit natürlichen Lebensmitteln: Spinat, Rote Beete, Kurkuma.

Nüchernheit und Handarbeit

Mit nüchterner Funktionalität hat Aglaster das Geschäft eingerichtet. Gefriertruhen auf der einen Seite des Ladens, ein Tisch mit zwei Stühlen auf der anderen. In der Mitte der Verkaufstresen. Die Wände sind minimalistisch weiß gehalten, geschmückt von nur ein oder zwei Produktfotos schmücken sie, darauf dampfende, gefüllte Chebureky. Durch ein großes Fenster sieht man in den hinteren, größeren Prduktionsraum. Dort sind mehrere Packungen Mehl auf den blanken Aluminiumküchenzeilen aufgereiht. „Mein Rohmaterial kaufe ich morgens ein“, erklärt Aglaster. „Nachmittags liegen dann die fertigen Produkte im Frost“. Die Inhaberin legt großen Wert auf zuverlässiges Handwerk und wird dabei unterstützt von einer Angestellten, die in Teilzeit arbeitet.

Handarbeit in Mam's Küche.

Handarbeit in Mam’s Küche, hier Pelmeni im Rohzustand.

Sogar im Laden probieren möglich

Unter der Woche ist die Geschäftsführerin mit einkaufen, kneten, befüllen beschäftigt. Darüber hinaus liefert Aglaster die gekühlte Fracht an begeisterte Kundschaft und steht als Verkäuferin im vorderen Ladenbereich bereit. Manchmal bietet sie sogar frisch zubereitete Gerichte aus ihren Produkten an, die dann am Ladentisch verzehrt werden können. Sie erzählt: „Ich habe trotzdem heute mehr Zeit als früher. Damals habe ich im Lebensmittelbereich verschiedene Abteilungen geleitet. Jetzt konzentriere ich mich auf mein Geschäft“.

Von außen eher unscheinbar, aber der Produkte halber gut besucht ist "Mam's Küche".

Von außen eher unscheinbar, aber der Produkte halber gut besucht ist „Mam’s Küche“.

Mam’s Küche

  • Inhaberin: Svitlana Aglaster
  • Großenhainer Straße 66, 01127 Dresden
  • Telefon: 01523 4676821
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 11.30 Uhr bis 18 Uhr (Abweichungen vorbehalten!)
  • nur Barzahlung möglich
  • instagram.com/mams_kueche

Serie: Kleine Unternehmen im Stadtbezirk Pieschen

Jeden Dienstag in Pieschen-Aktuell: Ein Portrait eines kleinen Unternehmens aus dem Stadtbezirk. Wir zeigen die unglaubliche Vielfalt im Stadtviertel, von Übigau bis Trachenberge. Wenn Sie auch einen kleinen Laden in Ihrer Nachbarschaft kennen, den wir gerne mal vorstellen sollen, schreiben Sie uns an redaktion@pieschen-aktuell.de

3 Kommentare zu “Mam’s Küche – ukrainischer Gaumenschmaus statt gefrostetem Zungenbrecher

  1. Hanisch sagt:

    Schon interessant, was jetzt alles so ukrainisch ist. Es gab zwar schon vor 40 – 50 Jahren in den gastronomischen Einrichtungen der DDR, auch in Pieschen, die ukrainische Soljanka, die später nur noch Soljanka genannt wurde, aber Pelmeni waren und sind russisch.
    Beides, die ukrainische Soljanka und die russischen Pelmeni, konnten DDR-Bürger bei Reisebüroreisen in die damalige Sowjetunion vor Ort genießen.
    Vielleicht sind die Pelmeni von Svitlana Aglaster genauso köstlich. Wird probiert.

  2. Uwe S. sagt:

    Wirklich sehr zu empfehlen und für etwa das gleiche Geld viel viel besser als die Schulspeisung im Gebäude gegenüber ;-)

  3. Jan Frintert sagt:

    Hallo Hanisch, nach meiner Kenntnis gelten Pelmeni als typisch russisch, Varenyky als typisch ukrainisch, Chebureki sollen wohl von der Krim bzw. den Krimtataren stammen, Adjika aus dem Kaukasus.

    Ich persönlich erinnere mich noch gut an einen Besuch im der DSF, heute ADA, als Schüler in den 80ern. Die Pelmeni-Bestellung hatte ich fleißig auswenig gelernt. Mein Hintermann sagte dann einfach: „Я тоже.“

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