„Es tönen die Lieder…“ Mit einem Lied auf den Lippen begannen am Donnerstag die beiden Clowns Frau Stange und Madame Klimbim ihren Besuch bei Seniorinnen und Senioren im Altenpflegeheim Pieschen. Schon auf der Treppe wurden sie freudig begrüßt. Ein paar Schritte weiter sticheln zwei Frauen: „Für dieses Kasperzeug interessieren wir uns nicht.“ Frau Stange und Madame Klimbim lassen sich davon nicht erschüttern. Im Zimmer von Brigitte Nüssler werden sie freudig aufgenommen. Die 96-jährige lächelt den beiden Künstlerinnen von ihrem Bett aus zu, als diese den Schlagertext von „Marina, Marina…“ blitzschnell auf Brigitte umdichten. Die Dresdnerin hat die Melodie erkannt und singt fröhlich mit.
Seit fünf Jahren besuchen speziell ausgebildete Künstlerinnen des Vereins Rote Nasen Deutschland als Clowns pflegebedürftige ältere Menschen im DRK Seniorenzentrum Pieschen in der Robert-Matzke-Straße. Im Rahmen der Präventionsleistungen wird der deutschlandweit tätige Verein vom BKK Verbund Plus unterstützt, erzählt Reinhard Horstkotte. Er betreut seit 20 Jahren als künstlerischer Leiter die mehr als 70 Künstlerinnen und Künstler in dem Verein, der seinen Sitz in Berlin hat, und organisiert deren fachliche Qualifikation für die Arbeit mit Kindern, älteren Menschen oder Geflüchteten. Bei ihren Besuchen gehen die Clowns, die meist zu zweit unterwegs sind, von Zimmer zu Zimmer oder in die Aufenthaltsbereiche der Bewohner. Im Mittelpunkt steht nicht die Vorstellung vor versammeltem Publikum, sondern der Kontakt mit den einzelnen Menschen. Das erfordere jedes Mal viel Einfühlungsvermögen, betonte Horstkotte.
Im Zimmer von Hans-Georg Scholz lernen Frau Stange und Madame Klimbim etwas über den deutschen Regisseur Wolfgang Staudte. Scholz, der seit knapp zwei Jahren in dem Seniorenheim wohnt, hält einen alten, abgegriffenen Prospekt über den Künstler in der Hand. Gemeinsam mit den beiden Clowns wünscht er sich Frieden. „Am besten ab vorgestern“, sagt der 87-Jährige.
Im Aufenthaltsbereich eine Etage höher hat das Pflegepersonal mehrere Seniorinnen und Senioren mit ihren Rollstühlen zu den großen Fenstern geschoben. Die Sonne wärmt und wer nicht gerade schläft, kann hören, was nebenan am Tisch gerade geschieht. Die Clowns haben sich zu drei Frauen gesellt, die sich ein Frühlingslied wünschen. Frau Stange gibt mit ihrer kleinen Gitarre den Ton vor und schon ertönt „Alle Vögel sind schon da“. Textsicher singen die Seniorinnen alle Strophen und wünschen sich eine Zugabe. „So ein Besuch ist schön“, freut sich Erika Rozum jedes Mal vor allem auf das gemeinsame Singen.

Erika Rozum (mit Teddy) freut sich über das gemeinsame Singen mit Frau Stange und Madame Klimbim. Foto: W. Schenk
Zwei bis drei Stunden nehmen sich die Clowns Zeit für ihren Besuch im Altenpflegeheim. Zwei Mal im Monat kommen sie in das Seniorenzentrum in der Robert-Matzke-Straße mit. Elisa Mendt (Frau Stange) und Yaëlle Dorison (Madame Klimbim) – so heißen die beiden, wenn sie keine roten Nasen tragen, haben viel Freude an ihrer Arbeit. Elisa Mendt ist approbierte Psychologische Psychotherapeutin und unter anderem als Trainerin bei den Mediclowns engagiert. Yaëlle Dorison, gebürtige Französin, hat erst in Frankreich Kunst studiert und später in Dresden Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule. Jetzt wohnt sie in Pieschen. Seit mehr als zwanzig Jahren ist sie künstlerisch und pädagogisch unterwegs. Im Mai, so verrät sie im Gespräch, plant sie im Familienzentrum „Emmers“ einen Clownsworkshop speziell für Frauen.
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