Ein Suchen, ein Erforschen und die Begegnung mit dem Zwischenraum – Maria Katharina Franz

In Bewegung sein, in Bewegung bleiben, selbst die Ruhe als Bewegung verstehen: Das ist Maria Katharina Franz Motivation und ihre Voraussetzung für eine stete Neugier aufs Neue. Dabei zieht sie Grenzen, macht Unterscheidungen und bewegt sich zwischen den Dingen, um ihnen ganz offen zu begegnen. Genau hier findet sie ihn dann, den Zwischenraum, der auch Titelgeber ihrer aktuellen Ausstellung ist. Zur Eröffnung erhält jede und jeder, der den Ausstellungsraum betritt, ein aus Transparentpapier gefaltetes Programmheft.

Nach einer kurzen Begrüßung erzählt sie erst keck und mit einem Augenzwinkern von Erlebnissen aus ihrem Leben, die sie in einzigartiger Poetry-Slam-Manier vorträgt, bevor sie uns dann, die Besucherinnen und Besucher, auffordert, mit ihr gemeinsam, uns in einem Oval aufzustellen. Sie zückt einen Teleskopstab und erklärt, worauf sich nun alle einlassen sollen. Jede und jeder soll einen Ton hervorbringen, wozu ein einfaches „Hmmm“ genügt. Nun erklärt sich der vorletzte Programmpunkt des Programmheftes, welcher mit Hmmm angegeben ist.

Sie macht es einmal vor, gibt aber auch die Freiheit einen der fünf Vokale statt des Hmmms erklingen zu lassen. Dann stimmen alle im Oval, auf Kommando der Künstlerin, an, worauf der Raum mit harmonischen Tönen gefüllt wird, da sich alle „Gesangsteilnehmer“, in wenigen Millisekunden, aufeinander einstimmen. Drei Mal wird der Raum zum Resonanzkörper. Die Ausstellung wird erweitert, findet nun, vom Teilnehmerkörper aus betrachtet, außen und innen statt.

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Das, was da außen, in der Ausstellung, ist, sind allerdings keine fertigen Werke, sondern lediglich Werkzustände, wie Maria Katharina Franz betont. Auch wenn diese Arbeiten in einem Ausstellungsraum präsentiert werden ist dies eigentlich nur Mittel zum Zweck, um den Raum und das Dazwischen-Sein zu erkunden. So wird hier der Ausstellungsraum zum künstlerischen Forschungsraum, beziehungsweise zum Raum des künstlerischen Studiums. Man ist aufgefordert sich zu bewegen, den Bewegungen nachzuspüren, sie nachzuvollziehen.

Denn erst in diesem Nachvollziehen öffnet sich der Zwischenraum, den uns Maria Katharina Franz erfahrbar machen will. Es geht um die Erkundung des Raums, zwischen den Betrachtenden und den Kunstwerken. Dem Raum zwischen den Körpern. So wird der Körper jedes einzelnen Besuchers, jeder einzelnen Besucherin aufgefordert, in Bewegung zu kommen, Körper und Raum weiter zu denken, als nur in den physikalischen Umständen zu verweilen, die da gegeben sind.

Dies ist überhaupt das große Thema von Maria Katharina Franz: Der Körper im Raum, der Körper als Raum. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ihre Arbeiten vom Körper – im wahrsten Sinne des Wortes – geprägt sind. Da sind dann Finger- und Fußabdrücke auf dem Papier zu sehen; der Körper zeigt sich schemenhaft in der Schwarzweiß-Fotografie mit Form und Fläche; zeichnerisch wird der Körper, durch unzählige Striche, erkundet, seine Grenzen aufs Papier übersetzt; der Körper wird abstrahiert und bewegt sich Frame für Frame durch den Bildraum.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. März zu sehen. Foto: M. K. Franz

In der wohl größten Arbeit des Raumes, die unweigerlich ins Auge springt, mit dem Titel „Bewegungsstudie“, die einmal ein großes Ganzes war und nun aus sechs Teilen besteht, lassen sich Körperumrisse ausmachen. Hier hat ein Körper sich in Bewegung gesetzt und Grenzen gezogen, um seine Anwesenheit deutlich zu machen. Spuren menschlicher Existenz ließen sich auf dem Papier nieder, sind dem Papier aufgedrückt und am Papier abgerieben worden. Und so geht man auf Spurensuche, folgt den Linien und Abdrücken und lässt die längst vergangenen Bewegungen, die auf dem Papier erstarrt sind, wieder bewegt sein. Ein Bewegt-Sein, welches den Zwischenraum einnimmt und die Betrachtenden in seinen Bann ziehen will. Ein Bann aus Nähe und Distanz, welcher sich durch den gesamten Raum zieht.

Ebenso in der Fotoserie „Lust-Unlust – eine getanzte fotografische Überlegung…“. Hierbei handelt es sich um eine Intervallaufnahme. Auf Grund der Kameraeinstellung, dem weißen Body, den die Künstlerin hier trägt und den geometrischen Formen, die sie benutzt, vermischen sich Körperbewegung und Raum. Dadurch wird der Körper selbst zum Raum. Die Fotografien sind dabei so angebracht, dass sie das Tänzerische aufgreifen, indem sie einen Takt angeben und diesen wieder brechen. Die Abstände der einzelnen Fotografien zueinander beziehen sich dabei auf die Abstände der Frames einer Animationsrolle, die gleich daneben von oben herunterhängt.

Fortlaufend baut das Thema der Bewegung, in den einzelnen Arbeiten, aufeinander auf. Ausschnitte des Körpers, wie auch einzelne Körperteile werden dabei betont. Die Bewegung der Hand zum Beispiel, die in den „Bewegungsablaufstudien“, grafisch, in schwarz und weiß ineinander übergehen, sich positiv wie negativ verhalten. Hier erscheint die Bewegung wie in einem Vexierbild, das mal so und mal so gesehen werden kann. Dabei ist die Grenze des Zwischenraums so schmal, dass wir angehalten sind näher heran zu treten, also wieder in Bewegung kommen. Nur so erfahren wir, als Betrachtende, wie sich die Hand in ihrer Bewegung, Bild für Bild, verhält, was die Hand da eigentlich tut. Gehen wir weiter weg, verschwimmen die einzelnen Bilder zu einem Bild und kippen hin und her. Und was ist dann schließlich dazwischen? Die Bewegung.

Ihr großes Thema der Bewegung bearbeitet die Künstlerin in 3 Phasen, wobei die erste Phase die Recherchephase darstellt. Hier werden Skizzen unterschiedlichster Art angefertigt, Einrücke, Gedanken und Lyrik zu Papier gebracht, Material gesammelt et cetera. Die zweite Phase nennt Maria Katharina Franz selbst die Phase der Verdichtung, in welcher sie sich gerade befindet. Zu erwähnen ist hier besonders ihr Animationsfilm, der sich gerade in der Entstehung befindet. Dieser setzt sich überdeutlich mit Bewegung auseinander. Dabei wird den Grundladen für Bewegungen sowie ihren Zwischenräumen nachgespürt. Somit werden in dieser Arbeit Erkenntnisse verdichtet und diesen eine bestimmte Form gegeben. Auch die Ausstellung selbst ist eine Verdichtung, die von Werkzuständen als Körper im Raum erzählt, wo Abstand und Nähe einander aufgreifen und Rhythmus erzeugen, welcher Bewegung generieren soll.

Über die dritte Phase gibt Maria Katharina Franz nur einen vagen Ausblick. Dies soll dann die Präsentationsphase werden, in der sie Aufführungen, Veröffentlichungen und Präsentationen plant. Dann also soll aus den Werkzuständen endlich ein Werk werden, das einer ganz konkreten Form folgt. Doch dies ist bislang noch Zukunftsmusik.

Zunächst geht es erst einmal darum, all die Erkenntnisse zu verdichten, Grenzen, Räumen und Körpern nachzuspüren und sichtbar zu machen. Eins macht die Ausstellung deutlich: die intensive Suche der Künstlerin bewegt sich munter voran und erzählt voller Inbrunst vom Menschen und seinem Sich-durch-die-Welt-Bewegen.

Ein Gastbeitrag von Ivo Krys, für die Kreative Werkstatt Dresden

Service:

WAS: Maria Katharina Franz: Die Suche nach dem Zwischenraum
WANN: bis zum 3. März 2024, Di – Do 10:00-16:00, Fr 14:00-18:00, So 14:30-16:30
WO: Kreative Werkstatt Dresden, Galvanohof, Bürgerstr. 50

 

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Eine Meinung zu “Ein Suchen, ein Erforschen und die Begegnung mit dem Zwischenraum – Maria Katharina Franz

  1. Rene sagt:

    Ich verstehe nix

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