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Bau des neuen Industriesammlers Nord hat in Kaditz begonnen

200 Meter vor der Kläranlage in Kaditz hat gestern der Bau des neuen Industriesammlers Nord mit einem symbolischen Spatenstich begonnen. An dieser Stelle in der Scharfenberger Straße mündet der neue Kanal in den verhandenen, jüngst sanierten, Neustädter Abfangkanal. Mit dem Bau verbinden vor allem die Anwohner der Neuländer Straße die Hoffnung, dass die mehrfach geforderte Sanierung der maroden Piste endlich Wirklichkeit wird. Der Abschnitt dort ist einer von denen, die in offener Bauweise realisiert werden müssen.

Torsten Seiler, der als Gebietsleiter Investitionen für den Ausbau des Kanalnetzes zuständig ist, hatte im Dezember 2022 im Gespräch mit dem Onlinejournal Pieschen Aktuell das Projekt  ausführlich vorgestellt.

Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) sowie Gunda Röstel und Ralf Strothteicher, beide Geschäftsführer der Stadtentwässerung Dresden, waren gestern zum Start der bedeutenden Investition vor Ort. „Mit dem rund 70 Millionen Euro teuren Großprojekt sollen das rechtselbische Kanalnetz entlastet und die Möglichkeiten für die weitere industrielle Entwicklung geschaffen werden“, erklärte Strothteicher. Vor allem wegen großer Industrie-Ansiedlungen im Dresdner Norden seien die Abwassermengen in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. 2018 leitete die Industrie noch knapp sieben Millionen Kubikmeter Abwasser ein. „Im vergangenen Jahr waren es bereits 10,2 Millionen Kubikmeter, das entspricht einem Fünftel des Dresdner Abwassers, das wir in Kaditz behandeln“, so Strothteicher weiter.

Über eine Länge von 10 Kilometer führt der Hauptkanal vom Klärwerk bis zu Infineon. Quelle: SEDD

Allein die Werke von Globalfoundries, Infineon, Bosch und X-Fab leiten schon jetzt 93 Prozent der Dresdner Industrie-Abwässer ein. Zum Vergleich: Die Abwassermenge aus der Chipindustrie entspricht dem von 250.000 Einwohnern. Seit diesem Jahr baut Infineon mit seinen bisher rund 3.200 Beschäftigten noch seinen Dresdner Standort an der Königsbrücker Straße kräftig aus. An der Südostecke entsteht bis 2026 ein Neubau für rund 1.000 zusätzliche Jobs. Weil das vorhandene Kanalnetz mit diesen Industrie-Abwässern überfordert wäre, ist der neue Sammler notwendig.

Der neue Kanal soll im Gewerbegebiet von Infineon an der Königsbrücker Straße beginnen, dann über den Heller bis zum A 4-Anschluss Wilder Mann führen. In dem Bereich ist der Anschluss aus dem Gewerbegebieten Wilschdorf mit Gobalfoundries geplant. Der neue Industriesammler soll dann weiter entlang der Autobahn bis zum Klärwerk Kaditz verlaufen.

Erster Bauabschnitt bis zum Kaditzer Riegelplatz

Der erste, zwei Kilometer lange Abschnitt führt vom Klärwerk durch die Flutrinne bis zum Kaditzer Riegelplatz unweit des Autobahnanschlusses Dresden-Neustadt. Der Bau in diesem Bereich wird bis Anfang 2026 dauern. Die Arbeiten in den weiteren Abschnitten zwischen dem Riegelplatz und dem Infineon-Standort an der Königsbrücker Straße beginnen im Frühjahr 2024 und werden weitgehend parallel verlaufen.

Der Industriesammler wird jeweils zur Hälfte in offener und geschlossener Bauweise hergestellt. Im geschlossenen Verfahren werden die bis zu 1,6 Meter starken und zwei Meter langen Stahlbetonröhren mit Hydraulikpressen durch die Erde gedrückt. Die Bauabschnitte in dieser geschlossenen Bauweise sind zwischen 300 und 700 Meter lang.

Die technischen Daten:

  • Kosten insgesamt: 70 Mio. Euro
  • Bauzeit 2023 bis 2027
  • Gesamtlänge: 10,1 km, davon 5.150 m im Rohrvortrieb – DN 600 bis DN 1.600
  • 16 Sonderbauwerke und 36 Schächte
  • Tiefenlage bis max. 14,6 m unter Gelände

Nur in der Neuländer Straße, am anschließenden Diebweg hinter dem ehemaligen Standort des Druck- und Verlagshauses am Heller und im Bereich von Infineon an der Königsbrücker Straße, wo eine 80 Zentimeter starke Röhre geplant ist, muss der Untergrund beim Kanalbau aufgebaggert werden.

Umweltbürgermeisterin Jähnigen verwies gestern auf einen weiteren Effekt. „Ich freue mich über die positive Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Dresden. Der hohe Anteil von industriellem Abwasser an der Gesamtmenge hat den Vorteil, dass die Abwassergebühren für die Allgemeinheit stabil gehalten werden können“. Dieser Effekt komme direkt den Dresdnerinnen und Dresdnern zugute.

3 Meinungen zu “Bau des neuen Industriesammlers Nord hat in Kaditz begonnen

  1. goldi sagt:

    Interessantes Dresdner Wort, „Industriesammler“.
    Laut google scheint es dieses Gebilde nur hier zu geben.

  2. jensi sagt:

    da sollten sie das gereinigte Wasser als Brauchwasser gleich mit hochpumpen statt es in die Elbe laufen zu lassen……….

  3. Wort zum Sonntach sagt:

    Das Ding kann ja nur talwärts fließen (Gefälle), und wurscht ist auch wie man so ein Ding bezeichnet.
    Viel wichtiger ist, daß niemand sagt, woher die 70 Mill. Euro kommen, ein Tag nach dem Grinsefoto (Pressetermin) aber husch nachgestochen, daß die Gebühren für die Bürger stabil bleiben – dank des enormen Abwasseranfalls der Industrie.
    Also gab es offenbar doch paar Fragen zu Finanzen, allerdings vereinbarte man gehorsamst es nicht an die Glocke zu hängen. Sonst krönt sich ja jeder mit den Mitteln aus der Steuerkasse oder Fördermitteln von EU oder Bund. Die Stadtentwässerung als Teil des städtischen Konzerns Technische Werke sieht sich wie die Drewag (jetzt neuer Name) aber als „private unabhängige Firma“, da braucht man keine „Geschäftsvertraulika“ kund zu tun, meint man.
    Natürlich bezahlen es die Dresdnerinnen und Dresdner – ob als Kreditrückzahlung oder Eigeninvestition, denn mit dem Stadtkonzern zahlt es die „Stadt“ – also alle Einwohner.
    Die mit Milliardengewinnen gesegnete Chipindustire bekommt somit neben den riesigen Beihilfen aus Bund und Land auch noch eine kommunale Subventionierung. Nicht einmal für ihr Abwaaser mögen sie sorgen, deren Profitkasse lacht sich dumm und dämlich.
    Auch schön,. daß selbst die grüne Umweltbürgermeisterin die Grinsezähne hocherfreut über so viel Schmutzwasser fletscht.
    Immerhin zahlt die Industrie es vermutlich über die auch für sie geltenden 2€/m³ Gebühr zurück, dann dauert es bei genannten Eckwerten nur 4 Jahre, bis 70 Mill. Euro gezahlt wären. (70 Mill. / 2€ = 35 Mill. m³ AW / 8,7 Mill m³ pro Jahr (nur Chippi).
    Beim Trinkwasserbezug hingegen zahlt man in Deutschland nur den „Industrie-Cent“ von wenigen Cent pro 1000 Liter sauberes Frischwasser. Weiß das überhaupt jemand?
    Also zum Sparen von Ressourcen ist hierbei neimand angereizt, außerdem freuen alle sich ja über gigantische Abwaasermassen. Super auch, daß man die Elbe nun noch leerer pumpt – bei der Saloppe durch zig Uferfiltrat-Großbrunnen für genau diese paar Industrieriesen im Dresdner Norden, welche bald dann mehr vergeuden als die ganze Stadt an sich zusammen. Prost auf die Haushaltssperre, und unsere Wasserwerke leben Hoch Hoch Hoch !!!
    Der letzte Clou des „Stadtonzerns“ alias „Drewag-Netz“ war ja, daß das schöne Fördergebiet EFRE Pieschen (DD-Nordwest) für die Subventionierung des Drewag-Elbedükers sowie den Zwangsanlschluß mit Fernwärme vergeigt wurden und außer dem Grünzug Gehstraße alle sonstigen schönen Einzelmaßnahmen im Stadtteil nicht umgesetzt wurden, obwohl sie wunderbar in den beschlossenen Konzepten standen. Also ein Versagen auch der Verwaltung. Weiter so, ein Hoch auf Hilbert und Dr. Korndörfer, welche das damals im CDU-Innenministerum einfach mal so fixiert hatten. Danke und einen schönen Sonntag, Amen.

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