Stadtentwässerung baut neuen Sammler für Industrieabwasser – Zeitplan für Sanierung der Neuländer Straße steht

Auf Anwohner und Anlieger in der Neuländer Straße kommen ab Oktober 2023 umfangreiche Bauarbeiten zu. Die Stadtentwässerung Dresden wird hier Rohre für einen neuen Abwasser-Kanal, den Industriesammler Nord, verlegen. „Dieser, rund zehn Kilometer lange, Hauptkanal soll Voraussetzungen für die weitere industrielle Entwicklung im Dresdner Norden schaffen und das rechtselbische Kanalnetz entlasten“, erklärte Torsten Seiler, der als Gebietsleiter Investitionen für den Ausbau des Kanalnetzes zuständig ist, im Gespräch mit dem Onlinejournal Pieschen Aktuell. Anschließend würde die von den Anwohnern seit Jahren geforderte grundhafte Sanierung der Neuländer Straße folgen.

Über eine Länge von 10 Kilometer führt der Hauptkanal vom Klärwerk bis zum Infineon-Werk. Quelle: SEDD

Vor allem die Halbleiter-Industrie wachse. „Allein die Werke von Globalfoundries, Infineon, Bosch und X-Fab leiten schon jetzt mit ihren knapp 8,7 Millionen Kubikmetern 93 Prozent der Dresdner Industrie-Abwässer ein. Zum Vergleich: Aus der Feldschlößchen-Brauerei kommen knapp 400.000 Kubikmeter jährlich. Jetzt will Infineon noch seinen Dresdner Standort kräftig ausbauen. An der Südostecke des Werks an der Königsbrücker Straße mit rund 3.200 Beschäftigten sind Flächen freigehalten worden. Geplant ist, dort bis 2026 einen Neubau für rund 1.000 zusätzliche Jobs zu schaffen“, erläutert der Investitionschef die Hintergründe.

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Torsten Seiler ist Gebietsleiter Investitionen bei der Stadtentwässerung Dresden. Foto: SEDD

Deshalb plane die Stadtentwässerung, einen rund zehn Kilometer langen Hauptkanal vor allem für die Abwässer der Mikroelektronik-Betriebe zu bauen, den Industriesammler Nord. Mit rund 47 Millionen Euro will die Stadtentwässerung Dresden eine beträchtliche Summe in das Großprojekt investieren. „Wir brauchten darum zunächst Gewissheit über die geplanten Ansiedlungen, bevor wir das Projekt in Angriff genommen haben“, so Seiler. Dies sei letztlich auch der Grund, warum sich Sanierung der Neuländer Straße noch einmal verzögert habe.

Der erste, sieben Kilometer lange, Abschnitt des Hauptkanals wird vom Klärwerk entlang der A 4 bis zum Autobahnanschluss Wilder Mann entstehen. Hier werden sich offene Bauweise und unterirdischer Rohrvortrieb abwechseln, erklärte Seiler.

Industriesammler Nord: offene Bauweise und unterirdischer Rohrvortrieb

  • Abschnitt Klärwerk bis Flutrinne: offene Bauweise
  • Abschnitt Flutrinne – Grimmstraße – Riegelplatz: unterirdischer Rohrvortrieb
  • Abschnitt Riegelplatz bis Ecke Grimmstraße / Gleinaer Straße: offene Bauweise
  • Abschnitt Kreuzung Grimmstraße / Gleinaer Straße – parallel zur A4 – Sternweg – Kreuzung Sternweg / Neuländer Straße: unterirdischer Rohrvortrieb (hier wurde die Planung abweichend zur Karte angepasst)
  • Abschnitt Neuländer Straße bis Schedlichstraße: offene Bauweise
  • Abschnitt Moritzburger Landstraße: unterirdischer Rohrvortrieb unter der Moritzburger Landstraße
  • Abschnitt Diebweg bis Radeburger Straße: offene Bauweise
  • Abschnitt Radeburger Straße – Augustusweg bis zum Moritzburger Weg: unterirdischer Rohrvortrieb
  • Abschnitt Moritzburger Weg bis Infineon: offene Bauweise, Königsbrücker Landstraße wird durchörtert

Industriesammler Nord – Übersichtskarte (13 MB)

Im Juni 2023 sollen die Arbeiten für den Abschnitt Klärwerk bis zum Riegelplatz beginnen. „Hier werden die Bürger von der großen Baumaßnahme nicht viel mitbekommen“, meinte Seiler. In der Grimmstraße wird die erste tiefe Grube für den unterirdischen Rohrvortrieb ausgeschachtet. Sie ist etwa 7 Meter tief und rund, damit die hydraulische Presseinheit gedreht werden kann. Die Maschine soll die zwei Meter dicken Rohre sowohl in Richtung Flutrinne als auch in Richtung Riegelplatz vorantreiben – 400 Meter in die eine und 600 Meter in die andere Richtung. Nach der Unterquerung der Meißner Straße folge dann in der Grimmstraße ein weiterer Abschnitt in offener Bauweise, bevor es wieder – parallel zur Autobahn A4 – unter die Erde geht. Zu den Planungen des Hauptkanals gehört ein sehr detailliertes Baugrundgutachten. Dies sei vor allem für den unterirdischen Rohrvortrieb wichtig. Aber, so Seiler, auf Überraschungen müsse man dennoch jeder Zeit gefasst sein.

Mit einer hydraulischen Presse werden die Rohre in 5 Meter Tiefe durch das Erdreich gedrückt. Foto: SEDD

Ab Oktober 2023 geht es dann in der Neuländer Straße los. Stadtentwässerung, Sachsenenergie und Straßen- und Tiefbauamt bauen hier gemeinsam. Die 1,60 Meter dicken Abwasserrohre werden in einer Tiefe von fünf Metern verlegt. Hinzu kommen neue Wasserleitungen und weitere Medien. Der Untergrund der Straße wird völlig neu aufgebaut, inklusive der Straßenentwässerung. Dann folgen Straßenbelag und Fußwege. Während der Bauzeit müssen die Grundstücke der Anwohner und der Anlieger immer erreichbar sein. Etwa zweieinhalb Jahre später, Mitte 2026, sollen die Bauarbeiten beendet sein. Die Fertigstellung des neuen Industriesammlers Nord ist für das Jahresende 2026 geplant.

 

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