BUND Sachsen weiht Büchertauschschrank am Konkordienplatz ein

Am Konkordienplatz ist heute ein Büchertauschschrank eröffnet worden. Die ersten Bücher zum Tauschen stehen bereits in den Regalen des etwas zwei Meter hohen Schranks. „Ich denke, dass der Schrank eine gute Chance hat, langfristig zu einer Institution im Stadtteil zu werden“, ist Sarah Morwinski überzeugt. Sie arbeitet als Referentin im Büro des BUND Sachsen, das sich seit August 2019 in der Bürgerstraße befindet, und hat das Projekt begleitet. Die Anwohner in der Bürgerstraße profitieren bereits von einer anderen Initiative des Hauptstadtbüros des Umweltverbandes. Acht Fahrradbügel sind hier in einer gemeinsamen Aktion mit der Stadt finanziert und aufgestellt worden.

Rico Leuschke (vorn) hatte am Mittwoch tatkräftige Hilfe beim Aufbau des Tauschschranks. Foto: W. Schenk

Die Idee für den Tauschschrank stamme aus der Projektwerkstatt des Stadtteilfonds, erzählt Sarah Morwinski. Anfang September 2020 hatten etwa 30 Teilnehmer mit den Gastgebern vom Pro Pieschen e.V. und den Akteuren des Büros „Zukunftsstadt Dresden“ über die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert, das Leben in den Stadtteilen zu verbessern. Ziel war, Projekte zu finden, die mit Geldern aus dem Stadtteilfonds gefördert werden können. Der Büchertauschschrank gehörte dazu.

Acht Wochen später hatte Sarah Morwinski den Projektantrag fertig, die Partner für den Schrankbau gefunden und klare Vorstellungen darüber, wie der Tauschschrank betreut werden soll. Der Stadtteilbeirat, der über die Projektförderung für die Stadtteile Pieschen-Süd und Mickten entscheidet, stimmte zu und bewilligte 2.400 Euro Fördergelder – für Material und Honorare. Rico Leuschke, der sonst Tiny-Häuser baut, und Jochen Lenz – kümmerten sich um den Schrank, die beiden Hochbeete, die rechts und links vom Schrank stehen und ihm zusätzlichen Halt bieten. Auch auf dem Schrank sollen künftig Pflanzen wachsen.

Maria Buchmüller gehört zu dem kleinen Netzwerk, das sich um den Tauschschrank kümmern möchte. Foto: W. Schenk

Eine Anwohnerin will sich um die Beete kümmern und demnächst eine Pflanzaktion starten, erzählte die BUND-Referentin heute bei der Einweihung. Gemeinsam mit David Greve, dem Geschäftsführer des BUND Sachsen, räumte sie die ersten Bücher ein. Nach kurzer Zeit gesellte sich Maria Buchmüller dazu und hatte einige Bücher dabei. Sie wohnt in der Nähe und gehört zu dem kleinen Netzwerk, das sich um Ordnung und Sauberkeit im und am Tauschschrank kümmern wird. Nach der kleinen Eröffnungszeremonie samt rotem Band und Schere kam Frank, auch er kann von seinem Fenster aus den neuen Tauschschrank sehen, und brachte weitere 20 Bücher vorbei. „Kein altes Zeug, alles noch recht aktuell“, meinte er. Bücher seien einfach zu schade zum wegwerfen und anbieten können man sie ja kaum irgendwo.

Regeln für die Nutzung, auch eine Standgenehmigung hat der BUND eingeholt. Foto: W. Schenk

Wenige Stunden später muss der Schrank schon zum ersten Mal seine Allwettertauglichkeit unter Beweis stellen. Es regnet. Immer wieder kommen neugierige Passanten vorbei und begutachten das neue Möbelstück, das an der Rückseite des ehemaligen Drewag-Häuschens steht. Einige räumen bereits mitgebrachte Bücher ein. Bei schönem Wettere kann man sich gleich nebenan auf die Bänke setzen und lesen. „Wir wollten auf dem Konkordienplatz eine Einladung zum Verweilen und zum Austausch schaffen“, freute sich Sarah Morwinski. „Tipps zur Nutzung des Schrankes und der Beete finden sich auf einer Tafel an der Schranktür.“ Das scheint von den ersten Minuten an zu funktionieren.

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13 Meinungen zu “BUND Sachsen weiht Büchertauschschrank am Konkordienplatz ein

  1. Kristin Hofmann sagt:

    Klasse – viel Erfolg!

  2. Sabine sagt:

    Klasse Sache!

  3. Silvan sagt:

    An sich finde ich das eine gute und lobenswerte Idee. Dennoch bleibe ich diesbezüglich eher skeptisch. Man kann letztendlich nur hoffen, daß der Büchertauschschrank durch die Nachbarschaft pfleglicher behandelt wird, als die Grünfläche des Konkordienplatzes.

  4. Adalbert sagt:

    Starke Sache. Freue mich über solche Aktionen + Engagement!
    Aber Hochbeete in der Pissecke find ich arg eklig und irgendwie auch furchtbar dumm. Sehe leider täglich aus dem Fenster urinierende Menschen an dem Häuschen.

    Dann lieber auch Fahrradbügel am Platz – schon alleine, um etwas gegen die gefährlichen Eckenparker dort zu tun (schafft das Ordnungsamt irgendwie nicht)

    • Silvan sagt:

      Also die Befürchtung hinsichtlich der Hochbeete teile ich. Auch wenn die Hochbeete eher blühenden Charme haben werden. Fest steht aber schon mal, daß die „Rasenfläche“ um den Schrank plattgetrampelt wird. Aber gut…in den letzten zwei Sommern war von der Rasenfläche auch nicht viel zu sehen. Außer vielleicht die Staubwolke, wenn das Grünflächenamt turnusmäßig mit dem Rasenmäher angerückt kam. 😀

  5. Adalbert sagt:

    edit: nehme alles zum Hochbeet zurück – soll ja wohl kein Gemüse darauf wachsen 😉

  6. Schenk sagt:

    Tolle Sache und wir würden gern ein paar Pflanzen beisteuern .Für ein buntes blühendes Pieschen Das Schenk Blumen Team

  7. Gerda Kočí sagt:

    ich kenne solche Bücheroasen aus anderen Städten und bin froh nun ach hier eine Möglichkeit des Tausches zu haben. eine abwertende Behandlung ist mir aus den anderen Städten nicht bekannt und die Pflanzkübel könnten ja sogar den Pinklern im Wege stehen und diese Unholde von ihrem Plan abhalten. wäre auf diese Weise sogar ein weiterer Gewinn. dank allen, die den Bücherschrank installiert und ermöglicht haben.

  8. Dieter Schmitz sagt:

    Da ich die Vielseitigkeit von Büchern schätze, manche Autoren, z. B. Eco, übertreiben es in der Anzahl der Seiten, was den Erkenntnisgewinn nicht schmälert, bin ich von einem solchen Kulturangebot mehr als begeistert. Und den Pieschenern tut es auch mal gut zu sehen was man ansonsten noch mit Papier machen kann. Daher meinen Dank an die Aktiven für diesen selbstlosen Einsatz. Ich selbst werde eher keinen Gebrauch davon machen, besitze schon ein Buch.

    Allerdings fiel mir bereits beim ersten Lesen des Artikels etwas auf. Wie auf dem zweiten Foto zu sehen ist, war die Verbringung des Tauschschrankes ein nicht so schönes Unterfangen. Da ich demnächst auch in so einer Holzkiste durch Pieschen getragen werde, würde ich mir wünschen etwas mehr Würde erfahren zu dürfen. Schließlich handelt es sich um einen guten Tag für die Menschheit, da kann man auf gerade gehen und würdevolles Schreiten nicht verzichten. Und nicht so lustlos, schnell weg damit, macht nur Ärger.

    • Jochen sagt:

      Ach Dieter, die von dir angesprochene Würde wünsche ich dir. Beim Schrank war die Holzkiste auch gleichzeitig der Inhalt, dass gilt es wohlmöglich zu beachten. Auch das Gewicht könnte einen Unterschied machen. Soviel zu den banalen physischen Aspekten..
      Deine Zeilen eröffnen für mich die Frage, ob es auch Tauschschränke für Klopapier geben sollte 🤔

  9. Dieter Schmitz sagt:

    Hey Jochen, die letzte Zeile Deines Beitrages lässt den Gedanken zu dass ein Missverständnis vorliegt. Mir ist sehr daran gelegen mit Hilfe von notierten Gedanken das Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge zu stärken. Ob Bukowski, Zuckmayer oder Tolkien, was die Phantasie anregt den Geist zu beschäftigen, findet meine Zustimmung. Dieser Tauschschrank ist für mich ein Symbol der Wiederkehr traditioneller Formen der Zeitgestaltung. Was ausdrücklich zu begrüßen ist. Weg vom Fast Food, kurze Schnipsel zusammenzufügen, Clips von wenigen Sekunden, inhaltsleer und ohne Message, eben Gefälligkeitskunst (laut Albert Camus) zum schnellen Gebrauch. Die Folgen fehlender Bildung sind täglich in den Nachrichten sicht- und hörbar.

    Was die Satire betrifft (zweiter Absatz), hier spricht man von einer überspitzten Darstellung. Ich denke nicht dass sich die betroffenen, die beteiligten auf dem besagten Foto, von meiner Interpretation verletzt fühlen. Und es bezog sich ausschließlich auf dass was sichtbar ist. Oder eben auch nicht.
    Mein Tip: nochmal lesen.

    • Jochen sagt:

      Hi Dieter,
      sorry, meine Zeilen waren sehr uneindeutig, die sollten auch eher in eine satirische Richtung gehen (zumindest nach dem ersten Satz).
      Deine Zeilen zu deiner persönlichen Würde klangen recht traurig, da wollte ich es mit einer Unterscheidung zum Schrank versuchen..
      Beim Klopapier hätte ich wohl eher einen Zwinker Smiley nehmen sollen, statt einem nachdenkenden. Es ging mir nicht darum besagtes Papier mit Büchern gleichzustellen. Deine Zeilen haben in mir die Frage eröffnet, ob ein Schrank nicht vielleicht auch ein kreativer Ansatz zum Thema Klopapier sein kann. Aber das sind sehr abstrakte Gedanken..
      Ich freue mich, dass du dem Büchertauschschrank etwas Gutes abgewinnen kannst und schließe mich der Einschätzung an! 🙂

  10. […] die Anwohnerinnen und Anwohner, ihre Bücher zum Lesen miteinander zu tauschen. Am Dienstag war ein Büchertauschschrank am Konkordienplatz eingeweiht […]

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