Kita Gartenkinder Joe Zacher

Kulturwerkschule hat Kita Gartenkinder mit 20 Plätzen in Trachenberge übernommen

Heute gibt es Quiche. Zwei große Bleche und eine Springform sind nötig, um die 20 Kinder in der Kita Gartenkinder satt zu machen. „Da werden schon ordentliche Portionen verputzt“, sagt Julia Rotsch. Sie ist die Leiterin der Kita, die seit Januar 2020 zur Kulturwerkschule gGmbH mit Sitz in Pieschen gehört. Im August 2019 hatte die private Kulturwerkschule den Schulbetrieb aufgenommen –  mit je einer Klasse in der Grundschule und der Oberschule.

„Es ist den Eltern wichtig, dass wir hier jeden Tag selber kochen“, sagt sie. Der monatliche Beitrag pro Kind liegen bei 420 Euro. Die Leiterin verweist darauf, dass so wenig wie möglich Fertigprodukte verwendet werden. „Wenn es Nudelsuppe gibt, dann wird auch ein Huhn für die Brühe gekocht“, nennt sie ein Beispiel. So könnten die Kinder auch gleich sehen, wie ihr Mittagessen entsteht. Frisches Gemüse gebe es beim Händler um die Ecke. Wenn Plätzchen gebacken werden, könnte der Ofen beim nahe gelegenen Bäcker genutzt werden. Sogar der Tee käme teilweise aus dem eigenen Garten – dort wachsen Melisse, Salbei und Thymian. Aber, meint Julia Rotsch, das reiche nicht für den täglichen Bedarf.

Wir kochen täglich das Mittagessen selbst, sagt Kita-Leiterin Julia Rotsch. Foto: W. Schenk

Ob der Tee der Grund ist, warum die Kinder sich im Garten eine „Kräuterschnecke“ gewünscht haben? Erzieher Joe Zacher zeigt im Garten auf eine frisch umgegrabene Fläche. Wo früher Schilf stand, sollen künftig die Kräuter wachsen. Der junge Mann ist bereits seit zweieinhalb Jahren in der Kita, hat noch bei der Vorbesitzerin der privaten Einrichtung im Hinterhof der Maxim-Gorki Straße 42 angefangen. Eigentlich, so erzählt er, wollte er eher mit Jugendlichen arbeiten. Aber das pädagogische Konzept und das Arbeitsklima hätten ihn während seines Praktikums überzeugt und so sei er auch nach dem Eigentümerwechsel geblieben. Zu den Lieblingsgerichten der Kinder würde auch die Eierkuchen-Torte gehören. „Die Äpfel für das Apfelmus stammen aus eigener Ernte in unserem Garten“, sagte er. Dort steht auch ein Steinofen, in dem Brot gebacken werden kann.

Kita Gartenkinder Backofen

In dem Backofen im Garten wird das eigene Brot gebacken. Foto: W. Schenk

Zum Kita-Konzept gehöre auch der Situationsansatz, erläutert Julia Rotsch und nennt ein Beispiel. Als die Kinder im Wald einmal einen Ameisenhaufen entdeckten, „haben wir reagiert und uns die nächsten Tage ausführlich mit dem Leben der Tiere unter den verschiedensten Blickwinkeln beschäftigt“. Wichtig sei auch, dass die Kinder lernen, sich selbst zu helfen. „Wenn es ein Problem gibt, muss man nicht gleich weinen. Man kann sich Hilfe suchen“, sagt sie. Weil es in der Kita keine altersgetrennten Gruppen gibt, gebe es vielfältige Wechselbeziehungen zwischen den Großen und den Kleinen. Julia Rotsch hat Kindheitspädagogik in Berlin studiert, dann dort in einem Kinderladen gearbeitet. Weil ihr Freund in Dresden arbeite, habe sie sich um den Job bei der Kulturwerkschule beworben. Das dreiköpfige Team wird bei Bedarf um Honorarkräfte ergänzt. Im Ernstfall könne man beim Personal auch Synergien mit dem Hort der Kulturwerkschule nutzen. Ab September werde zudem die FSJler-Stelle neu besetzt. Bewerbungen seien willkommen.

Pappe, Papier, Eierkisten und Holz – hier können die Kinder ihr eigenes Spielzeug basteln. Foto: W. Schenk

In der Kita wird in diesen Wochen auch gefastet: „Wir haben jetzt vier Wochen spielzeugfreie Zeit“, erläutert die Kita-Leiterin. Das übliche Spielzeug ist weggeräumt. Statt dessen gibt es Kartons in jeder Größe, Holz und Papier. Oder Eierbehälter. Die Kinder können ihre Fantasie spielen lassen und sich selbst ihr Spielzeug bauen. Auch eine Bude, um die Mittagsruhe darin zu verbringen. Aus einem Eierbehälter könne ein Suppenteller oder auch ein Mauerstein werden.

Die Corona-Epidemie ist auch für das junge Team der Kulturwerkschule eine Herausforderung. „Wir richten uns hier nach den Vorgaben der Landesregierung und der Stadtverwaltung“, sagt Kulturwerkschule-Geschäftsführerin Nora Krzywinski. Gerade hat sie die Verfügung bekommen, dass ab Mittwoch alle Schulen und Kitas geschlossen werden. Heute, so sagt sie, seien von 48 Kindern der Grund – und Oberschule noch sechs in der Schule gewesen. „Das Büro bleibt auch während der Schließung besetzt, Lehrerinnen und Lehrer und das Kita-Team sind ansprechbar, Anfragen werden beantwortet“, sichert sie zu. Schließlich will die Schule im Sommer mit zwei weiteren Klassen starten.

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