Leipziger Straße 112: Edeka plant Markt und Wohnungen – Zukunft der Eiche unklar

Die Einzelhandelsgruppe Edeka will auf dem Grundstück Leipziger Straße 112 einen neuen Lebensmittelmarkt und Wohnungen errichten. Am vergangenen Freitag stellten Toni Kunze, Regionalleiter Expansion, und der Dresdner Architekt Alexander Pötzsch die Vorentwurfsplanung für die 2.900 Quadratmeter große Fläche in der Sitzung der Gestaltungskommission Dresden vor. „Wir befinden uns in einem sehr frühen Stadium der Planung“, betonte Pötzsch und verwies darauf, dass es bei der Präsentation vor allem die Fassadengestaltung gehe.

Wohnen auf Einkaufsmärkten sei keine neue Idee, so Pötzsch. Wie es zwischen Leipziger Straße und Bürgerstraße funktionieren kann, erläuterte er dann. Die bestehenden Gebäude sollen abgerissen werden. Statt dessen ist eine Tiefgarage mit anderthalb Etagen geplant. Dies biete sich an, weil das Gelände von der Bürgerstraße in Richtung Leipziger Straße eine Gefälle von einem Meter hat. Darüber soll der Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von etwa 1.300 Quadratmetern angeordnet sein.

Rot umrandet sind die möglichen Positionen der drei Wohn-Baukörper auf dem Dach des Marktes. Grafik: openstreetmap / W. Schenk

Auf der Fläche darüber sind drei Wohngebäude mit einem begrünten Innenhof geplant. An der Leipziger Straße stellt sich Architekt Alexander Pötzsch, anschließend an die Sparkasse, einen Baukörper mit Reihenhäusern vor, mit einem weiten Blick über die Elbe und in das Ostragehege. An der Bürgerstraße soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. Ein dritter Baukörper sei dort geplant, wo jetzt das langgestreckte Gebäude steht, in dem die Pieschener Filiale von Domino-Pizza ihr Quartier hat. Die derzeit schmale Durchfahrt von der Leipziger Straße zur Bürgerstraße soll zur Anlieferzone für den Lebensmittelmarkt ausgebaut werden. Der durch die Anordnung der Baukörper entstehende Innenhof werde ein stark begrünter Bereich für alle Einwohner.

Blick in den grünen Innenhof von der Bürgerstraße aus. Quelle: Alexander Pötzsch Architekten

„Was wird mit der mehr als hundert Jahre alten Eiche“, fragte Stefan Engel, der für die SPD-Stadtratsfraktion – wie alle anwesenden Stadträte – als beratendes, aber nicht stimmberechtigtes Mitglied in der Gestaltungskommission sitzt. „Der Baum muss weichen“, antwortete Pötzsch. Mit dieser Auskunft gaben sich die Anwesenden nicht zufrieden. „Wir werden uns sehr schwer tun, diese Eiche freizugeben“, betonte ein Vertreter aus dem Umweltamt. „Lassen Sie den Baum stehen“, richtete Grünen-Stadtrat Thomas Löser seinen Appell an die Bauherren. Städtebaulich seien die Pläne mit ihrer Mehrfachnutzung auf der Fläche gut durchdacht, fügte er hinzu. Auch die Entscheidung, keine Flachdächer zu bauen, begrüßte er.

Jürg Sulzer, Vorsitzender der Gestaltungskommission, hätte sich bei der Vorstellung des Bauvorhabens mehr Abwägungen gewünscht. Was spreche für, was gegen die Bewahrung des Baumes. Was spreche für, was gegen den Erhalt der Bestandsgebäude, was spreche für und was gegen Lücken in den Blockrändern an der Leipziger und der Bürgerstraße. Er drückte die Hoffnung aus, dass die Mitglieder der Gestaltungskommission bei der nächsten Präsentation darauf Antworten bekommen. Man stehe für die weitere Diskussion bereit, betonten Pötzsch und Kunze nach der Sitzung.

 

8 Meinungen zu “Leipziger Straße 112: Edeka plant Markt und Wohnungen – Zukunft der Eiche unklar

  1. Parkplätze? JA, aber bitte für ALLE.
    Wohnhäuser? Von mir aus, aber mit bezahlbaren (!) Wohnungen.
    Edeka? Nein danke, es gibt genügend Kaufhallen in Fuss-Reichweite!
    Die Eiche? Stehenlassen natürlich. Was anderes kommt nicht in Frage!

  2. Verkauft Edeka nicht auch Lebensmittel? Haben wir in der Gegend fußläufig nicht schon genug Geschäfte dieser Art? Was soll der Blödsinn? Bei Globus war das Geschrei groß, hier ist alles ok….

  3. Und noch mehr Autoverkehr wird generiert. Logisch. In Pieschen kommt man auch nicht anders vorwärts. Warum wird nicht der bestehende Fabrikbau integriert?

  4. Schön, dass sich dieser Schmuddelecke endlich jemand annehmen möchte. Aber Kritik geht halt leichter über die Lippen als Lob. Tiefgarage geplant? Super! Mehr davon! Wohnungen mit grünem Innenhof? Perfekt, da kann eine einzige, wenngleich alte Eiche, nicht mithalten. Edeka…noch einer? Na wer weder Verkehr, noch zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten mag, sei im Dresdner Umland wohl besser aufgehoben. Zudem ein INVESTOR nunmal nicht einfach ein Gutmensch ist, sondern auch Geld verdienen möchte. Das nennt man Marktwirtschaft 😉

  5. Wetten, Grüne-Stadtrat Thomas Löser wird sich wieder stolz vor dem gefällten Baum fotografieren lassen und irgendwas von „hätte…“ und „Schade…“ faseln.
    Siehe neuer Aldi-Markt auf der Pfotenhauerstraße.
    Das einzige was die Grünen im Statdrat von Dresden machen ist Nix oder den Nazinotstand ausrufen.

    • die Partei „Die Partei“ haben den Nazinotstand ausgerufen! Würden die Grünen nie tun..is ja alles OK in Dresden…

  6. Einkaufsmärkte hat Pieschen mehr als genug! In naher Umgebung: Netto, Lidl, noch ein Netto, Rewe, Aldi…alles fussläufig (keine 2 Minuten zT) und der Verkehr auf der Leipziger stinkt jetzt schon zum Himmel. Was wir brauchen sind Zukunftskonzepte, die nachhaltig sind! Einbezug der Bestandsbauten, bezahlbare Wohnungen, ansehnliche Häuser- keine Betonburgen. Ein „stark begrünter Innenhof“- der muss ja erstmal wachsen- das dauert Jahre und ein einiger alter Baum bietet Lebensraum für über 200 Tierarten und in seiner Wichtigkeit für Luft und Klima ist er unschlagbar…Warum sich kein Protestgeschrei erhebt wie beim Globusmarkt? WEIL dieses die Bürger machen müssen! Nicht irgendwer oder „die“! Also legt los und protestiert gegen die Bebauung, jetzt in der „frühen Planungsphase“ gibt es noch Chancen. Warum gegen Thomas Löser und die Grünen geschossen wird, ist mir grad schleierhaft- hauptsache jemanden schlecht machen- oder nichts produktives von sich gebe n oder wie?!

  7. Christian
    Durch die Bebauung wird das Grundstück offensichtlich komplett versiegelt. Mit all seinen Folgen für den Wasserhaushalt, die Überwärmung… Wenn dann noch die Eiche verschwindet, ist das ökologische Desaster perfekt. Darüber kann auch der Innenhof mit seiner unrealistischen Begrünung (Bäume auf dem Dach des Marktes) nicht hinwegtäuschen. Und das in Pieschen, einem Stadtteil, der schon besonders unter zu hoher Versiegelung und Erwärmung leidet. Wofür? Für noch mehr Einkaufsflächen und hochpreisige Wohnungen, die hier niemand braucht?

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