Schwalbenjunge

Wildvogelauffangstation in Kaditz: Aufpäppeln, Pflegen, Auswildern

Schon beim Betreten der Wildvogelauffangstation auf dem Gelände der Stadtentwässerung in Kaditz (Scharfenberger Straße 152) wird der Besucher mit Vogelgezwitscher empfangen. Kein Wunder. 700 bis 800 Vögel fanden in diesem Jahr bereits ein zeitweiliges Quartier in der Station. In den letzten zehn Jahren wurden hier über 12.000 Wildvögel behandelt. „Leute finden Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, Vögel, die die Katze mit ins Haus gebracht hat oder auch Mäusebussarde, die durch Zusammenstöße mit Fahrzeugen auf der Autobahn verletzt wurden“, erzählt Laura Hanns. Sie ist noch bis Ende des Jahres in der Auffangstation in Teilzeit angestellt. Amseln, Rotkehlchen, Buchfinken und Schwalben gehören ebenso zu den Pflegetieren, wie Turmfalken oder Eulen. Aber auch kleine Säugetiere wie Igel, Siebenschläfer, Eichhörnchen oder Feldhasen nimmt das Team auf, wenn sie in die Auffangstation gebracht werden. Aufgebaut hat die Wildvogelauffangstation Steffen Keller 2007. Seitdem läuft dieses Projekt unter dem Dach des Trägervereins Umweltzentrum Dresden e.V.. Inzwischen ist Tochter Saskia die Stationsleiterin.

Turmfalke

FÖJler Niklas Kappler entlässt einen Turmfalken in die Freiheit. Foto: C. Trache

„Ziel ist es, alle Vögel wieder auszuwildern“, erläutert Laura Hanns. Die ausgebildete Erzieherin absolvierte 2015 ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Wildvogelauffangstation, verlängerte um ein paar Monate und erhielt im Anschluss eine Teilzeitanstellung. Finanziell unterstützt wird die Station durch die Stadt Dresden, viel Hilfe erhält sie durch die Stadtentwässerung, aber auch durch Futter- und Geldspenden von Privatpersonen. Die Station arbeitet mit einem Tierarzt zusammen. Auch dafür werden untere anderem Spenden benötigt. Außerdem helfen zahlreiche Freiwillige regelmäßig bei der Pflege der Tiere. „Ansonsten finanziert sich die Station durch den Verkauf von unseren Insektenhotels, Nistkästen und durch Führungen“, sagt Laura Hanns.

niklas kappler

Niklas Kappler füttert einen erst wenige Tage alten Feldhasen. C. Trache

Niklas Kappler, der noch bis Ende August sein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, ist durch ein zweiwöchiges Schülerpraktikum in der achten Klasse mit der Wildvogelauffangstation in Kontakt gekommen. „Ich wollte gern etwas mit Tieren machen. Anfangs dachte ich allerdings, Vögel sind langweilig“, gesteht der 18-Jährige. Doch bereits am zweiten Praktikumstag änderte sich seine Einstellung grundlegend. „Ich durfte mit nach Freital, wo ein Graureiher eingefangen werden sollte“, erzählt er. Die Aufzucht von Jungtieren, die Pflege der verletzten Tiere und letztlich die Auswilderung der wieder gesunden Tiere begeistern ihn. So erlebte er gemeinsam mit Laura Hanns die Auswilderung eines Seeadlers bei Moritzburg genau zu Heiligabend. „In dem Jahr war es zu Weihnachten sehr mild. Daher konnten wir das Tier bedenkenlos auswildern“, erklärt Laura Hanns.

elster

Auch Elstern werden in der Auffangstation gepflegt. Foto: C. Trache

Gern erzählt Stationsgründer Steffen Keller auch von einer Möwe, die mit einen Splitterbruch am Flügel zu ihnen gekommen war. Eigentlich ein eher hoffnungsloser Fall. Aber letztlich hat sie es geschafft und ist dann einfach losgeflogen. Beeindruckend sei auch die Auswilderung eines Uhus gewesen. Dafür seien Mitarbeiter der Station extra nach Wehlen gefahren, um das Tier in dem Steinbruch auszuwildern, in dem er ursprünglich lebte. Die Turmfalken dagegen werden gleich vor der eigenen Haustür in die Freiheit entlassen. „Ganz in unserer Nähe lebt eine Turmfalkenkolonie. Diese Vögel unterstützen unsere Turmfalken dabei, sich in der Freiheit wieder zurechtzufinden“, erzählt Niklas Kappler.

In der Auffangstation befinden sich 15 unterschiedlich große Volieren für die Krankenpflege sowie zwei große Auswilderungsvolieren. Jungtiere, die mit der Hand aufgezogen werden müssen, nehmen Laura, Niklas und andere Helfer daher auch regelmäßig mit nach Hause. So kommt es, dass die Tiere sehr zutraulich werden und wie im Fall eines Turmfalken, auch durchaus auf Niklas‘ Schulter oder Kopf fliegen und eine kleine Pause einlegen.

Doch es werden nicht nur regelmäßig Tiere in den Station abgeben. Immer wieder rufen Menschen an, die einen Vogel aufziehen und Fragen zur Pflege und Ernährung haben. Das Team der Station versucht, so gut wie möglich Tipps am Telefon zu geben oder vermittelt an andere Anlaufstellen, die sich in Wohnortnähe des Anrufers befinden.

Die Kommentarfunktion wird 7 Tage nach Erscheinen des Beitrages geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren …

Bibliothek Pieschen lädt zur Buchlesung mit Karin Kalisa und „Sungs Laden“

Zu einer Buchlesung mit der Autorin Karin Kalisa lädt die Bibliothek Pieschen am Mittwoch ein. Die Schriftstellerin wohnt seit einigen >>>

Sachsenbad wird auf Expo Real in München präsentiert – Gebote bis zum 17. Januar 2019 möglich

Das Sachsenbad in Pieschen ist eines von drei großen Investitionsprojekten, die Dresden am 8. und 9. Oktober auf der Expo Real in München >>>

Gedanken zum Herbstanfang – von Hildegard Kellermann

Auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde, so also auch in Deutschland, beginnt der Herbst in diesem Jahr am 23. September, genau um 03:54 Uhr >>>

Hebammenpraxis Altpieschen wird 10 Jahre alt

Anke Uhlig erinnert sich an den Tag der Eröffnung der Hebammenpraxis Altpieschen, als wäre es gestern gewesen. Gemeinsam mit Doreen Karkola >>>

Reparaturen an Elbepark-Haltestelle – Umleitungen für Straßenbahnen auf Linien 9 und 13

Wegen Bauarbeiten an der Haltestelle Elbepark gibt es im Zeitraum vom 24. September, 4 Uhr, bis 3. Oktober um 4 Uhr Umleitungen für die Straßenbahnen >>>