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Kinder- und Jugendhaus Emmers: HipHop oder Nähen oder was ganz anderes

Der Ansturm ist groß im Kinder- und Jugendhaus „Emmers“ an der Bürgerstraße 68. „Zwischen 50 und 100 junge Menschen, vom Grundschulalter bis hin zu jungen Erwachsenen kommen regelmäßig zu uns und nutzen unsere Angebote“, erzählt Jens Hilgner, der Leiter des Hauses. Ab 13.30 Uhr verteilt Franzi, die Seele des Hauses, im Café kostenloses Mittagessen an Kinder, die sonst mittags kein warmes Essen bekommen. Unterstützt wird das Projekt seit rund sieben Jahren durch die Stiftung „Children for a better world“. Franzi kocht selbst und gibt regelmäßig Schülerpraktikanten die Möglichkeit, das Berufsbild Koch näher kennenzulernen.

Emmers hilgner

Jens Hilgner ist der Leiter des Emmers. Foto: C. Trache

Außerdem ist sie für die Vermietung des Cafés verantwortlich. Private Feiern und Veranstaltungen mit bis zu 30 Personen können hier durchgeführt werden. Interessenten finden auf der Homepage nähere Informationen sowohl zur Vermietung des Cafés als auch das Saales im Hinterhaus. Das Café ist mehr als nur ein Ort, wo die Kinder in Ruhe Mittagessen können. Auch Hausaufgaben können in dem gemütlichen Raum erledigt werden. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, Gesellschaftsspiele oder Tischkicker zu spielen.

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Ein buntes und offenes Haus

„Das Emmers ist ein offenes Haus. Es ist so bunt, wie auch der Stadtteil Pieschen in den letzten Jahren immer bunter geworden ist“, sagt Jens Hilgner. „Egal welcher Herkunft, bei uns sind alle willkommen. Wichtig ist uns jedoch ein respektvoller Umgang miteinander.“ Dafür haben die Sozialarbeiter*innen gemeinsam mit den Kindern vor vielen Jahren das Ritual eingeführt, dass man sich zur Begrüßung die Hand gibt, wenn man im „Emmers“ ankommt. „Das hilft, sich mit Respekt zu begegnen und ist eine erst Form der Kontaktaufnahme“, so der Sozialarbeiter.

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Sozialarbeiter Dirk Lange hat viele Talente – eines davon ist die Fahrradwerkstatt. Foto: C. Trache

Das „Emmers“ bietet viele Freizeitangebote. „Unser Haus ist wie ein kleiner Adventskalender. Hinter jeder Tür versteckt sich etwas“, verspricht Hilgner. So gibt es im Erdgeschoss dem Café gegenüber den „Spielplatz“, ein Extra-Raum für Kinder bis 12 Jahre zum freien Spielen und Bauen ohne Anleitung. Auch Kino- und Theateraufführungen finden hin und wieder statt. In der ersten Etage können die Kinder und Jugendlichen die Medienwerkstatt nutzen. Sozialarbeiter Dirk Lange unterstützt sie unter anderem bei der Nutzung des Internets oder beim Erstellen kleiner Lego-Filme. In der Holzwerkstatt gleich nebenan können sich die Heranwachsenden im Umgang mit unterschiedlichen Werkzeugen üben und aus Holz verschiedene Gegenstände fertigen. In der Kreativwerkstatt gibt es ebenfalls vielfältige Möglichkeiten sich auszuprobieren. Mittwochs ist zum Beispiel die Nähzentrale aktiv. Dann surren hier die Nähmaschinen. Die Größeren haben einen extra Jugendtreff. Auch ein Tonstudio kann nach Absprache genutzt werden.

Initiativen nutzen das „Emmers“

Im Haus haben aber auch verschiedene Initiativen, Projekte und Vereine ihren Sitz, die ebenfalls Angebote für Kinder und Jugendliche bereithalten. So befindet sich in der ersten Etage das Spielmobil „Wirbelwind“ und in der zweiten Etage der AWO-Jobladen mit der Jugendberufshilfe. Auch der Verein InDD e.V. (Inklusion in Dresden) hat sein Büro im „Emmers“. Vorstandsvorsitzender Dirk Schmidt bietet unter anderem auf einem extra errichteten Parquour eine Rollstuhlfahrschule an. Am 4. Mai wird er im Rahmen der „Parade der Vielfalt“ wieder im Emmers seinen Parquour aufbauen und Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit geben, das Rollstuhlfahren zu lernen. Neu im „Emmers“ ist das Repaircafé. Jeden dritten Donnerstag im Monat treffen sich Senioren mit dem Ziel zu tüfteln und zu basteln, um ganz unterschiedliche Geräte wieder in Gang zu bringen.

Außenbereich und großer Saal

Auch im Außenbereich kann man toben und sich ausprobieren, sei es bei Basketball, Fußball oder Skaten. Kleine Gemüse- und Kräuterbeete laden die Kinder zum Gärtnern ein. Gemeinsam werden die Beete gepflegt, wird genascht und geerntet. Nach Möglichkeit finden diese Produkte auch Verwendung in Franzis Küche.

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Franzi, die Seele des Hauses bekocht die Kinder ist seit 14 Jahren im Emmers. Foto: C. Trache

Mit der Fahrradwerkstatt, die ebenfalls Dirk Lange betreut, gibt es auf dem Gelände des Emmers ein ganz besonderes Angebot für die Pieschener. Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr können die Anwohner mit ihren Fahrrädern vorbeikommen, wenn sie irgendein Problem mit dem Zweirad haben. Dank zahlreicher Spenden können die Kids regelmäßig ihre Fähigkeiten beim Fahrradbau vervollkommnen oder lernen, wie sie kleinere Probleme selbst beheben können. „Wir freuen uns nach wie vor über Spenden der Bevölkerung, seien es alte, kaputte Fahrräder, die nicht mehr benötigt werden oder Ersatzteile jeder Art“, so Dirk Lange.

Im großen Saal im Hinterhaus ist Platz für Kurse und Workshops von externen Anbietern. An mehreren Tagen in der Woche geben Dresdner Hiphop-Idole wie die Saxonz Breakdance-Workshops. Donnerstags bietet Kay Natusch einen Capoeira-Kurs für Kinder an. Montags ist Projekttag im „Emmers“. Neben Stepptanz und Breakdance, sind an diesem Tag auch die MobyKids aktiv. Übergewichtige Kinder sind dabei unter sich und powern sich unter Anleitung richtig aus.

Suchtkonferenz in Pieschen

Am 21. März findet im Rathaus Pieschen eine Suchtkonferenz statt, mitorganisiert durch das Team des „Emmers“. „Zu uns kommen Jugendliche mit den unterschiedlichsten Themen und Problemen. Auch die Auseinandersetzung mit dem Thema „Drogen“ bleibt da nicht aus. Nach unserer Wahrnehmung hat sich dieses Problem in den letzten Jahren in Dresden verstärkt. Gemeinsam mit Expert*innen aus verschiedenen Bereichen möchten wir bei dieser Konferenz in Gedanken- und Erfahrungsaustausch treten, um zu schauen, inwieweit unsere Wahrnehmung mit der Realität identisch ist“, sagt Jens Hilgner. Gerade erst hat sich der Petitionsausschuss des Stadtrates mit der Situation am Pestalozzi-Platz beschäftigt, der sich inzwischen zu einem Brennpunkt in Sachen Drogenkonsum entwickelt hat. Das wollen die Anwohner nicht hinnehmen.

Die Entwicklung des Hauses

Das Gebäude des Kinder- und Jugendhauses Emmers an der Bürgerstraße 68 hat eine lange und bewegte Geschichte. 1860/61 als Schulgebäude errichtet, war nach 1945 ein Kindergarten darin untergebracht. Seit 1999 residiert das „Emmers“ in dem Haus, das damals teilweise noch eine baufällige Ruine war.

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Willy Müller, gelernter Tischler, zurzeit in Ausbildung zum Erzieher und aktuell Praktikant im Emmers, arbeitet mit Jugendlichen in der Holzwerkstatt. C. Trache

Nach der Flut 2002 wurde dieses Quartier zu einem Sanierungsgebiet, wodurch Vorder- und Hinterhaus in Stand gesetzt werden konnten. Nach einem Brandanschlag 2005 erfolgte einer erneute Sanierung. Seitdem hat das Kinder- und Jugendhaus das heutige Aussehen. Seit 2003 befindet sich das „Emmers“ in freier Trägerschaft der Outlaw gGmbH. Unterstützt wird es unter anderem von der Stadt Dresden. Neben drei Sozialpädagogen und einer Sozialpädagogin sind im „Emmer“ Honorarkräfte, Ehrenamtliche sowie Praktikant*innen tätig.

Service:

Kinder- und Jugendhaus Emmers
Bürgerstraße 68
geöffnet
Dienstag bis Freitag zwischen 13.30 bis etwa 19 Uhr

>> mehr Infos zu den Angeboten

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