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Fernwärme in Pieschen soll Ausstoß von Kohlendioxid um 3.300 Tonnen pro Jahr reduzieren

An zehn verschiedenen Standorten verlegen Bauarbeiter derzeit neue Fernwärmeleitungen in Pieschen. Weitere werden hinzukommen. Nach dem Start in der Gehestraße im Juni 2017 wurden quasi im Monatsrhythmus weitere Baustellen am Elberadweg, in der Leisniger Straße, der Leipziger Straße, der Erfurter Straße , der Rehefelder Straße und seit gestern rings um die Eisenberger Straße eröffnet. Neben dem neuen Rohrsystem für die Fernwärme werden meist auch Leitungen für Wasser, Abwasser und Strom erneuert. Die Haupttrasse, die etwa 150 Meter stromabwärts nach der Marienbrücke beginnt und bis in die Wurzener Straße geht, hat eine Länge von 4,5 Kilometern, die Verteilung in die angrenzenden Straßen summiert sich auf eine Gesamtlänge von 7,5 Kilometern.

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Swen-Sören Börner erklärt gern komplexe Zusammenhänge mit einer Zeichnung. Foto: W. Schenk

21,2 Millionen Euro investiert die Drewag in das neue Fernwärmenetz, ein Anteil von 9 Millionen Euro wird aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) gefördert. Die Förderung sei gebunden an die Reduktion der CO2-Emissionen. Um 3.300 Tonnen soll der Kohlendioxid-Ausstoß nach Fertigstellung der Fernwärmeversorgung reduziert werden. „28 Prozent der geforderten Menge haben wir bereits nach gut 15 der 50 Monate dauernden Förderperiode eingespart“, erklärt Swen Sören Börner, Abteilungsleiter Vertrieb Energiedienstleistungen, im Gespräch und ist sicher, dass das Ziel mit dem Abschluss der Arbeiten 2021 erreicht wird. Die bisherigen Einsparungen seien möglich gewesen, weil zum Beispiel mehr als 400 Wohnungen durch das neue Blockheizkraftwerk in der Wurzener Straße versorgt würden, das Blockheizkraftwerk im Pieschener Rathaus die Neubauten in der Markus-Passage mit Wärme beliefert oder Ölheizungen ersetzt wurden. Der flächendeckende Effekt trete jedoch erst ein, wenn das neue Fernwärmenetz die Versorgung übernehmen könne.

Dafür ist ein Vertriebsteam der Drewag in Pieschen unterwegs und kümmert sich um die Hauseigentümer entlang der neuen Fernwärmetrassen. „Etwa 1.000 Hauseingänge haben wir in diesem Gebiet – gezählt werde nach Hausnummern. 715 seien relevant für den Fernwärmeanschluss. Mehr als 300 mal wurde bereits Kontakt mit den verschiedenen Hauseigentümern aufgenommen, 240 Vor-Ort-Termine absolviert“, zählt Börner nach einem kurzen Blick in eine seiner vielen Statistik-Übersichten auf. Schnell wird klar, welcher Berg an Arbeit noch vor den Vertriebsleuten liegt.

Drewag Fernwärme Ausbau Pieschen

5,4 Kilometer lang ist die neue Haupttrasse, das Nebennetz summiert sich auf 7.5 Kilometer Länge. Quelle: Drewag

Nur selten hätten es die beiden Mitarbeiter vor Ort mit Großkunden wie der Pieschener Sanierungsgesellschaft PSG zu tun, bei der allein 31 Heizanlagen in der Häuserkellern stehen. Für jeden Hauseigentümer werde ein „Informationsangebot zur Umstellung auf Fernwärme“ erstellt. Grundlage dafür seien die Angaben der Hauseigentümer über den Brennstoffverbrauch der letzten drei Jahre, aber auch Angaben darüber, ob Warmwasserversorgung und Stromanschlüsse erneuert werden müssten. Wichtigstes Argument der Drewag-Vertriebsleute ist die Einsparung von Investitionskosten für eine neue Heizungsanlage bei den Hauseigentümern.

Viele Heizungsanlagen seien in den 90er Jahren in Betrieb genommen worden, laufen bereits 25 oder 30 Jahre und müssten jetzt erneuert werden. Mit dem Anschluss an das Fernwärmenetz könnten sich die Investitionskosten auf Seiten des Hauseigentümers  um 50 bis 75 Prozent reduzieren, erklärt Börner. Weitere Effekte seien die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die energetische Aufwertung der Immobilie. In einem Beispiel sehen die Zahlen so aus: Mehrfamilienhaus mit 3 Etagen, Austausch eines Niedertemperaturkessels mit einer Leistung von 60 kW,  Investitionskostenzuschuss von 6.000 Euro bei geschätzten Kosten für Eigenlösung von 12.000 Euro, Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 13 auf 7 Tonnen pro Jahr, Verbesserung des Primärenergiefaktors von 1,3 auf 0,23.

Ein wichtiges Mittel, um die Hauseigentümer zu überzeugen, ist das Übernahmemodell. Dabei kauft die Drewag die bestehende Heizungsanlage für den Symbolpreis von 1 Euro und übernimmt den Betrieb bis zum Austausch durch die Fernwärmehausstation. „Mehr als 80 solcher Vereinbarungen haben wir inzwischen erfolgreich abgeschlossen“, bilanziert Börner. In weniger als zehn Fällen hätten Hauseigentümer abgesagt. Grund sei, dass sie gerade erst in neue Heizungsanlagen investiert hatten. Mit dem Übernahmemodell kann die Drewag auch flexibel auf Havarien reagieren. So könne man Stationen, die nicht mehr benötigt würden, zeitweise in anderen Häusern einsetzen, meinte Börner und fügt hinzu: „Innerhalb von vier Jahren stellen wir viele Haushalte in Pieschen auf Fernwärme um, entsorgen die Altanlagen und reduzieren den Ausstoß von Kohlendioxid erheblich“.

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