Linie 73 Gagell René

DVB-Vorstand präsentiert Zwischenbilanz für Quartierbus Linie 73 im Ortsbeirat

Martin Schulte-Wissermann ist ein Quartierbus-Fan. Der Piratenstadtrat aus der Neustadt brennt für Verbesserungen im Nahverkehr und hat sich im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr auch für den Start der Buslinie 73 zwischen den Haltestellen S-Bahn Pieschen und Wilder Mann eingesetzt. Quartierbusse sind die richtige Lösung, ist er überzeugt und wünscht sich mehr davon in Dresden. Es sei für ihn als Mitglied der Linke-Fraktion darum überhaupt keine Frage gewesen, ob er die Idee aus der Pieschener CDU unterstütze. Die breite Mehrheit im Stadtrat sei schließlich notwendig gewesen, um die Dresdner Verkehrsbetriebe von der Testphase zu überzeugen. Das von den DVB-Vertretern angeführte Argument der Wirtschaftlichkeit müsse man schon im Ganzen sehen, sagte Schulte-Wissermann jetzt bei einer Fahrt Busfahrt auf der Linie 73 zur Halbzeit der Testphase. Auch die letzten drei Haltestellen einer Straßenbahnlinie seien nicht in jedem Fall wirtschaftlich zu betreiben.

Linie 73 Schulte-Wissermann

Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (Piraten) will den Quartierbus auch nach der Testphase erhalten. Foto: W. Schenk

Die Fahrgäste, die zwischen den Haltestellen S-Bahn Pieschen und Wilder Mann ein- und ausstiegen, äußerten sich alle zufrieden. „Die Busverbindung hat meinen Arbeitsweg entspannt. Ich spare gute zehn Minuten. Das ist besonders auf dem Hinweg optimal“, sagt Ralf Willem. Mia Hornemann nutzt den Bus morgens und abends. „Das spart Zeit beim Schulweg. Der Bus hält genau vor meiner Haustür“, erklärte die 15-Jährige.

Renate Hoffmann kann sich noch gut an den Start der Buslinie erinnern. Einen Tag danach, am 4. Januar hat sie sich den Arm gebrochen. Da kam die neue Busverbindung wie gerufen, weil sie die Wege deutlich leichter machte. Früher sei sie die Strecke gelaufen. Jetzt komme sie ohne Umsteigen bis zum Haltepunkt Pieschen. Der Übergang zur S-Bahn sei nicht so optimal. „Aber als Rentnerin kann ich auch mal warten“, meint sie. Sie habe auch viele Schulkinder im Bus beobachtet und fände es ausgesprochen gut, wenn die Linie nach der Testphase weiter fahren würde.

Die Streckenführung der Linie 73. Quelle: DVB AG

Busfahrer René Gagell ist seit Februar 2018 bei den Dresdner Verkehrsbetrieben angestellt. Vorher fuhr er für private Busunternehmen. Elf Minuten sind für die Strecke vom Haltepunkt Pieschen bis zur Haltestelle Wilder Mann als Fahrzeit vorgesehen. „Das ist in den meisten Fällen auch zu schaffen“, erzählt er. Wenn allerdings in der Döbelner Straße auf beiden Seiten Autos parken, werde es extrem eng. „Da bleiben oft nur gefühlte Millimeter rechts und links“, meint er. An der Kreuzung Trachenberger Straße/Döbelner Straße wird es oft eng beim Linksabbiegen. Wir sehen einen Autofahrer, der von rechts kommt und eigentlich Vorfahrt hätte – er winkt den Bus durch. „Mit der Rücksichtnahme der Kraftfahrer ist es unterschiedlich. Manche scheinen noch nicht zu wissen, dass hier ein Linienbus fährt“, beschreibt der Busfahrer seine Beobachtungen.

An der Endhaltestelle Wilder Mann könne man noch einiges verändern. Das habe sich im Gespräch mit Kollegen herausgestellt. „Statt den Bus mitten auf den Platz zu stellen, könnte er auch dort an der Aussteige-Haltestelle Wilder Mann halten“, zeigt Gagell hinter sich. Dann würde er den Taxis nicht den Platz wegnehmen und den Fußgängern nicht den Weg quer über den Platz versperren. Und für das Ausfahren auf die Großenhainer Straße könnte man gleich das Signal für die Straßenbahn mit nutzen.

Linie 73 Wilder Mann

„Unsere neue Linie 73“, sagte DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach bei der Präsentation im Dezember 2017. Foto: W. Schenk

Katrin Hoffmann nutzt den Bus, um zum Fitnessstudio zu fahren oder am Wochenende zur S-Bahn. „Man kann sich auf den Fahrplanrhythmus einstellen“, sagt sie. Besonders nach dem Einkaufen sei es ein Segen, wenn man den Bus erwischt. „Dann muss ich die Sachen nicht die ganze Döbelner Straße entlang tragen“. Andere Fahrgäste meinten, dass der Bus auch „für die, die oben wohnen“ eine Erleichterung sei. Das betreffe auch viele ältere Anwohner.

Eine Anbindung der Weinbergstraße ist auch für Pieschens CDU-Stadtrat Veit Böhm noch eine Überlegung wert. Immerhin befindet sich dort eine Kita mit knapp 180 Plätzen. Er könne sich auch gut vorstellen, weitere alternative Haltepunkte zu testen. „Das Quartier“, so sein Fazit, „sollte angebunden bleiben“.

Am 8. Mai will DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach im Ortsbeirat Pieschen einen Linie 73-Zwischenbericht präsentieren. Derzeit würden noch einmal Fahrgastzahlen erhoben, erklärte DVB-Sprecher Falk Lösch. In diesem Zusammenhang könnte sich die Fahrgäste auch über die  Fahrstrecke und ihre Mobilität vor dem Start der Linie 73 äußern. Bereits nach den ersten Fahrgast-Reaktionen habe man den Fahrplan für den Umstieg zur Straßenbahnlinie 3 am Trachenberger Platz optimiert. Eine gleichzeitige bessere Anbindung an die S-Bahn funktioniere dann aber nicht, so Lösch. Hier wolle man schauen, wie sich die Umstellung der S-Bahn auf den 15-Minuten-Takt auswirke.

Nach der Rundfahrt mit der Linie 73 wird Schulte-Wissermann noch einmal ganz grundsätzlich. Es geht ihm um den städtischen Zuschuss für die Dresdner Verkehrsbetriebe. Der Betrag von 40 Millionen Euro sei seit 2011 unverändert und müsse dringend angehoben werden. „Wenn nicht, haben wir es bald mit einem geringeren Angebot und höheren Ticketpreisen zu tun“, warnte er. „Was wir aber wollen, sind stabile Preise und ein besseres Angebot“. Dazu gehöre, dass der Quartierbus auf der Linie 73 auch nach der Testphase weiter rollt.

 

 

4 Meinungen zu “DVB-Vorstand präsentiert Zwischenbilanz für Quartierbus Linie 73 im Ortsbeirat

  1. Ich nutze gern den Bus und bin erstaunt, dass er oft gut gefüllt ist. Allerdings finde ich den Anschluss an die S-Bahn verbesserungswürdig und sehe da noch Potential. Ein Anschluss an die 3 ist auch gut, jedoch fährt die Mo-Sa aller 10 Minuten, die S-Bahn meist jedoch nur aller 30 Minuten. Mit dem aktuellen Fahrplan wartet man am HP Pieschen teilweise knapp 30 Minuten auf den Bus.

  2. Ralf Scheibitz 21. April 2018 at 07:01 -

    Ich finde die Linie grundsätzlich gut. Würde mir aber wünschen das der Bus bis zum Heidefriedhof fährt.
    1. ist das große Rehazentrum „BFW“ da würde so mancher gern noch den langen Berg hoch,ohne noch auf die 80 zu warten…
    2. Viele ältere Menschen müssen dann noch einmal umsteigen,um ihre lieben zu besuchen.
    Eine „Wendeschleife“ sowie Haltestellen sind ja schon vorhanden.

  3. die 73 ist fast perfekt. so, wie sich bisher Anwohner der Döbelner -und Weinbergstraße freuen, könnte ich mir gleiche Freude bei den Anwohnern der Neuländer Straße vorstellen, wenn die Linie bis dahin verlängert werden könnte. wünschenswert wäre auch eine zeitliche Verlängerung am Abend. die Weinbergkirche bietet abends viele kulturelle Veranstaltungen, die man per 73 gut erreichen könnte, wäre da nicht der Heimweg. letzter Bus 21 Uhr, aber die Veranstaltung ist noch nicht zu Ende.

  4. …“Der Betrag von 40 Millionen Euro sei seit 2011 unverändert und müsse dringend angehoben werden.“…
    Wie wäre es erstmal im Hause DVBAG zusparen ??? Zum Beispiel am Personal,Mieten und in der Beschaffung, da lassen sich jährlich mehrere Millionen einsparen aber daran ist die DVBAG seit Jahren nicht interressiert. Stattdessen wird das Geld unkontrolliert und ohne nachzufragen aus dem Fenster geworfen. Herr Martin Schulte-Wissermann könnte auch auf sein Geld was er von der DVBAG bekommt (Aufsichtsrat) verzichten. Dieser Artikel ist weder hinterfragt noch gut recherchiert.

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