molenbrücke

Brendler’s Geschichten: Von der Pieschener Molenbrücke zum Elbkies-Ladegleis in der Leipziger Vorstadt

Mit der stählernen „Elberad- und Wanderwegbrücke“, vorgefertigt in der Zwickauer Sonderstahlbau GmbH und von der Hentschke Bau GmbH aus Bautzen sowie der Elektro Dresden-West GmbH errichtet, wurde der Stadtteil Pieschen um ein Wahrzeichen reicher. Von der ehemaligen Fähre im Pieschener Winkel bis hin zur Moritzburger Straße in der Leipziger Vorstadt misst das ausschließlich für den Fußgänger- und Radverkehr vorbestimmte Bauwerk stattliche 670 Meter.

mole Undine

Die Metallskulptur „Undine kommt“, auch ein Pieschener Wahrzeichen, stand bis Oktober 2009 noch auf der Hafenmole. Foto: K. Brendler

Die Metallskulptur „Undine kommt“, bis 2009 noch auf der Hafenmole, hat seit 2010 einen festen Platz am Zugang zur Molenbrücke gefunden. Ihre Schwester, „Undine geht“, steht seit fünf Jahren am Johannstädter Elbufer. Das Skulpturenpaar wurde 1998 im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes „An Elbe und Rhein“ mit Künstlern aus Bonn von Angela Hampel geschaffen. Über die 1956 in Räckelwitz nahe der Lessingstadt Kamenz geborene und seit 1982 als freischaffende Künstlerin in Dresden arbeitende Angela Hampel schreibt Wolfgang Grätz, Inhaber der Büchergilde Buchhandlung & Galerie in Frankfurt/M., unter anderem: „Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik verzichtete sie […] darauf, sich einen Dissidentenbonus zuzueignen, geißelte aber Ignoranz und Arroganz des neuen, westdeutsch geprägten Mainstreams, der die Lebensleistung der Menschen, die in der DDR gelebt hatten, geringschätzte, meist ohne viel oder überhaupt etwas davon zu wissen.“ (Frankfurter Grafikbrief, April 2015)

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Markus Projekt

Für die 2017 übergebene „Markuspassage“ wurde am 14. Juni 2016 der Grundstein gelegt. Foto: K. Brendler

Eine kleine Aussichtsplattform auf der Molenbrücke, der sogenannte „Canalettoblick“, macht es möglich, dass man nicht nur die Silhouette der Dresdner Altstadt, sondern auch Pieschens neue Skyline bestaunen kann. Das Potenzial, ebenfalls ein Pieschener Wahrzeichen zu werden, hat die moderne und großzügig geplante Wohnanlage zwischen Rehefelder- und Konkordienstraße wohl eher nicht.

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Rudiment einer Straßenbahn-Gleisanlage am südlichen Ende der Moritzburger Straße. Foto: K. Brendler

Die 1949 von den Dresdner Verkehrsbetrieben an der Elbladestelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes geplante Gleisanlage wurde ein Jahr später als das „Elbkies-Ladegleis“ in Betrieb genommen. Wie kaum ein anderer kennt der in Langebrück wohnende Mario Schatz die Dresdner Straßenbahngeschichte und selbstverständlich auch die der Gleisanlage auf der Moritzburger Straße: „Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es für die Verkehrsbetriebe lange Zeit das Problem, besonders geeigneten Sand als Bremssand für die Straßenbahnwagen zu beschaffen. Beim Elbschiffer Boden in Pirna-Posta war man schließlich ‚fündig geworden‘. Er baggerte zu dieser Zeit Sand und Kies aus der Elbe und verschiffte beides in eigenen Kähnen zu den Kunden. Um das Ausladen der Elbkähne unter den noch komplizierten Nachkriegsbedingungen zu sichern, bauten die Dresdner Verkehrsbetriebe ein Gleis durch die Moritzburger Straße. Dieses mündete mittels einer Weiche im parallel zur Elbe verlaufenden eigentlichen Ladegleis.“

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Die Gesamtlänge der 1949/50 angelegten Gleisanlage betrug fast 425 Meter (Kartenausschnitt 1978). Quelle: K. Brendler

„Wenn ein Kahn mit Bremssand ankam, wurden alle verfügbaren Kräfte einschließlich der Verwaltung zur ‚Löschung der Fracht‘ mobilisiert. Die mit Sand und Kies beladenen Straßenbahngüterwagen fuhren die Leipziger Straße in Stadtrichtung und weiter zu sämtlichen Straßenbahnhöfen in Dresden. Da der angelieferte Sand nass war, wurde er dort nur abgeladen. Die nächsten Wochen und Monate waren dann die Bereitschaftsdienste mit dem Trocknen beschäftigt.“

mole gleise

Kein „Hingucker“ ist die Drehstuhlweiche mit Gelenkzungen, ein Stück Straßenbahngeschichte aber allemal! Foto: K. Brendler

Mitte der 1960er Jahre hatte das Ladegleis seine Aufgabe als solches erfüllt. Anfangs wurden hier noch Straßenbahnen verschrottet, später diente die Fläche auch als Zwischenlager im Rahmen von Gleisbaumaßnahmen. Heute ist sie noch Lagerplatz des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Dresden.

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Der Sportplatz Eisenberger Straße trug von 1951 bis 1990 den Namen Paul-Gruner-Stadion. Quelle: Archiv Brendler

Das Elbkies-Ladegleis wurde aber hin und wieder auch für den Sonderverkehr bei Sportveranstaltungen genutzt. So füllten am 17. Dezember 1950 zum Oberliga-Fußballspiel zwischen der BSG Sachsenverlag Dresden, dem Vorgänger der heutigen TSV Rotation Dresden, und der BSG Chemie Leipzig nahezu 18.000 zahlende Zuschauer die Traversen des Sportplatzes. 1932/33 auf einem Stück des ehemaligen Elbwerders zwischen Eisenberger- und Moritzburger Straße angelegt, wurde er 1951 nach dem Gewerkschaftsfunktionär Paul Gruner (1890-1947) benannt.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
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