washington strasse haschenz

Brendler’s Geschichten: Seit 1932 ist die Washingtonstraße nach dem ersten Präsidenten der USA benannt

Die heutige Washingtonstraße war zu Beginn des letzten Jahrhunderts nur teilweise ausgebaut. Dieser kurze Straßenabschnitt erhielt im Oktober 1913 den Namen „Am Flugplatz“. Erste Überlegungen zum Bau eines solchen hatte es schon 1911 gegeben, im Oktober 1912 wurde er vom Dresdner Stadtrat beschlossen.

Luftschiffhalle

Militärluftschiffhalle (links), städtische Luftschiffhalle (Mitte), Kasernement für die Verkehrstruppen (r. ). Ansichtskarte (um 1915). Quelle: Archiv K. Brendler

Ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges (1914-1918) wurde der auf Kaditzer Flur angelegte erste Städtische Land- und Wasser-Flugplatz eingeweiht. Die Begrüßungsansprache hielt der Dresdner Oberbürgermeister Gustav Otto Beutler (1853-1926). Als 1922 der „Sonderausschuss Luftverkehr der Stadt Dresden“ die Entscheidung traf, den Heller im Norden der Stadt als neuen Flugplatz auszubauen, begann man 1924 mit der schrittweise Verlegung des Kaditzer Flugplatzes. Nach seiner endgültigen Schließung im Jahre 1927 war letztlich auch der bisherige Straßenname „Am Flugplatz“ nicht mehr zutreffend.

Karte Flugplatz

Kartenausschnitt 1925, in „Als Fliegen noch ein Wagnis war“. Quelle: S. Reinhardt, 2012

Das damalige Flugplatzgelände würde heute von der Washingtonstraße, dem seit 1991 hier ansässigen Hornbach-Markt und dem Elbbogen zwischen Flügelwegbrücke und Flutrinne Kaditz begrenzt. Eingeschlossen sind dabei auch das Gelände des ehemaligen VEB  Transformaturen- und Röntgenwerk Dresden, jetzt Siemens AG sowie andere Unternehmen, und die 1910 in Betrieb genommene Kläranlage Dresden-Kaditz, die sich damals im Gelände des Flugplatzes befand

Kaditzer Bruecke 1930

Einweihung der Kaditzer Brücke am 1. Oktober 1930. Standpunkt Altstädter Brückenkopf. Quelle: Archiv K. Brendler

Im Jahre 1890 hatten die Übigauer Bauern in einer Eingabe an den Sächsischen Landtag den Bau einer Elbbrücke zwischen Friedrichstadt und Übigau gefordert. Gleichermaßen geschah das zwischen 1909 und 1912 auch durch die Kaditzer Nachbarschaft. Doch infolge des Ersten Weltkrieges vergingen bis zum Brückenbau noch einige Jahre. Erst im Zusammenhang mit der Schließung des Flugplatzes 1927 und der Planung eines Industriegeländes auf Kaditzer Flur, beschloss der Stadtrat am 20. März 1929 den Bau der Blechbalkenbrücke, der damals größten genieteten Brücke n Europa. Nach einer „Rekordbauzeit“ von 17 Monaten wurde sie am 1. Oktober 1930 eingeweiht.

Washington George

Porträt von George Washington (1732-1799), 1796 geschaffen von Gilbert Charles Stuart (1755 -1828), einem der führenden Porträtisten Amerikas.

Anderthalb Jahre danach, im Februar 1932, erhielt die Straße „Am Flugplatz“ ihren noch heute gültigen Namen. Anlass war die zweihundertste Wiederkehr des Geburtstages von George Washington, dem ersten Präsidenten der USA. Dazu hatten die Stadt Dresden und die sächsische Staatsregierung in den Plenarsaal des neuen Rathauses zu einer Festveranstaltung eingeladen. Im Rathaus selbst war die Treppenhalle mit einem großen Sternenbanner und frischem Grün festlich geschmückt. Das Podium des Festsaales mit der Büste Washingtons inmitten von Lorbeerbäumen und vielen Blumen glich einem Ehrenhain. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Külz (1875-1948) verkündete in seiner Festrede, dass „…wir von heute ab als äußeres Zeichen der Anteilnahme und Ehrung für Washington eine Straße nach ihm benennen.“

Dresdner Nachrichten

Die am 1. Oktober 1856 erstmals erschienenen „Dresdner Nachrichten“ wurden im März 1943 dem NS-Morgenblatt „Der Freiheitskampf“ zugeteilt. Quelle: Archiv K. Brendler

Im Jahre der Namensgebung war die Washingtonstraße zu beiden Seiten fast unbebaut. In den Zukunftsplänen der „Stadtväter“  hatte sie aber einen festen Platz. Dazu schrieben die „Dresdner Nachrichten“ in ihrer Ausgabe vom 22. Februar 1932: „Die Washingtonstraße ist auf Neustädter Seite der Hauptzugang zur neuen Brücke und zu dem in der Vorstadt Kaditz geplanten großen Industriegelände. Sie ist bereits […] in rund 400 Meter Länge und 30 Meter Breite ausgebaut. Ihre endgültige Länge wird rund drei Kilometer, ihre Breite 40 Meter betragen. […] Sie wird dadurch  die Hauptverbindung zwischen den Lößnitzgemeinden und den Stadtteilen Cotta, Löbtau sowie dem Stadtinneren werden.“ Da die meisten dieser geplanten Vorhaben nicht realisiert wurden, blieb die Washingtonstraße über Jahrzehnte ein durch Felder und Wiesen sowie durch die Kaditzer Flutrinne führender schmaler und teils schlecht ausgebauter Verkehrsweg. Bei Hochwasser musste er in der Regel gesperrt werden.

washingtonsstrasse 90er

Die Washingtonstraße während der Baumaßnahme Ende der 1990er Jahre. Foto K. Brendler, 1998

Erst mit dem Ausbau der Washingtonstraße nach 1990 erhielt sie über die Flutrinne eine etwa 160 m lange Straßenbrücke und wurde mit der Weiterführung bis zur Autobahnanschlussstelle Dresden-Neustadt in ihrem nördlichen Bereich verlängert. Mit den Arbeiten war am 4. März 1997 begonnen worden, die Übergabe erfolgte am 14. August 1998. Derzeit wird die Washingtonstraße saniert.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
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