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Aufsichtsrat fordert Beteiligung der Bäder GmbH an Konzeptausschreibung für Sachsenbad

Die Dresdner Bäder GmbH soll sich aktiv an der geplanten Konzeptausschreibung für das Sachsenbad in Pieschen beteiligen. Einen entsprechenden Beschluss hat gestern Abend der Aufsichtsrat der städtischen Gesellschaft gefasst. Das neunköpfige Gremium war mehrheitlich der Auffassung, dass sich die Geschäftsführung der Bäder GmbH aktiv an den Bemühungen zum Erhalt des Sachsenbades beteiligen soll. „Dies betrifft insbesondere die Erarbeitung eines inhaltlich und wirtschaftlich tragfähigen Betreibungskonzeptes und die Beteiligung an einer Konzeptausschreibung“, heißt es in dem Beschlusstext. Bisher hatte die Geschäftsführung der Bäder GmbH eine Zuständigkeit für das marode Bad in der Wurzener Straße in Pieschen abgelehnt.

Wenn sich kein Investor findet …

„Ich bin froh, dass mein Antrag eine Mehrheit im Aufsichtsrat gefunden hat und wir erstmals eine städtische Gesellschaft hier in die Pflicht nehmen konnten“, sagte Aufsichtsratsmitglied und Linke-Stadtrat Tilo Kießling im Gespräch. Es sei kein gutes Signal, wenn parallel zur Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt Europa ein so wichtiges Denkmal ohne Perspektive bleibe, fügte er hinzu. Mit der Konzeptausschreibung soll ein privater Investor für die Wiederbelebung des Sachsenbades gefunden werden. „Wer davon ausgeht, dass dies funktioniert, ohne dass die Stadt Zuschüsse zahlt, könne auch eine städtische Gesellschaft ins Rennen um das bessere Konzept schicken“, meinte Kießling. Damit wäre zudem sichergestellt, dass für den Fall ein Konzept vorliegt, wenn sich kein Investor finde.

Bauausschuss lehnt Beteiligung städtischer Gesellschaften ab

Während Linke, Grüne und SPD im Aufsichtsrat der Bäder GmbH gemeinsam stimmten, war dies im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaft am Mittwoch nicht der Fall. Dort fanden wichtige Ergänzungsvorschläge zur Vorlage „Konzeptausschreibung für das Sachsenbad“, die der Ortsbeirat Pieschen im April beschlossen hatte, keine rot-grün-rote Mehrheit. Insbesondere fiel die Idee, städtische Gesellschaften an der Ausschreibung zu beteiligen und dafür auch den Kontakt zur einheimischen Wirtschaft zu suchen, in diesem Gremium des Stadtrates durch. Der Grund dürfte darin zu finden sein, dass es quer durch die Fraktionen, so auch bei Grünen und SPD, Anhänger der Idee gibt, in Pieschen auf dem Bahngelände an der Harkortstraße einen Bad-Neubau zu errichten.

Bäderkonzept will Bad-Neubau in Klotzsche

Der Entwurf des Bäderkonzeptes der städtischen Bäder GmbH sieht das jedoch anders. Hier ist von einem Neubau eines Schwimmbades in Klotzsche die Rede. Der soll die Einwohner und die Schulen in den Ortsämtern Klotzsche, Pieschen und Neustadt mit entsprechenden Angeboten versorgen. „Wenn das so geplant ist, muss man erst recht prüfen, ob man nicht mit dem Sachsenbad genauso verfährt, wie damals mit dem Nordbad“, erklärte Martin Schulte-Wissermann, Stadtrat für die Piraten und Mitglied der Linke-Fraktion. Ein Badneubau in Klotzsche sei für die Einwohner in Pieschen weit weg. „Darum ist es umso wichtiger, dass endlich Wasser ins Sachsenbad kommt“, betonte er. Auf die Frage, warum im Bauausschuss keine Mehrheit für die Beteiligung einer städtischen Gesellschaft an der Konzeptausschreibung zustande gekommen sei, antwortete er. „Weil einige meiner Kollegen im Stadtrat die Problematik noch nicht vollständig verstanden haben.“ Auch Schulte-Wissermann ist überzeugt, dass die Stadt eine Variante für den Fall entwickeln müsse, bei dem sich kein Privatinvestor auf die Konzeptausschreibung melde.

Stadtrat entscheidet noch vor Sommerpause über Vorlage zur Konzeptausschreibung

Der Ortsbeirat Pieschen hatte im April beschlossen, Christian Helms (Grüne) in die Sitzung des Bauausschusses zu entsenden, um den Änderungsantrag zu erläutern. Er begrüßte, dass nunmehr zumindest die Vergabe im Erbbaurecht und die Bindung an Fristen für Baubeginn und Fertigstellung für einen potentiellen Investor eine Mehrheit gefunden haben. Für die geforderten Notsicherungsmaßnahmen sollen zunächst die Kosten ermittelt werden. „Wichtig für mich ist, dass es nach mehr als zwanzig Jahren nun eine von allen Fachleuten getragene Vorzugsvariante für die Wiederbelebung des Sachsenbades als Gesundheitsbad gibt“, betonte Helms.

Noch vor der Sommerpause soll der Stadtrat über die Vorlage zur Konzeptausschreibung beraten und abstimmen. Weil Stadträte von AfD und FDP am Mittwoch im Bauausschuss für die Beteiligung einer städtischen Gesellschaft an der Ausschreibung plädiert hatten, wollte keiner der Beteiligten eine Prognose für den Ausgang der Abstimmung im Stadtrat wagen.

Eine Meinung zu “Aufsichtsrat fordert Beteiligung der Bäder GmbH an Konzeptausschreibung für Sachsenbad

  1. In „Die unmögliche Tatsache“ hat der Dichter Christian Morgenstern (1871-1914) Folgendes geschlussfolgert: „Und er kommt zu dem Ergebnis: / Nur ein Traum war das Erlebnis. / Weil, so schließt er messerscharf, / nicht sein kann, was nicht sein darf.“ – So viel angesichts der nun fast ein Vierteljahrhundert andauernde Geschichte vom Erhalt des denkmalgeschützten Sachsenbades, das 1929 als „Volksbad Dresden-Neustadt Nordwest“ eröffnet und 1994 geschlossen wurde.