Ateliergemeinschaft Schwarz_Hermann 0606

Ingolf Hermann und Ricardo Schwarz: Ideen, die bleiben und eine Freitagskultur

Bevor die Sommerpause beginnt, lädt die Ateliergemeinschaft Ingolf Hermann und Ricardo Schwarz am 10. Juni noch einmal zum Konzert. Im Rahmen der Freitagskultur sind diesmal die Dresdner Liedermacher Romy Räubertochter und Florens Thamm zu Gast. Der Eintritt ist frei. Wie gewohnt wird für die Künstler ein Hut herumgereicht.

Seit reichlich drei Jahren bieten die beiden Künstler allen Kulturinteressierte in den Räumen ihrer Ateliergemeinschaft in der Leisniger Straße 24 einmal im Monat ein Konzert oder eine Lesung an. Im Dezember 2012 sind der Maler Ricardo Schwarz  und der Töpfermeister Ingolf Hermann in die Ladenräume eingezogen.

Ateliergemeinschaft Hueter_Figur 0606

Mit seiner Modepuppe „Hüter-Figur“ war Ingolf Herrmann gerade auf der Kunstaktivmesse „NEUE ArT“ . Foto: privat

Den vorderen Teil hat sich Ricardo Schwarz eingerichtet. Seine farbenfrohen abstrakten Bilder zieren die Wände. An der Decke hängen verschiedene Handpuppen, die er auf einem Markt entdeckte und gleich in sein Herz schloss. Ein paar Stufen hinauf geht es in den hinteren Bereich des Raumes, in die Töpferei.

Vom erstem Moment an war beiden klar: Der Raum ist so schön, der soll nicht nur zum Arbeiten genutzt werden. So hörten sie sich zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis um und fanden die ersten Künstler, die im Atelier auftraten. Von Leseabenden über klassische Musik, bis hin zu Rock und Pop oder Liedermachern ist alles dabei. Etwa 60 Gäste finden im Atelier Platz. Inzwischen hat sich dieses kulturelle Kleinod derart herumgesprochen, dass Künstler von sich aus nach einer Auftrittschance im Atelier fragen.

Töpfermeister Hermann hatte viele Jahre ein Ladengeschäft in der Dresdner Neustadt. Außerdem rief er den Töpfermarkt am Goldenen Reiter ins Leben. „Das ist mein Baby“, meint er und verweist darauf, dass es in diesem September 21 Jahre alt wird. Zudem initiierte er die Kunsthandwerkerpassagen an der Hauptstraße. Der 51-Jährige begann direkt nach der Schule eine Ausbildung zum Töpfer. Er ist in Pulsnitz aufgewachsen und ganz automatisch mit den Töpferläden in der Stadt groß geworden. 17 Lehrlinge hat er als Meister ausgebildet. Gebrauchs- und Kunstkeramik stellt er in seinem Atelier gleichermaßen her. Verschiedene Geschirre, Rauminstallationen und Figuren gehören zu seinem Repertoire. Dabei dreht er alles auf seiner Töpferscheibe. Eine besondere Rolle spielen bei ihm Modepuppen. Für diese gestaltet er ganz unterschiedliche Charakterköpfe. Gemeinsam mit Ricardo Schwarz präsentierte er seine Arbeiten am vergangenen Wochenende auf der Kunstaktivmesse  „NEUE ArT“ in Dresden. Bereits im Vorfeld der Messe waren seine Werke sehr gefragt. Vor zwei Jahren gelang es den beiden gemeinsam mit der Malerin Simone Ghin, den leer stehenden Schleckerladen in der Oschatzer Straße mit einem Künstlermarkt für eine Woche zum Leben zu erwecken. Seit Dezember 2015 ist mit dem türkischen Istanbul Market wieder dauerhaftes Leben eingezogen.

Ricardo Schwarz hat als gelernter Kaufmann erst einige Jahre im Einzelhandel gearbeitet, bevor er 2011 sein Atelier eröffnete. Schon als Kind nahm er an Kunstwettbewerben teil und schuf Illustrationen für Schülerzeitungen und Schulprojekte. Seine Bilder sind inzwischen nicht nur in Deutschland sondern auch im Ausland zu sehen, ganz aktuell in New York. Bis Ende Juni läuft noch die Ausstellung seiner Werke bei SAP Dresden am Postplatz, auch in der Kümmelschänke in Omsewitz kann man sie sehen.

Ateliergemeinschaft Ricardo Schwarz 0606

Ricardo Schwarz malt und gibt Kurse in Schulen , Kitas und im Pflegeheim – und seit kurzem auch in der DAZ-Klasse. Foto: Claudia Trache

In den letzten Jahren hat Schwarz verschiedene Maltechniken ausprobiert, bevorzugt im Augenblick jedoch Acrylmischtechniken. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, muss er mehr tun, als malen. „Nur vom Bilderverkauf kann ich nicht leben“, gibt der 27-Jährige offenherzig zu. Weil er Kunst als eine Form der Kommunikation versteht, die er Jung und Alt vermitteln möchte, hat er sich entsprechend umgeschaut. Jetzt arbeitet er mit verschiedenen Schulen, einer Kindertagesstätte und einem Pflegeheim zusammen und gibt Malkurse. Aktuell plant er einen Wochenendkurs für Malbegeisterte auf einem Dreiseithof in Grumbach.

Die Arbeit mit den Senioren sei eine ganz besondere Herausforderung. „Einige Ältere wollen einfach malen, andere muss man erst dazu ermutigen. Oft ist das ein Prozess des sich wieder Begegnens“, so die Erfahrung des jungen Mannes. Seine vermutlich älteste Teilnehmerin war 93 Jahre alt. Interessant ist für ihn auch die Arbeit in einer DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) an der 101. Oberschule in der Johannstadt. Seit einem halben Jahr geht er dort zum Malen hin. „Diese Schüler haben oft viel mehr Lust, sich auf verschiedene Maltechniken einzulassen und etwas auszuprobieren. Sie sind noch nicht so übersättigt mit zu vielen Aktivitäten“, erzählt Schwarz.

Der Maler ist voller Ideen. Der Weihnachtsmarkt an der Markuskirche geht auf seine Initiative zurück. Vor ein paar Jahren fiel ihm auf, dass es im Stadtteil zwar den „Advent in Pieschen“ gibt, aber eigentlich noch ein kleiner niedlicher Weihnachtsmarkt fehlte. Kurz nachdem er diesen Gedanken ausgesprochen hatte, bot ihm die Kirchgemeinde an, dafür das Gelände vor der Markuskirche zu nutzen. In diesem Jahr wird es dort am vierten Advent bereits den vierten Weihnachtsmarkt geben. Zehn bis zwölf Stände von Händlern aus dem Stadtteil werden dann wieder auf dem Rondell vor der Kirche aufgebaut sein.

Die von Ricardo Schwarz und Ingolf Hermann organisierte „Freitagskultur“ geht nach dem Juni-Konzert erst einmal zwei Monate in die Sommerpause. Am 16. September startet mit der Pop-Rock-Band „Sedony“ die nächste Saison.

Service:
WAS: Freitagskultur lädt zum Liederabend mit Romy Räubertochter und Florens Thamm
WANN: Freitag, 10. Juni 2016, 20.15 Uhr
WO: Ateliergemeinschaft Ingolf Hermann und Ricardo Schwarz, Leisniger Straße 24
WIEVIEL: Eintritt frei, der Hut geht herum, Münzen und Geldscheine nicht vergessen

0 Meinungen zu “Ingolf Hermann und Ricardo Schwarz: Ideen, die bleiben und eine Freitagskultur

Das könnte Sie auch interessieren …

Brendler’s Geschichten: Die ersten Fotoraketen stammen aus Trachau

Der Beitrag über die ersten aus Trachau stammenden Fotoraketen war 1960 in der Zeitschrift „Dresdner Monats-Blätter“ abgedruckt. Darin >>>

Pieschener Verein JUG Saxony lädt zur Weihnachtsfeier und zeigt „Zwei schräge Vögel“

Zu einer etwas anderen Weihnachtsfeier als in den vergangenen Jahren lädt der Verein JUG Saxony ein. JUG steht für Java User Group. Deren >>>

Baumaschine und Weihnachtsbäume gestohlen

Unbekannte sind auf eine Baustelle an der Washingtonstaße in Übigau eingedrungen und haben dort einen Rüttelstampfer im Wert von ca. 1.700 >>>

Stadtbezirksbeirat bewilligt Mittel für Kleingärtner, Lastenrad und Schülerbeteiligung

Der Stadtbezirksbeirat hat am Dienstag rund 110.000 Euro für die Förderung von Projekten bewilligt. Damit haben die Beiräte von dem 535.500 >>>

A message to you, Rudi: Noch kein größeres Amateurtheater erlebt

Mein erster Abend im Theaterhaus Rudi war zugleich der letzte für das Stück „Heimatabend – ein Tauchversuch“. Das bislang >>>