Familie Otte. Seit 13 Jahren ansässig in Pieschen

Bäckermeister Otte liebt Quarkinis zum Entspannen

… und damit ist nicht der Verzehr gemeint, sondern die Herstellung. Denn, so plaudert seine Frau Oxana aus dem Nähkästchen, dabei entspanne sich Bäckermeister Jürgen Otte am meisten. Fettbäckerei als Entspannungsübung – warum nicht? Das frühe Aufstehen ist nur eine von zahlreichen Mühen, die das Backhandwerk mit sich bringt. Vor allem, wenn man gleich vier Filialen betreibt.

„Ich habe Mehl im Blut“, sagt Jürgen Otte. Das klingt ungesund, ist aber nicht wörtlich zu verstehen. Jürgen Otte wurde als Bäckerssohn in Dittersbach bei Glashütte geboren. Sein Vater war lange Zeit Betriebsleiter in der Bäckerei Müller auf der Kesselsdorfer Straße, bevor er eine eigene Bäckerei in seinem Heimatdorf im Erzgebirge eröffnete. Die wird jetzt von Ottes Bruder geführt. Jürgen Otte selbst legte einige Kilometer zurück, bevor er sich mit seiner Frau in Dresden niederließ.

Als Lkw-Fahrer tingelte Jürgen Otte durch Deutschland: Hildesheim, Salzgitter, Stuttgart, Koblenz. Geladen hatte er regelmäßig 25 Tonnen Zucker, die er an große Lebensmittelfirmen lieferte. So richtig zufrieden war er damit nicht. Verwandte drängten ihn: „Mach das, was du gelernt hast“ und so verdiente sich Otte seinen Bäckermeisterbrief und arbeitete in Bäckereien in Westdeutschland. Nach der Wende half er seinem Bruder in der Heimat, bevor es ihn von dort wieder fortzog: ins Ausland. London traf nicht seinen Geschmack. Zu kleine Wohnungen, zu teuer. Er bewarb sich weiter und wurde auf Zypern bei einem großen Backmittelhersteller angenommen. Ein Jahr lang führte er den dortigen Bäckern die Produkte vor und lehrte die Herstellung.

Die Filiale der Ottes auf der Hallschen Straße

Die Filiale der Ottes auf der Halleschen Straße

Kommt Jürgen Otte denn endlich nach Dresden? Noch nicht. Es folgten noch zwei Jahre in Istanbul, eine Stippvisite in Neubrandenburg („Langweilig!“) und die Rückkehr nach Zypern in den von ihm unterstützten Bäckerbetrieb, dem er noch heute freundschaftlich verbunden ist und den er regelmäßig besucht. „Die beschäftigen jetzt 50 Mitarbeiter!“

Von dort ging es nach Rüsselsheim. „So richtig zufrieden war ich mit meinem Einkommen aber nicht“. Und nun kommt Otte, mittlerweile 40 Jahre alt, gemeinsam mit seiner Frau Oxana nach Dresden, im Jahr 2003. Die Meinung der Gattin war für die Wahl der Stadt nicht unerheblich: „Ich fand Dresden wunderschön!“

Zielstrebig ging es voran: die erste Filiale war die auf der Halleschen Straße. Es folgten gleich drei Filialen in einer Nacht, samt MitarbeiterInnen übernommen von der Bäckerei Seiboth. „Das werde ich nie vergessen!“, sagt Oxana Otte. Es wurde umgebaut und ausgebaut, die erste Woche standen die Ottes 15 Stunden pro Tag hinter dem Tresen. Nun sind es weniger. Ein hartes Pflaster ist das Handwerk dennoch. „In der Metro gibt es mittlerweile Brötchen aus China, den Sack für fünf Euro“, berichtet Oxana. Zu dieser billigen Konkurrenz kämen die Stromauflagen und Verordnungen: „Anfang 2017 müssen wir uns per Gesetz eine moderne Kasse anschaffen.“ Der Preis liegt im vierstelligen Bereich, pro Filiale. „Früher brauchte ich für die Buchhaltung zwei Stunden am Tag, heute acht“, sagt Oxana.

Ob sie ihren Töchtern das Handwerk nahe legen, wissen die Ottes noch nicht. Erst einmal haben sie ihnen eigene Kreationen gewidmet: das Victoria- und das Elisabethbrötchen und, vielleicht ein kleines Zugeständnis an sich selbst, die Scharfe Mama und das Papabrötchen ins Sortiment genommen.

Bäckerei Jürgen Otte
Hallesche Straße 9
Internet: www.baeckerei-otte.de

 

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