Kristin Hofmann über den Tauschschrank: „Überrascht, wie gut das läuft“

Gute Ideen dauern an. Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es den liebevoll verfertigten und eingerichteten Tauschschrank samt solarbetriebener Beleuchtung am Haus der Begegnung in der Großenhainer Straße in Pieschen.  Kürzlich hat jemand vier Türen aus Plexiglas geklaut. So what, weiter geht’s.

Der Dieb könnte die Türen auch wieder zurückbringen … Foto: J. Gawlik

Möglich wurde der Tauschschrank zum einen durch städtische Förderung (Zukunftststadt 2022) und außerdem steckt eine Menge ehrenamtlicher Arbeit drin: „Ich war völlig überrascht wie gut das läuft. Die Leute kümmern sich mittlerweile selbstständig darum“, berichtet die Initiatorin Kristin Hofmann, die auch Geschäftsführerin des Stadtverbandes der Partei Die Linke ist. Sachen werden geborgt und andere hinterlassen. Bücher, Kleidung, Kinderspielzeug, damit man es nicht kaufen muss. Ein schönes Konzept fürs Viertel.

„Stell rein – nimm mit!“

Es gibt, basierend auf Vertrauen, nur diese eine Regel am Tauschschrank. Man holt etwas heraus und stellt etwas hinein. Sicher holt man manchmal etwas heraus, ohne etwas hineinzutun, aber irgendwann tut man auch etwas hinein, ohne etwas herauszuholen. Das scheint manch einer nicht ganz kapiert zu haben.

In der Mitte ist Platz für einen Kühlschrank. Foto: J. Gawlik

Dass die vier Türen geklaut worden sind, ist nicht nur ärgerlich, „weil es reinregnet“, sagt Kristin Hofmann lächelnd. Es muss einfach umgedacht werden. Und das ist ernst gemeint: „Wir haben einen kleinen roten Kühlschrank, in dem wir Lebensmittel zum Tauschen und Weitergeben anbieten möchten. Jetzt müssen wir erstmal überlegen, wie wir ihn abgesichert einbauen können.“ Ähnlich Fairteiler-Angebote gibt es auch an anderen Standorten in Pieschen.

Tellertausch & Gläserrücken

Der Tauschschrank wird bleiben. Weiterhin verknüpft bleibt er mit dem Konzept „Tellertausch und Gläserrücken“. Kristin Hofmann verwaltet im Haus der Begegnung einen riesigen Fundus an Geschirr, das man „kostenlos und unbürokratisch“ ausleihen kann. Das können Studentenpartys oder Hochzeiten sein. Gerade erst wurden „fünf Partys mit unserem Geschirr veranstaltet, deshalb ist der Fundus ein wenig leer“, berichtet Hofmann. Das klingt wie ein Scherz, denn die Regale sind weiterhin voll.

Das Tellertausch-Lager ist sehr gut gefüllt. Foto: J. Gawlik

Spenden sind immer willkommen.  Ob Kisten voller Bücher, Kleidung oder Geschirr: Was nicht im Haus der Begegnung gebraucht wird, weil doppelt vorhanden oder anderswo mehr benötigt, wird an entsprechende Stellen weiterverteilt.

Außerdem möchte Kristin Hofmann anregen: „Nachahmer sind gern gesehen.“ Vereine oder Initiativen außerhalb der Stadt können sich Tipps holen.

Expansions-Phantasien

Die Internet-Domain „tellertausch“ ist gesichert. In nächster Zeit sollen weitere Schränke entstehen und noch mehr Menschen helfen. Wichtig dabei ist, dass es kaum ohne Förderung und Ehrenamt geht. Umso wichtiger, dass jeder den Schrank pflegt und niemand die Plexiglastüren klaut. Wer Interesse hat, kann sich auf der bestehenden Dresdner Seite umschauen. Das unbürokratische Tauschkonzept ist in 10 Sprachen auf der Internetseite übersetzt. Das Projekt  „Tellertausch und Gläserrücken“ hatte Kristin Hofmann 2016 in Pieschen gestartet.

>> mehr über Tellertausch und Gläserrücken

10 Meinungen zu “Kristin Hofmann über den Tauschschrank: „Überrascht, wie gut das läuft“

  1. Jörg sagt:

    Sehr gute Idee bitte mehr davon wollte auch schon mal schauen

  2. hasso peter sagt:

    Für sowas gibt die Stadt Geld aus? Irgendwann entsorgen die Leute nur noch ihren Schrott dort, den sie zu entsorgen zu faul sind.

    • Schweesdo Onie sagt:

      Oft frage ich mich, was für ein Menschenbild manche Mitbürger so haben. Auch ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich von mir auf andere schließe und muss mir klar machen, dass das zwar naheliegend (und weit verbreitet), aber nicht wirklich sinnvoll ist. Und schließlich frage ich mich immer mal wieder, ob Kommentatoren eigentlich die Texte lesen, zu denen sie ihre Elaborate verfassen. Aber möglicherweise kommen gute Nachrichten bei manchen Mitmenschen einfach schlecht an.
      Ich jedenfalls finde das Projekt sehr gut und möchte mich gerne auf diesem Weg bei allen bedanken, die es (und auch den Bücherschrank am Konkordienplatz) am Leben erhalten.

    • Ludo sagt:

      Lieber hasso peter,
      Bitte schließe nicht von dir auf andere. Es gibt hoffentlich genügend rücksichtsvolle und engagierte Menschen, die den Tauschplatz ordentlich am Leben halten. Ein unterstützenswertes Projekt in meinen Augen.

    • Jo sagt:

      Was ist denn nur mit ihnen los? Bisschen viel hasso im Peter?

      Durch Projekte wie dieses entsteht doch gerade weniger Müll, weil die Leute, anstatt Dinge die noch gut sind, wegzuschmeißen, finden sie einen neuen Besitzer, der sie zu schätzen weiß. Außeredem wird so weniger konsumiert, also Neu gekauft, was zusätzlich die Umwelt entlastet.

      Menschen und Äußerungen wie ihre lassen mich manchmal wirklich an der Menschheit zweifeln… Irgendwie schade für sie, anstatt sich drüber zu freuen, kommt ihnen die Galle, weil sie es einfach nicht peilen.

    • Also die Stadt hat den Tauschschrank ja gefördert im Rahmen des Zukunftsstadt-Projekts 2022. Viele weitere gute und sinnvolle Projekte haben aus diesem Topf Fördermittel bekommen.

      Es können sich alle Vereine bewerben, die etwas beizutragen haben. Letztes Jahr hat eben Tellertausch & Gläserrücken einen großen Batzen abbekommen.

      Von dem Geld ist übrigens außerdem noch ne Außenstelle in Prohlis und Plauen finanziert worden und die Homepage ging an den Start etc.

      Wenn du findest, dass städtische Gelder anderswo besser zu verwenden wären, melde dich gern mal im Haus der Begegnung, vielleicht finden wir ja Mittel und Wege, deine Ideen umzusetzen, Peter.

      Übrigens: Was des einen Müll ist des anderen Schatz.

      Ich freue mich, wenn du mal vorbei kommst und mit mir drüber plauderst oder / und den Schrank nutzt.

  3. *** sagt:

    Die Idee ist grandios!
    Es wird viel zu viel weggeschmissen.
    Hoffentlich bringt der jenige die so wichtigen Türen zurück!
    Wir sollten alle einander helfen in dieser Zeit.
    Ist es nicht immer ein geben und nehmen?!
    Weiterhin viel Erfolg!!!

  4. Marion sagt:

    Eine tolle Idee mit dem TAUSSCHRANK
    Für zahlreiche Gegenstände kann dieser genutzt werden.
    Aber mit dem Einbau eines kleinen Kühlschranks wäre etwas Vorsicht geboten; denn Lebensmittel sind nur begrenzt haltbar – auch wenn sie gekühlt werden; es sei denn: Jeder, der davon Gebrauch macht, achtet darauf, dass die darin enthaltenen Lebensmittel immer frisch und somit genießbar sind.😋😊

  5. Marion Hunger sagt:

    Tolle Idee mit dem TAUSSCHRANK
    Dieser kann für zahlreiche Gegenstände genutzt werden.
    Mit dem Einbau eines roten Kühlschranks (dieser wäre ein sichtbarer Farbtupfer in diesem EINBAUSCHRANK) wäre aber etwas Vorsicht geboten. Lebensmittel sind nur begrenzt haltbar. Diese sollten daher möglichst immer frisch sein.
    Jeder, der ihn nutzt, sollte darauf achten.

  6. Hr. Lehmann sagt:

    Interessante „Disko“ssion 😉
    Ich war letzte Nacht mit dem kleinen Hund aufn Bierchen und ne Wurscht an der der Tanke, und hab mir dankend 3 tiefe Teller für die WG mitgenommen. Fetzt!

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