Brendler’s Geschichten: Die Schulhäuser in Trachenberge, Teil 2

Über die Aufgaben des Schulwesens nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) schrieb im Mai 1947 der Städtische Archivrat Dr. Heinrich Butte (1886-1963) in „110 Jahre Stadtverordnete zu Dresden 1837-1947“ wie folgt: Es waren „… wichtige Entscheidungen im Hinblick auf die Vereinheitlichung des Dresdner Volksschulwesens und den Wegfall der Unterscheidung von Bezirks- und Bürgerschulen […] zu treffen.“

Niederschlag fand das im „Übergangsgesetz für das Volksschulwesen“, verabschiedet am 22. Juli 1919. Drei Monate zuvor waren auf Anordnung des sächsischen Kultusministeriums schon alle Bürger- und Bezirksschulen in Volksschulen umgewandelt und auch so benannt worden.

Im April 1919 wurden alle Dresdner Bürger- und Bezirksschulen in Volksschulen umbenannt. Foto: K. Brendler

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In den Jahren zwischen 1910 und 1940 gehörten dem Lehrerkollegium auch Friedrich Alwin Weiske, Martin Alwin Gottlöber und Johannes Kurt Rübner an. Alle drei waren nicht nur langjährig im Schuldienst tätig, sondern beschäftigten sich darüber hinaus erfolgreich mit der Geschichte Trachenberges.

Während sich Weiske und Gottlöber besonders mit dem einstigen Vorwerk „Wilder Mann“, dem „Weinbau an den Trachenbergen“ sowie dem „Alten Weingut“ befassten und ihre Ergebnisse in den damaligen Tageszeitungen veröffentlichten, zeichnete sich Rübner vor allem als Kinder- und Jugendbuchillustrator aus.

Eintrag von Kurt Rübner ins Poesiealbum einer Schülerin aus Trachenberge, die von 1932 bis 1940 die 28. Volksschule Dresden besuchte. Quelle: Archiv K. Brendler

Kurt Rübner, geboren am 13. November 1875 in Waldheim/Sa., fand nach dem Besuch des Lehrerseminars in Grimma 1896 als Hilfslehrer an der 1876 eröffneten Schule der Gemeinde Trachenberge eine Anstellung. Nach fünfundvierzig Jahren schied er 1941 aus dem Schuldienst und trat in den Ruhestand.

Kurt Rübners Stärke als Illustrator lag in humorvollen, kindhaften und volkstümlichen Szenen, die er oft mit kleinen Versen verband. Seine ein wenig an Wilhelm Busch (1832-1908) und Ludwig Richter (1803-1884) erinnernden Zeichnungen waren vor allem in der Jugendliteratur und in verschiedenen Schulbüchern bekannt.

Die Stadt Dresden verlieh Kurt Rübner 1947 eine Ehrenurkunde für die Mitgestaltung der Weihnachtsmesse in der damaligen Nordhalle (heute Militärhistorisches Museum Dresden) und widmete ihm anlässlich seines 80. Geburtstages eine Ausstellung im Dresdner Stadtmuseum. Am 14. Oktober 1965 verstarb Kurt Rübner, sein Grab befindet sich auf dem St. Pauli-Friedhof Dresden.

Zeugnisköpfe und Schulstempel – ein Spiegelbild der DDR-Schulgeschichte. Montage: U. Meyer-Clasen

Nach den Jahren der Weimarer Republik und denen des sogenannten Dritten Reiches wurde ab August 1945 die Wiederaufnahme des regulären Schulbetriebes sowie die Ausarbeitung neuer Lehrpläne vorbereitet. Einen Monat später ordnete die Landesverwaltung Sachsen den Beginn des neuen Schuljahres für den 1. Oktober an. Anzumerken ist, dass die 1886 benannte Marienhofstraße im Gründungsjahr der DDR 1949 den Namen des russisch-sowjetischen Schriftstellers Maxim Gorki (1868-1936) erhielt.

Bis 1952 mussten die Schüler der nun achtklassigen 28. Grundschule das Schulhaus mit Schülern der 40. Grundschule Dresden teilen, deren Gebäude seit 1946 anderweitig genutzt wurde. 1954 zog dann die im gleichen Jahr gebildete 94. Grundschule Dresden in den linken Teil des Schulhauses und begann mit dem Unterricht. In den Klassen dieser Schule lernten bis 1956 deutsche und koreanische Kinder gemeinsam. Noch bis August 1960 wurde sie als 94. Mittelschule Dresden weitergeführt.

Auf der Grundlage des „Gesetzes über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der DDR“ vom 2. Dezember 1959 wurde ab September 1960 die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule (POS) eingeführt. Aus der 28. Grundschule und der 94. Mittelschule entstand die 28. POS. Am 6. Mai 1965 wurde ihr der Name „Otto Buchwitz“ verliehen, nachdem die Pionierfreundschaft diesen Namen schon seit 1952 trug. Im letzten DDR-Schuljahr (1990/1991) besuchten in den 27 Klassen insgesamt 591 Schüler das Schulhaus in der Maxim-Gorki-Straße.

BSZ Karl August Lingner

Für den Neubau wurden zwei alte Schulhäuser abgerissen. Foto: K. Brendler

Am 21. Juni 1991 beschloss der Sächsische Landtag das „Schulgesetz für den Freistaat Sachsen“. In Kraft getreten am 1. August 1991, ersetzte es die bisher einheitliche Schulbildung der DDR durch ein gegliedertes Schulsystem mit Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien.

So entstand aus der damals 28. Polytechnischen Oberschule „Otto Buchwitz“ eine selbstständige Mittel- und eine ebensolche Grundschule. Erstere wurde am 23. August 2000 und Letztere am 31. Juli 2002 geschlossen.

Festzustellen bleibt: Das Schulhaus in der Maxim-Gorki-Straße wurde rekonstruiert und um einen Neubau erweitert. Seit März 2007 hat hier das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Gesundheit und Sozialwesen „Karl August Lingner“ ein neues Zuhause. Im Lehrgebäude (Haus D) in der Döbelner Straße Nr. 8-10 befinden sich sowohl Verwaltungs- als auch Unterrichtsräume.Die denkmalgeschützten Trachenberger Schulhäuser aus den Jahren 1876 und 1883 wurden zugunsten des Erweiterungsbaus und einer Sporthalle des BSZ im Herbst 2004 abgerissen.

An dieser Stelle sei dem Trachenberger Stadtteilhistoriker Uwe Meyer-Clasen (Jg. 1941) gedankt. Seit langem schon „versorgt“ er den Autor von „Brendler’s Geschichten“ mit Text- und Bildmaterial zur Geschichte Trachenberges.

Uwe Meyer-Clasen (r.) während einer Igeltour-Führung über den St. Pauli-Friedhof Dresden. Foto: K. Brendler

Viele Jahre seines Arbeitslebens im VEB Transformatoren- und Röntgenwerk Dresden-Übigau beschäftigt, übernahm Uwe Meyer-Clasen 2008 die stellvertretende Leitung der im letzten Jahr beendeten Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest. Außerdem stellte er sein umfangreiches heimatgeschichtliches Wissen auch als Stadtteilführer bei Igeltour Dresden zur Verfügung. Uwe Meyer-Clasen verfasste neben anderen auch die 2013 erschienene Publikation „Das Weinbergschlösschen Trachenberge…“.

Hier kann man Teil 1 von Brendler’s Geschichten: Die Schulhäuser in Trachenberge nachlesen. (Das war der einhundertste Beitrag in der Serie „Brendler’s Geschichten“)

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Stadtbezirk Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor war von 2007 bis 2023 Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und von 2002 bis 2022 Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
>> zum Archiv von Brendler’s Geschichten

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