Änne Stange zieht die Reißleine und sucht Nachfolge für ihr Café

Ännes Café sucht einen neuen Chef oder eine neue Chefin. Das kleine Café in der Konkordienstraße in Pieschen hat sich seit dem Start im Februar 2017 zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Stammkunden lieben besonders das warme Mittagsangebot, gern auch in der Sonne – egal zu welcher Jahreszeit. „Ich brauche eine Auszeit“, begründet Inhaberin Änne Stange ihre Entscheidung und hofft bis März auf eine Nachfolge-Lösung.

„Ich mache alles selbst. Das hat sich einfach so entwickelt“, sagt die 43-Jährige. Und so steht es auch auf der Tafel vor dem Café: Änne kocht, Änne backt, Änne belegt, Änne serviert. Und was noch dazu gehört: Änne macht Buchhaltung, checkt die Mails, muss alle Zutaten einkaufen und putzt auch selbst. „Jetzt merke ich, dass mir die Luft ausgeht. Es ist einfach zu viel für eine Person, trotz der zeitweisen Unterstützung im Service“, erzählt sie. Es bleibe keine Zeit mehr für die Familie mit den zwei Töchtern und dem Mann, der ebenfalls in der Gastronomie arbeitet. Das drücke aufs Gemüt, mache ständig ein schlechtes Gewissen.

Gemütlicher Gastraum mit Fenster-Bar. Foto: W. Schenk

„Aber ich will jetzt gar nicht jammern, sondern dafür sorgen, dass der Betrieb im Café weitergeht. Das ist mir enorm wichtig“, betont Änne Stange. 22 Sitzplätze, ein Kaffee-Tanten-Tisch und ein Kuchen-Onkel-Tisch sowie Liegestühle und Sonnenschirme gehören zur Ausstattung. Zum Mittagstisch wählt Änne Stange aus etwa 65 Rezepten täglich zwei für das Tagesangebot aus. Sie sind vegan, vegetarisch oder mit Fleisch. Hinzu kommen Quiche und Kuchen. Selbst gebacken.

Auch die immer wieder interessant belegten Stullen gehen durch ihre Hände. Im Februar 2023 hat sie entschieden, den Namen Gemüsetorte zu ändern. Seitdem heißt es Ännes Café, weil eben alles mit ihrem Namen verbunden ist. Die Hoffnung, dass sich damit nach der Corona-Krise noch einmal ein Aufschwung verbindet, hat sich nicht erfüllt.

Beliebt bei den Gästen: Der Kaffeetantentisch. Foto: W. Schenk

„In der Gastronomie zu arbeiten ist anstrengend, auf körperlicher und sozialer Ebene. In der Selbständigkeit alles richtig zu machen, ist sehr aufwändig – beides zusammen ist allein auf Dauer nicht zu schaffen“ erklärt die gelernte Restaurantfachfrau und Betriebswirtin. Der Ausblick, den die Politik mit der Rückkehr zur 19-Prozent-Mehrwertsteuer bietet, mache auch keinen Mut.

Dabei hat sich Änne Stange nicht nur um ihr Café gekümmert. Sie hat sich im neu gegründeten Stadtteilbeirat Pieschen und Mickten engagiert und mit der Stadtverwaltung um eine angenehmere Atmosphäre im Außenbereich vor dem Café gerungen. Und von einer Oschatzer Straße mit einer viel besseren Aufenthaltsqualität geträumt.

Der Verkaufstresen mit Kaffee- und Espressomaschine und Kuchenbar. Foto: W. Schenk

Jetzt legt sie einen Stopp ein. „Ich habe mich entschieden, die Reißleine zu ziehen, bevor es ernst wird“, sagt Änne Stange. Sie braucht jetzt Zeit, um zu überlegen, wie es die nächsten zwanzig Jahre ihres Lebens weitergehen soll. „Davor habe ich keine Angst. Da bin ich zuversichtlich.“

Offizielle Adresse: Oschatzer Straße 15, der Eingang ist in der Konkordienstraße. Foto: W. Schenk

Die Zuversicht gilt auch für das Café. „Es hat absolut Potential. Der Mittagstisch ist gut etabliert. Wer weiß, was mit längeren Öffnungszeiten, Frühstück am Wochenende und anderen Ideen noch alles möglich ist“, sagt sie und fügt hinzu. „Ich würde mich sehr freuen – und die Stammgäste sicher auch -, wenn sich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin mit Energie und Tatendrang findet, um das Café unter neuem Namen weiterzuführen.“

Zum Thema:

Ännes Café
Oschatzer Str. 15 / Eingang Konkordienstraße
01127 Dresden-Pieschen

für ernst gemeinte Anfragen: post@gemuesetorte.de

 

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14 Meinungen zu “Änne Stange zieht die Reißleine und sucht Nachfolge für ihr Café

  1. Andreas sagt:

    Dieses Land ist so unfreundlich, was kleine Unternehmer betrifft. Hohe Steuerlast und Bürokratie, solange bis alle gesunden und herzlichen Angebote durch sterile Ketten ersetzt sind.

  2. T. Schumann sagt:

    Auf mich wirkten die davorsitzenden Damen und das ganze Drumherum alles zu zwanghaft, klischehaft nach Öko, Berlin Mitte und so. Ja ich weiß, das war ganz bestimmt nicht so und ist ja auch mein Problem. Ich gebe ja nur meinen Eindruck wieder und den Grund warum ich immer nur vorbeigegangen bin. Ich hatte ja schon ein zwei andere Artikel hier über das Cafe gelesen und möchte nun nach den Schließungsplänen gern der Änne meinen höchsten Respekt aussprechen.
    Hut ab vor so viel Engagement. Alles was ich gelesen habe, hast Du dort offensichtlich mit sehr viel Liebe und Einsatz gemacht. Es ist wirklich toll zu wissen, das es noch solche fleißige Menschen gibt und gleichzeitig traurig, das sich unsere Ampelpolitik mehr um ihren äußeren Schein und die Probleme anderer Länder kümmert. Liebe Änne, genieße die hinzugewonnene Zeit mit Deiner Familie. Alles Gute!

    • Änne Stange sagt:

      Vielen Dank für deinen ausführlichen und ehrlichen Kommentar! Tatsächlich sollte hier nix zwanghaft und öko sein (hast du ja auch schon reflektiert), eigentlich hab ich mich immer bemüht, auch „nur ein Café“ zu sein 😉 grundsätzlich ist es ja aber absolut zu begrüßen, dass es in einem bunten Viertel eine bunte gastronomische Auswahl gibt – für jeden Geschmack etwas…

  3. Schweesdo Onie sagt:

    Alles Gute für die Zukunft, Änne! Und danke für das Engagement für Pieschen.
    Das wäre jetzt nach Purna Deli und savoir vivre die dritte Gaststätte in diesem Jahr, die auf der Oschatzer plus Umgebung zu macht, wenn ich mich nicht ire. Auch wenn uns erfreulicherweise der Frankreichladen erhalten bleibt- in der Gastronomie lässt sich eine work-life-balance augenscheinlich nur schwer erreichen. Ich glaube auch nicht, dass das ursächlich mit der Ampel zusammenhängt, auch wenn das hier gerne behauptet wird. Vielmehr dürfte es so sein, dass die jungen Damen und Herren nicht mehr bis zum Herzinfarkt selbst ausbeuten. Ist zwar schade für Cafegänger, aber trotzdem zu begrüßen. (Auch wenn das manchen zu „woke“ sein dürfte- sheesh…)

    • Manu sagt:

      Schöner Kommentar von Ihnen. Und wenn „woke“ hier in der Kommentarspalte bedeutet, in ein Herzblut-Café auch mal reinzugehen, statt nach dem Vorbeigehen auf die Politik zu schimpfen, dann bitte mehr davon.

      Der lieben Änne Dank, Respekt und Durchatmen!

    • Änne Stange sagt:

      Vielen lieben Dank, Schweesdo & Manu 🙂

  4. Ronny Wetzig sagt:

    Liebe Änne,
    ich selbst kann deine Entscheidung total nachvollziehen und drück dir und deiner tollen Family die Daumen für die Zukunft.

    Wenn man auf Dauer über die vielen Jahre alleine dasteht und alles selbst macht, fehlt oft irgendwann die Kraft und Energie.

    Wenn dir danach ist und du vielleicht eine neue bzw. andere Aufgabe suchst und die dich glücklich macht, dann melde dich gern mal bei mir.

    Auf jeden Fall drück ich dir die Daumen und ziehe den Hut vor dieser Entscheidung.
    Und hinter jeder verschlossenen Tür, öffnen sich mindestens 2 Neue.
    Diese Erfahrung habe ich sehr oft gemacht und ist so toll zu erleben.

    Liebe Grüße, Ronny von der

    Kreativen Welt Dresden

  5. kurz reingeschneit sagt:

    Herr Schweesdo Onie, was könnte denn für Sie hier an einem Cafe zu „woke“ sein?
    Ist hier irgendein Kommentar gelöscht worden oder warum bringen sie hier plötzlich diesen Begriff mit der Schließung des Cafes in Zusammenhang? Wegen Öko? wegen Klischee? wegen Berlin Mitte? Was hat das denn alles mit woke zu tun??? Ich raffs nicht.

    • Änne Stange sagt:

      Ich verstehe das „woke“ als sehr ironisch und als Reaktion auf den Kommentar drüber 😄

    • Schweesdo Onie sagt:

      @kurz reingeschneit: Da Sie so freundlich und ganz offensichtlich aus echtem Interesse fragen (gleich DREI Fragezeichen! Wow!): Der fragliche Begriff, der Ihnen so sauer aufstößt, bezieht sich nicht auf „das Cafe“, sondern auf die Betreiberinnen, die achtsam mit ihrer Gesundheit umgehen- was ich ausdrücklich begrüße! Achtsamkeit wird halt oft mit „wokeness“ abqualifizeirt, oft von Menschen, die es sich ein bisschen einfach machen. Eine Haltung, die ich aus dem einen oder anderen Kommentar herauszuhören glaubte- möglicherweise irrtümlich (wahrscheinlach aber nicht…)

    • Rainer Witz sagt:

      Ich denke, was „kurz reingeschneit“ etwas verwirrt, ist die Nutzung des Wortes „woke“ an der Stelle. Zumeist bezieht der sich eher auf den Umgang mit Minderheiten, Mal ein schnelles Zitat aus dem Internet:

      „Woke“ – Die Aufmerksamkeit für Diskriminierungen

      „Woke“ oder auch „Wokeness“ genannt, kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „aufgewacht“ bzw. „wachsam“. Verwendet wird der Begriff heute umgangssprachlich vor allem für die Aufmerksamkeit (Wachsamkeit) bzw. die Feinfühligkeit gegenüber Menschen von Minderheiten und Momenten von Diskriminierungen. Im Fokus der Wokeness-Bewegung stehen vor allem Themen wie Rassismus, Sexismus und ähnliche Diskriminierungen. Nicht selten wird der Begriff aber auch für vermeintlich allgemein strukturelle und politische Missstände benutzt.

      Daher, nichts für ungut, ich denke ich weiß, was sie damit ausdrücken wollten, da man „woke“ gerne in die „links – grüne“ Ecke verordnet, passt hier nur nicht ganz 🙂

      In dem Sinne, schönes Wochenende allen und an Aenne eine erholsame Auszeit und Neuorientierung. Grundsätzlich ist jedes Geschäft in unserem Viertel zu begrüßen, ob man es nutzt oder nicht.
      P.S. Purna gibt es noch, von zwei netten Herren geführt mit in meinen Augen weiterhin guten Qualität. Ich hoffe, dass es noch lange klappt. Allerdings ist leider die Baguetterie weg. Das tut mir immer noch sehr weh.

  6. Anke sagt:

    😳🤦🏻‍♀️Schockmoment…das muss ich erstmal verkraften, damit habe ich gar nicht gerechnet.

    Meine liebe Änne, ich kenne Dich nun schon seit ein paar Jahren und habe quasi Deinen „Caféweg“ mitverfolgt…von der Idee bis zur Umsetzung. Viele Stolpersteine musstest Du überwinden, Rückschläge einstecken und trotzdem hattest Du immer Dein Ziel vor Augen – ein kleines Café in Pieschen. Es war schön Dir zu zusehen, wie glücklich und stolz Du warst, als es endlich so weit war.
    Ich habe immer wieder Dein Strahlen und Dein Engagement bewundert. Immer gestaunt, wie Du das alles wuppst: Chefin, Köchin, Kellnerin, Putzfrau, Steuerfachangestellte, Einkäuferin und „nebenbei“ noch Mutter. Als Selbstständige weiß ich sehr wohl, was hier Jede von uns leisten muss, selbst und ständig.

    Ich weiß, dass Du diese Entscheidung mit Sicherheit nicht leichtfertig gefällt hast und das, wenn Du das Café aufgegeben hast, auch Tränen kullern werden.

    Ich finde den Schritt, den Du jetzt gehst richtig.
    Frau wird älter, reifer und reicher an Erfahrungen und manchmal ändern sich dadurch Sichtweisen und Dinge im Leben.

    Zu erkennen was wichtig ist im Leben ist immer gut.
    Ich mache mir keine Sorgen um Dich, Du wirst Deinen Weg gehen und Du wirst eine neue Aufgabe finden, die zu Dir passt.

    Ich werde Deine Suppen, Kuchen, Schnitten und Dein Lächeln hinter und vor der Theke vermissen.

    Sei herzlich umarmt von Anke U.aus Altpieschen 😘

  7. Suse T. sagt:

    Ich war in großen Abständen ein Süppchen zur Mittagszeit essen und ging immer mit einem guten Bauchgefühl wieder an die Arbeit. Ein Einfrauunternehmen? Oh, das ist kaum vorstellbar. Unsere Familie hat seit über 25 Jahren einen kleinen Handwerksbetrieb. Es ging auf und ab. Aber noch nie wurde so viel Abhängigkeit gefördert. Unternehmergeist und Selbständigkeit ist zur Zeit nicht sehr beliebt. Wirklich schade.
    Hol tief Luft, schau mal von oben drauf und ich hoffe du wirst die richtigen Entscheidungen treffen. Alles Gute für dich und deine Familie.
    Suse vom Wilden Mann

  8. Robert sagt:

    Unglaublich schade! Nicht nur werde ich das Mittag vergessen, vor allem auch die herrlichen Kuchenkreationen und die immer netten Gespräche.

    Alles Gute für die Zukunft!

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