Thema: Stadtbezirksbeirat

Stadtbezirksbeirat Pieschen: Nein zum Zollamts-Umzug auf Areal am P+R Kaditz

Das war ein klares Votum. Zollamt und Lkw-Staus sind am P+R Parkplatz Kaditz nicht erwünscht. Mit 16 mal Nein bei einer Enthaltung hat der Stadtbezirksbeirat Pieschen am Dienstagabend die Ansiedlung der Zollabfertigung für Lkw aus den Nicht-EU-Ländern auf dem Areal am P+R Kaditz abgelehnt.

Auf rund 35.000 Quadratmetern, neben dem Parkplatz gibt es eine 28.000 Quadratmeter große Brachfläche, will die Stadt das Zollamt, das sich derzeit in der Hartmut-Dost-Straße befindet, ansiedeln. Auch private Zollagenturen für die Ausfertigung der Dokumente, die beim Zollamt vorgelegt werden müssen, sollen hierher umziehen. Darüber hinaus ist die Schaffung von Baurecht für die Errichtung eines Selfstorage-Lagergebäudes geplant.

„Hier wird das Problem nicht gelöst, sondern nur von der Stauffenbergallee in einer anderen Stadtteil verschoben“, kritisierte Tino Jasef (Freie Wähler) und fragte, warum der P+R Parkplatz wegfallen soll. Die Gefahr, dass sich die Lkw bis in die umliegenden Wohngebiete stauen, sei auch hier gegeben. Für Joachim Adolphi (Linke) ist das Areal zu klein. Er begründete dies mit der Prognose, dass der Lkw-Verkehr weiter zunehmen werde. Rolf Jörg Poppe (AfD) verwies darauf, dass die Autobahnabfahrt Dresden-Neustadt jetzt schon durch die Nähe zum Elbepark überlastet sei. Auch die Zufahrten zum nahe gelegenen Fliesenzentrum und zum Baumarkt seien stark frequentiert. „Das kann verkehrstechnisch überhaupt nicht funktionieren“, zeigte er sich sicher und bezeichnete die Vorlage für den Bebauungsplan als „unausgegoren“.

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Auf dem rot markierten Areal sollen Zollamt, Lkw-Stellplätze und andere Gewerbe angesiedelt werden. Grafik: openstreetmap / W. Schenk

Joris Kretzschmar vom Amt für Stadtplanung und Mobilität hatte die Pläne erläutert und verwies in der Diskussion mehrfach darauf, dass es sich um den ersten Schritt bei der Planung handele. Die Machbarkeit solle in der Planungsphase erst geprüft werden. Dazu würde auch ein verkehrstechnisches Gutachten gehören.

Raphael Grübler (Grüne) erinnerte daran, dass über das Areal auch ein Radweg führen soll. Er ist Bestandteil der geplanten Verbindung zwischen dem Elberadweg an der Autobahnbrücke und der Washingtonstraße und soll parallel zur A4 verlaufen. Im Radverkehrskonzept trägt dieses Vorhaben die Nummer 727. Auch ein Mobipunkt ist hier geplant. Fünf Ladestationen für E-Autos gebe es bereits.

In der Debatte wurde auch nach alternativen Standorten gefragt – zum Beispiel an der Autobahnabfahrt Dresden-Flughafen oder auf dem Areal der Prinovis-Druckerei. An dem Standort in der Meinholdstraße soll die Tiefdruckerei für Kataloge und Zeitschriften Ende 2022 schließen. Im gleichen Komplex befindet sich auf die Druckerei der Sächsischen Zeitung und der Morgenpost. Es seien auch andere Standorte in der Auswahl gewesen, so Kretzschmar. Die Wahl sei aber auf das Areal an der Washingtonstraßen gefallen.

CDU-Stadtrat Veit Böhm hatte die Standortwahl bereits im Gespräch mit dem Onlinejournal Pieschen Aktuell kritisiert. Stefan Engel, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, schloss sich an. „Die Planung der Stadt Dresden hinterlässt zu viele offene Fragen. „Warum muss eine hochwertige Gewerbefläche in prominenter Lage dafür verwendet werden? Wie soll ein Verkehrschaos rund um den Elbepark verhindert werden? Sollte der P+R-Platz nicht attraktiver angebunden werden, damit er stärker genutzt wird“, zählte er auf. Zwar würde die Verlagerung die Probleme in der Stauffenbergallee lösen, aber gleichzeitig viele andere schaffen, sagte er. Es könne nicht die Lösung sein, das Angebot an P+R-Plätzen deutlich zu reduzieren. Statt dessen sollte man die Attraktivität des P+R Kaditz erhöhen. „Die dauerhafte Verlängerung der Linie 13 von Mickten nach Kaditz wäre eine recht einfache Maßnahme. Dadurch würden sich ganz neue Verbindungen ergeben und der Takt der Straßenbahn verdoppelt“, schlug Engel vor und fügte hinzu. „Die einhellige Ablehnung der Planung durch den Stadtbezirksbeirat Pieschen sollte die Verwaltung nachdenklich stimmen.“

Es war die erste Sitzung des Stadtbezirksbeirates im Jahr 2022. Weil das Rathaus Pieschen derzeit saniert wird, fand die Sitzung im Festsaal des Stadtmuseums statt. Dort ist Platz und im Vergleich zu anderen Ausweichvarianten auch eine gute Akustik. Für Thomas Grundmann, seit 1. Januar Leiter des Stadtbezirksamtes Pieschen, war es eine Premiere. Er leitete seine erste Sitzung des Beirates souverän und erhielt am Ende sogar Beifall von der Stadtbezirksbeiräten.

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